Serie "Breeders":Habt euch nicht so

Breeders Serie Sky

Papa Paul ist auf Schlafentzug. Martin Freeman (rechts) in der Serie "Breeders".

(Foto: FX Networks)

Martin Freeman spielt in "Breeders" einen zu Wutausbrüchen neigenden Familienvater. Der schwarze Humor der Serie ist zu dick aufgetragen.

Von Kathleen Hildebrand

"Früher", sagt Allys Vater zu seiner erwachsenen Tochter, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, "früher hat man nicht darüber geredet, da hat man so getan, als sei alles in Ordnung." Es geht in dieser Szene um Wochenbettdepressionen, der Satz beschreibt aber auch sehr gut, was die Serie Breeders offenbar sein will: ein superauthentischer Tabubruch über die Leiden des Elterndaseins. Eine schwarze Komödie, die gestresste Eltern einschalten, wenn die Kinder endlich im Bett sind, um "Genau so ist es!" zu seufzen. Das Problem ist nur, dass Breeders wirklich gar nichts anderes tut als die unerfreulichen Seiten des Familienlebens mit lauten "Fuck!"-Ausrufen zu beklagen. Und deshalb ist sie am Ende ähnlich schwer erträglich wie vorgetäuschtes Familienglück.

In der ersten Folge verbringen Ally (Daisy Haggard) und ihr Partner Paul eine schlaflose Nacht, weil Söhnchen Luke, 7, sich vor dem Ausbruch eines Feuers fürchtet. Schwester Ava, 4, kann da natürlich auch nicht schlafen. Nach kurzer Verhandlung, bei der jeder alles in die Waagschale wirft, was er am nächsten Tag wird leisten müssen, wechseln sich die Eltern im 90-Minuten-Rhythmus mit der Nachtwache ab. Außerdem fantasieren sie in einem heiteren Wortwechsel über die beste Möglichkeit, die Kinder zu ermorden. Was die wiederum von ihren Eltern halten, interessiert die Serie überraschend wenig.

Martin Freeman, der mit seinen Rollen als Der Hobbit und als Watson in Sherlock zum knuddeligen netten Kerl des britischen Films par excellence geworden ist, hat die Serie mitkonzipiert und spielt die Hauptfigur, den Londoner Obere-Mittelschicht-Dad Paul. Wobei das mit der oberen Mittelschicht so eine Sache ist: Paul arbeitet für eine Wohltätigkeitsorganisation, Ally für eine Werbeagentur. Wie die beiden sich das Architekten-Reihenhaus mit den riesigen Fenstern, den Design-Heizkörpern und den scheinbar schwebenden Treppen leisten können, zumal in einer der teuersten Städte der Welt, ist ein Rätsel. Eines, wie zeitgemäße Serien es eigentlich nicht mehr aufgeben können, ohne sich lächerlich zu machen.

Die Müllmänner stellen Paul morgens besorgt zur Rede

Es liegt auch daran, dass man selbst als Teil der Zuschauer-Zielgruppe nicht viel mit Breeders anfangen kann: Ally und Paul haben es ziemlich gut. Ihr Haus ist schön, ihre Jobs sind angenehm, ihre Kinder gesund. Sie mögen sich sogar und machen Scherze über ihre Unzulänglichkeiten als Eltern, die der andere lustig findet.

Breeders hat einige feine, genaue Beobachtungen zu bieten: Die völlig normalen Kinderunfälle von Luke zum Beispiel, mit denen er zufällig immer bei derselben Notfallkrankenschwester landet, die deshalb schließlich das Jugendamt informiert, treffen die Albträume von Eltern perfekt. Aber wenn Paul regelmäßig seine Kinder mit Fluchtiraden erschreckt, weil sie zu viel Lärm machen, und so viele geleerte Alkoholflaschen wegwirft, dass die Müllmänner ihn morgens besorgt zur Rede stellen, fragt man sich, ob da nicht etwas anderes, Größeres, hinter seiner Wut steckt. Aber da ist nichts. Der eigentlich tröstliche Effekt von Breeders auf Eltern ist deshalb der Gedanke, dass Kinder zu haben so schlimm nun auch wieder nicht ist.

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