Serie "Tom Clancy: Jack Ryan" Leider blass

Sicherheitspolitischer Dauerbrenner: Jack Ryan (John Krasinski, links) zieht gegen den Terror zu Felde.

(Foto: Jan Thijs/Amazon)

Der von Tom Clancy erfundene Agent Jack Ryan gibt als Terroristenjäger bei Amazon eine fade Figur ab.

Von Benedikt Frank

Eben noch wäre er auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad beinahe in ein Auto gefahren. Jetzt stellt sich dessen Fahrer als sein neuer Chef vor. Da ist es natürlich nicht so einfach für Jack Ryan, Analyst in einer vernachlässigten Abteilung der CIA, diesen Chef zu überzeugen, dass er den neuen Superterroristen entdeckt hat. Das bisschen Kompetenzgerangel ist dennoch bald wieder vergessen. Mit auffallend viel Publikum für eine Geheimdienstoperation holt ein Helikopter Ryan von einer Gartenparty ab und schickt den Schreibtischagenten direkt ins Feld, nach Jemen.

Jack Ryan ist die zentrale Figur im Romanuniversum des 2013 gestorbenen US-Bestsellerautors Tom Clancy. Im Kino wurde sie bereits von verschiedenen prominenten Schauspielern verkörpert: von Alec Baldwin in Jagd auf Roter Oktober, von Harrison Ford in Die Stunde der Patrioten und Das Kartell, von Ben Affleck in Der Anschlag und zuletzt von Chris Pine in Jack Ryan: Shadow Recruit. Zu einer richtigen Agentenreihe nach dem Vorbild James Bond hat es aber nie gereicht. Nun aber lässt Amazon den Helden in der Serie Tom Clancy's Jack Ryan auftreten. Genug Stoff gäbe es jedenfalls. Mit John Krasinski in der Hauptrolle beginnt die Karriere des Jack Ryan relativ am Anfang, in der Romanvorlage wechselt die Figur schließlich in die Politik und wird amerikanischer Präsident.

Der Terroristenführer ist interessanter als die Hauptfigur

Tom Clancys Geschichten handelten stets von den aktuellen oder zumindest aktuell vorstellbaren Feinden der USA. Dass er bereits 1994 über einen Angriff mit einem Passagierflugzeug schrieb, wenn auch von einem japanischen Terroristen, legte man ihm nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2011 als prophetische Voraussicht aus. Nun handelt die neue Serie von einem sicherheitspolitischen Dauerbrenner, islamistischem Terror. Zwar betonen die Macher mit Verweis auf ihre CIA-Berater, wie realistisch die Serie sei, das Bedrohungsszenario darf aber ruhig übergroß sein: Ein Unbekannter, den man nur Suleiman nennt, soll schiitische und sunnitische Extremisten gegen den Westen vereint haben, obwohl diese im echten Leben doch meist gegen die jeweils andere Konfession vorgehen. Noch ungeheuerlicher wird das, weil das Ganze Jack Ryan als Einzigem aufgefallen ist. Allzu sehr ins Detail, wie es dazu kommt, geht man lieber nicht.

Auch das Geheimnis um ihn führt dazu, dass der Terroristenführer die viel interessantere Figur in der Geschichte ist als der eigentliche Held. Ryan ist traumatisiert und will deshalb lieber am Schreibtisch arbeiten, als in den Krieg zu ziehen, aber Pflicht ist nun mal Pflicht. Suleiman hingegen zieht gerade wegen seines Kriegstraumas in die Schlacht. Ryan lässt meist andere schießen und foltern, dass er dabei zusieht, ohne selbst gewalttätig zu werden, soll seine Klugheit als Analyst unterstreichen. Suleiman ist ein kriminelles Genie, das seinem Gegenspieler stets ein paar Schritte voraus ist, nur in Privatangelegenheiten, da hapert es: Seine Frau verlässt ihn mit den Kindern, nachdem sie seine Brutalität erkennt.

Amazon interessiert vor allem der Name des bekannten Franchises, passend zur Strategie des Internetriesen, bei Serienproduktionen mehr auf Masse zu setzen. Doch ausgerechnet der titelgebende Hauptcharakter bleibt blass und wirkt gerade anfangs in der teuren Actionkulisse oft etwas verloren. Im an Produktionen reichen Genre des Terrorparanoia-Thrillers genügt nur ein guter Widersacher nicht, um interessant zu sein.

Tom Clancy's Jack Ryan, bei Amazon Prime.