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Serie "Schuld" im ZDF:Geschichten, die einen seltsam kalt lassen

SCHULD nach Ferdinand von Schirach

Liebe am Ende: Theresa (Josefine Preuß) tötet ihren Bruder Leonhard (Louis Hofmann) in der Badewanne.

(Foto: Julia Terjung/ZDF)

Die Fortsetzung der Ferdinand-von-Schirach-Verfilmung "Schuld" im ZDF scheitert an ihrer Vorlage. Denn die Leichtigkeit des Originals überträgt sich nicht auf den Bildschirm.

Die Fernsehkarriere des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach begann im April 2013, als das ZDF den durchaus gewagten Versuch unternahm, aus Schirachs Kurzgeschichtenband Verbrechen eine TV-Serie zu machen. Seither ist Schirach ein Liebling der deutschen Sender, auf Verbrechen folgte die Serie Schuld, die auf seinem zweiten Erzählband beruhte, die Geschichte "Der Äthiopier" wurde ein ARD-Film, Schirachs Theaterstück Terror - Ihr Urteil war eines der meistdiskutierten Fernsehereignisse des vergangenen Jahres. Jetzt zeigt das ZDF eine weitere Staffel der verfilmten Kurzgeschichten, drei davon stammen aus dem Buch Schuld, eine aus Verbrechen, und man muss auch diesmal wieder sagen: Schirachs Erzählungen eignen sich nicht zur Verfilmung.

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Der Charme von Schirachs Texten liegt vor allem in dem sehr leichten, möglicherweise juristischen, jedenfalls immer unaufgeregten Ton, in dem der Strafverteidiger von Fällen aus seiner Laufbahn erzählt. Schirach, das wurde ihm immer wieder mal attestiert, mag kein großer Dichter sein, aber seine Geschichten, jedenfalls die in den beiden dünnen Erzählbänden, sind verdammt gut. Er beschreibt das oft schaurige Geschehen ganz simpel und sehr chronologisch entlang der Ereignisse, ohne Effekte, einfach so dahin. Auf den Bildschirm überträgt sich nur der Schrecken; die Leichtigkeit aber überträgt sich nicht.

Finde den Fehler

Man sucht den offensichtlichen Fehler und findet ihn nicht, denn auch diesmal wieder hat Produzent Oliver Berben, der senderübergreifend das Fernsehen mit Schirach-Stoffen versorgt, eigentlich ziemlich viel richtig gemacht. Moritz Bleibtreu spielt erneut den Anwalt Friedrich Kronberg, eine Figur, die in den Erzählungen kaum in Erscheinung tritt. Für die einzelnen Episoden, die nur durch Kronberg zusammengehalten werden, hat er Iris Berben, Martin Brambach, Lars Eidinger, Josephine Preuß, Louis Hofmann und Jürgen Vogel verpflichtet, die erste Reihe der deutschen Schauspieler also, die das Grundproblem aber auch nicht lösen können. Die Geschichten von einem des Missbrauchs verdächtigen Mann, einem sehr ungleichen Bruderpaar und einem potenziellen Serienmörder lassen den Zuschauer seltsam kalt. Man bemerkt das mit Erstaunen, denn eigentlich müsste sich das Fernsehen mit seinen Bildern leichter tun im Übertragen von Emotionen als ein trocken geschriebener Text aus dem Leben eines Rechtsanwalts.

Eine der berührendsten Erzählungen in Schirachs erstem Band Verbrechen ist "Das Cello"; sie taucht erst jetzt in der zweiten Staffel von Schuld auf, weil sie lange als unverfilmbar galt. "Das Cello" ist die Geschichte einer Geschwisterliebe, Bruder und Schwester verbünden sich gegen einen gefühllosen Vater, verlassen endlich das ungeliebte Elternhaus - dann hat Leonhard, der Bruder, einen schweren Unfall. Theresa, die Schwester, pflegt den geistig und körperlich schwerbehinderten Leonhard und als sie es nicht mehr aushält, ertränkt sie ihn in der Badewanne. Das ist auch im Fernsehen harter Stoff, doch die unbedingte Liebe und grenzenlose Verzweiflung lassen sich nicht in Bilder fassen. "Das Cello" ist die beste Folge der neuen Staffel von Schuld. Und auch die, an der man das Scheitern dieser Verfilmung am deutlichsten spürt.

Schuld nach Ferdinand von Schirach, ZDF, vier Folgen, freitags, 21.15 Uhr.

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