"Reise durch den Kaukasus" auf Arte Zur Comic-Figur verwandelt

Gérard Depardieu in der Doku "Reise durch den Kaukasus" auf Arte.

(Foto: © B-Tween)

Seit kurzem Russe, begibt sich Gérard Depardieu in der Arte-Dokumentation "Reise durch den Kaukasus" auf eine Motorradtour durch Aserbaidschan. Das fällt durchaus in die Kategorie höherer Quatsch - und zeigt, was aus dem Schauspieler geworden ist.

Von Claudia Tieschky

Lange bevor der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Freund Wladimir Putin in St. Petersburg abbusselte, hatte sich bereits ein anderer der starken Macht an den Hals geworfen. Gérard Depardieu erwies sich als echter Staatsschauspieler, als er sich 2013 von Putin persönlich seinen neuen Pass überreichen und zum Russen machen ließ. Der Herrscher von Moskau erhebt schließlich keine Reichensteuer wie sie der Sozialist François Hollande seinen Landsleuten und vor allem dem erbosten Depardieu eingebrockt hat; neuerdings gibt der seinen Namen für das Luxusuhrenmodell eines Schweizer Herstellers unter dem Label "Proud to be Russian".

Aber nicht nur als neuer Russe interessiert sich Depardieu jetzt für die lupenreine Republik Aserbaidschan, die bis 1991 zur Sowjetunion gehörte, sondern auch als alter Franzose. Der Mann, der nicht nur Edmond Dantes, also den Grafen von Monte Christo verkörperte, sondern 2010 auch dessen Schöpfer Alexandre Dumas höchstpersönlich spielte ("Der andere Dumas"), bereiste nun wie 1858 der große Erzähler den fernen Kaukasus. Das Unternehmen fällt in die Kategorie höherer Quatsch, hat also viel für sich.

Im Schlepptau hat Depardieu, wie Dumas seinerzeit auch, einen Maler: Der Comic-Zeichner Mathieu Sapin ist in beeindruckendem Kontrast zu dem bärenhaften Depardieu ein schmaler, vorsichtiger Mann und muss sich ewig dessen Spott gefallen lassen. Das ist eine Weile ganz nett, aber Sapin ist halt ein Zeichner - und kein Sprecher. Er sagt nix, oder fast nix. Umso mehr wird Dumas' Reisebericht zitiert und umso mehr dröhnenden Unsinn muss Depardieu reden, damit es irgendwie voran geht. Zwischen staunenden Kuhhirten tappst er über eine Weide zu einer Quelle, an der Dumas einst womöglich vorbeikam und behauptet pathetisch: "Ich koste von dem Wasser, das Dumas getrunken hat". Und wenn er witternd die Nase hebt: "Es roch so lecker nach Bratenspieß", fällt einem schlagartig wieder ein, dieser vielseitige Mann war ja auch mal Obelix.

"Ich litt unter einem Zuviel an Gefühlen"

Auch sonst wird reichlich gekostet, etwa von den lokalen Spezialitäten auf einem Markt, wo sich Depardieu wie ein Staatsmann mit Entourage leutselig unters Volk mischt. Die guten Leute aus Baku und anderswo sind angemessen malerisch, sagen aber leider auch nicht viel, dafür macht der Journalist Fuad Akhundov den Gastgeber und Geschichtserklärer. Über das heutige Aserbaidschan erfährt man trotzdem eigentlich nichts, nichts über das autoritäre Regime, natürlich auch nichts über die wachsende Bedeutung bei der Gasversorgung Westeuropas angesichts der Putinschen Politik.

"Das Abenteuer, die Intuition, die Leidenschaft, das berührt mich, das gehört zu mir, das ist auch mein Leben", raunt Depardieu am Beginn der Reise und meint es als Hommage an Alexandre Dumas. Den zitiert er auch noch auf der wackligsten Piste und im rumpligsten Jeep. Der stille Sapin indes zeichnet unaufhörlich - in französischen Medien heißt es, er plane womöglich einen Comic-Band über Depardieu. Manchmal kommt er ihm bei all dem Unsinn trotzdem nahe. Dann spricht Depardieu auf einem verkehrslärmumtosten Friedhof über dem Kaspischen Meer vom Tod oder über die Zeit, in der er als Jugendlicher nicht mehr sprach: "Ich litt unter einem Zuviel an Gefühlen."

Der stille Monsieur Sapin wiederum bringt gerade einen Comicband über den Elysée-Palast in sozialistischen Zeiten heraus mit dem Titel: "Der schöne Alltag im Schloss unter François Hollande". Aus Anlass seiner Reise mit Sapin brachte das französische Comic-Magazin Casemate gerade ein großes Interview mit Depardieu, in dem der dezent mit seiner Freundschaft zu Präsident François Mitterrand angab und von dem Sozialisten behauptete: "Ich bin sicher, er hätte sich mit Putin sehr gut verstanden." Sicher - im Grunde ist Depardieu schon lange eine Art Comic-Figur. Das wäre für den anderen Gerard, Schröder, auch noch eine schöne Perspektive.

Reise durch den Kaukasus; Gérard Depardieu auf den Spuren von Alexandre Dumas, Arte, Sonntag, 21.55 Uhr