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Reality-Show:"Promi Big Brother" - Wohnprojekt für verrückte Tanten und notgeile Onkels

'Promi Big Brother 2016' First Live Show In Cologne

Ben Tewaag ist einer von zwölf Kandidaten, die bei der neuen Staffel "Promi Big Brother" mitmachen.

(Foto: Getty Images)

Ben Teewag saß schon im Knast, Prinz Marcus von Anhalt auch. Sie und die anderen zehn Teilnehmer von "Promi Big Brother" wollen gern berühmt werden. Die erste Folge - großküchenpsychologisch analysiert.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Mit bloßer Küchenpsychologie kommt der Beobachter des Promi-Big-Brother-Hauses nicht weiter. Hier braucht es schon Großküchenpsychologie. Schließlich werden in dem künstlichen Biotop für Buchstabenprominenz existenzielle Konflikte ausgetragen. Es geht um Identität: Werde ich es schaffen, mich von meinem Ruf zu emanzipieren? (Zum Beispiel: Cathy Lugner, bisher Baulöwen-Gspusi, und Ben Tewaag, bisher missratener Sohn.) Um Alter: Wird mir das Essen aus dem Mund fallen? (Joachim Witt, 67) Um Alkohol: Warum gibt es hier keinen Wodka? (Natascha Ochsenknecht) Und natürlich um die Frage: Werde ich endlich berühmt? (alle)

Das mit dem Biotop im Sinne eines schleimigen Feuchtgebiets meint Sat.1 in der vierten Staffel Promi Big Brother im Übrigen durchaus wörtlich. Ein Teil der Bewohner wird in der Kanalisation hausen, während der Rest oben im Möbelhaus-Wohnwelten-Chic leben und Prosecco für 6,99 Euro die Flasche schlürfen darf. Im Reality-TV-Kosmos ist diese Kombination auch bekannt als: Luxusbereich. Der Klassenunterschied der Bewohner während der 14-tägigen Übertragung garantiert niedere Emotionen und unterirdische Gags. Moderator Jochen Schropp beginnt schon mal mit Letzterem: "Hier sind unsere Promis tatsächlich ganz unten angekommen."

Weil Schropp erfahrungsgemäß so unterhaltsam ist wie ein Morningshowanimateur im Radio, wurde ihm in den vergangenen Staffeln Cindy aus Marzahn zur Seite gestellt. In diesem Jahr ist Kabarettistin Desirée Nick als weiblicher Sidekick gebucht. Und das mit dem Ablesen der vorgeschriebenen Pointen klappt schon ganz gut: Die ganze Bandbreite der Kinder Gottes sei in diesem Jahr vertreten, sagt Nick, "in all ihren Verzerrungen". Ja, tatsächlich, man darf sich Promi Big Brother wie familiäres Mehrgenerationen-Wohnprojekt vorstellen - mit überproportionalem Anteil an verrückten Tanten und notgeilen Onkels.

Vagina-Vergleich am ersten Abend

In Kandidatin Edona James kommt alles zusammen: Tante, Onkel, verrückt und notgeil. Die Transsexuelle war bereits Teilnehmerin des Nackt-Dating-Formats Adam und Eva bei RTL und wurde offenbar auch bei Sat.1 eingekauft, um dem Publikum zu zeigen, was ihr der Chirurg geschenkt hat. So kommt es gleich am ersten Abend in der Kanalisation zum Vagina-Vergleich zwischen Edona und Mitbewohnerin Jessica Paszka, Ex-Bachelor-Kandidatin. Auch die hat im Übrigen vollstes Vertrauen, dass die Götter in Weiß korrigieren können, was der Herrgott nicht zur eigenen Zufriedenheit angelegt hat: "Meine letzte Schönheits-OP war der brazilian butt."

Großküchenpsychologisch ist das Ganze schwierig. Nicht, weil nicht jeder das Recht hätte, oben was dranzubauen, unten was wegzunehmen und hinten was reinzuspritzen, wenn es ihm oder ihr hilft. Aber Kandidatin Edona wirkt stellenweise, als stünde sie kurz vor dem Zusammenbruch - und das liegt nicht am überdimensionierten Silikonbusen.

Fürs gute Gewissen des Ironisch-Guckers sind Kandidaten wie Prinz Marcus von Anhalt viel besser. Seine durchlauchte Großkotzigkeit proletet direkt im ersten Einspieler los: "Ich hab' nicht mehr viel zu arbeiten. Ich muss eigentlich nur noch einmal im Monat auf meinen Kontoauszug gucken." Für solche Sätze wird der selbsternannte Bordell-König prompt vom Publikum in die Kanalisation gewählt. Er nimmt's sportlich, mit Strafe kennt er sich aus. Der Mann mit dem gekauften Adelstitel (Prinz, nicht Bordell-König) nutzt die Fernsehshow als Resozialisierungsmaßnahme - bis vor Kurzem saß er eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung ab.

Nun also die freiwillige Einkerkerung im TV. Mit sexuellen Entbehrungen hat er dabei nach eigener Aussage weniger Probleme als mit dem Zurücklassen von Tochter und "Rollex". Für Fans deutscher Trash-Monarchie: Von Prinzen-Töchterchen Shanaya, sechs Jahre alt, gibt es ein rührendes Video, wie sie ihrem Vater nach dessen Haftentlassung mit einem kreischenden "What the fuck!?" um den Hals fällt. Kurz vorher antwortet sie auf die Frage ihrer Mutter, wie sie denn reagieren würde, wenn ihr andere Kinder das Spielzeug wegnehmen: "Dann mach' ich die kaputt."

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