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Pressekonferenzen beim Eurovision Song Contest:Man kennt sich, man mag sich

Beim Eurovision Song Contest kommt man nicht umhin, die Kollegen zu beschreiben. Im Prinzip sind es keine Journalisten, sondern reportierende Fans. Jede Gemütsregung eines Befragten wird mit freudigem Glucksen zur Kenntnis genommen. Doch warum sind hier eigentlich so wenige Frauen?

Pressekonferenz beim Eurovision Song Contest in Baku

Eine von vielen Pressekonferenzen in Baku.

(Foto: dapd)

Man soll ja als Journalist nicht über Journalisten schreiben. Man macht seine Arbeit, und gut ist. Beim Eurovision Song Contest kommt man allerdings nicht umhin, die Kollegen zu beschreiben, weil es eine ganz besondere Spezies ist, die sich bei ESC-Pressekonferenzen tummelt. Im Prinzip sind es keine Journalisten, sondern reportierende Fans, die so tun, als wären sie Journalisten.

Fragen an Künstler beginnen dementsprechend möglichst mit einem viel zu fett aufgetragenen Kompliment. "Thank you for a wonderful Show", lautet die Standardeinleitung, der in der Regel eine "Wie fühlt man sich"-Frage folgt. Jede Gemütsregung eines Befragten wird mit freudigem Glucksen zur Kenntnis genommen. Und manchmal ist es ohnehin nur der Austausch von Freundlichkeiten unter Freunden. Man kennt sich, man mag sich.

Kollegen, die Probleme sehen und dazu näheres wissen wollen, werden gerne schräg von der Seite mit so einem "Was tut der hier"-Blick angeschaut. Es offenbart sich eine tiefe Kluft zwischen jenen, die schon seit Jahren und Jahrzehnten das Singspiel begleiten, und jenen, die sich gerade in die Materie einarbeiten und mehr am drumherum als am Gesinge interessiert sind.

Am Schluss gibt es fast immer Applaus für die Menschen auf dem Podium. Auch das wirkt ungewöhnlich, wenn man nicht gewohnt ist, jede Antwort, die man erhält, zu beklatschen. Frauen sind übrigens eindeutig in der Minderzahl bei ESC-Pressekonferenzen, in der Regel stellen sie vielleicht zehn Prozent der Anwesenden. Woran das liegen mag? Bezogen auf die Musik, die beim ESC immer wieder verbrochen wird, könnte man eine einfache Antwort geben. Vielleicht haben Frauen einfach mehr Geschmack. Jetzt bitte applaudieren.