Podcasts des Monats Dezember:Dichter und Hacker

Podcasts des Monats Dezember: undefined
(Foto: Stefan Dimitrov (Illustration))

"Dark Avenger", "Fünf Minuten Goethe", "Exil" und "Metro Men": Die besten Podcasts im Dezember.

Von Aurelie von Blazekovic, Stefan Fischer, Nicolas Freund und Carolin Gasteiger

Dark Avenger - Im Rausch der ersten Computerviren

deutschlandfunk.de

Der "Dark Avenger" ist kein neuer, nerviger Superheld und auch keine Heavy-Metal-Band, obwohl Letzteres schon in die richtige Richtung geht. Der "Dunkle Rächer" war ein bulgarischer Hacker, der als einer der Ersten in den Achtzigern Computerviren programmierte. Eines seiner Werke schaffte es sogar bis auf die Rechner des Pentagon. Bis heute weiß man nicht, wer sich hinter dem "Dark Avenger" verbirgt, und die Indizien sind alle sehr vage: In seinen Codes versteckte er (es ist wohl ziemlich sicher ein Mann) unter anderem Zitate der britischen Metal-Band Iron Maiden. Da im Bulgarien der Achtziger der Zugang zu Computern stark eingeschränkt war, könnte es durchaus sein, dass mal eben ein Gymnasiast in Sofia vom Schulrechner aus das amerikanische Verteidigungsministerium gehackt hat. Oder steckt hinter dem Avenger doch dessen Gegenspieler, der Virenexperte Vesselin Bontchev? Maximilian Brose, Shahrzad Golab und Jana Wuttke graben alle obskuren Informationen aus, die über den bulgarischen Hacker zu finden sind, und setzen sich nicht weniger zum Ziel, als ihn am Ende vielleicht selbst zu stellen. Eine kurzweilige und detailreiche Spurensuche, auf der man nebenbei auch viel über die Anfänge der Digitalisierung hinter dem Eisernen Vorhang erfährt. Nicolas Freund

Fünf Minuten Goethe

klassik-stiftung.de

Er reitet spät durch Nacht und Wind, schon klar, aber wer oder was ist das, ein Erlkönig? Wen Goethe nach der Schulpflichtlektüre noch umtreibt, findet im Podcast der Klassik Stiftung Weimar Antworten, die unter anderem zentrale Goethe-Institutionen verwaltet. Erlkönig ist also nicht nur der Name für die in Schwarz-Weiß-Mustern getarnten Testwagen von Autoherstellern, so steigt der Podcast anfängerfreundlich ein, sondern der gruselige Titelgeber aus Goethes berühmter Ballade. Eine Literaturwissenschaftlerin aus Kopenhagen kann weiterhelfen. Dem Erlkönig liegt ein Übersetzungsfehler aus einem früheren Gedicht zugrunde, aus einem dänischen Elfenkönig kam so ein Erlenkönig ins Deutsche. Ist er bei Goethe ein Baumkönig, ein Naturgeist, ein Kinderschänder? Der Podcast behandelt solche Fragen in größter Kürze und doch mit der gebotenen Tiefe. Ira Klinkenbusch vom Goethe-Nationalmuseum und Hannes Höfer von der Goethe-Gesellschaft führen durch die Gespräche, beschäftigen sich bisher auch mit Goethes Schulzeit, seinem Verhältnis zu Schiller oder dem Islam. Aurelie von Blazekovic

Exil

bpb.de

Flirten wollte Florence Mendheim nicht mit den deutsch-amerikanischen Nazis, die sie für den American Jewish Congress ausspionierte. Das war ihr zu widerlich. Aber an der verdeckten Tätigkeit hatte sie offenbar Spaß, nannte sich Gertrude Müller oder schon mal Anna Hitler. Das Schicksal der Bibliothekarin im New York der Dreißigerjahre ist eines von zwölf, das der Podcast Exil aufarbeitet. Die Folgen basieren auf Tagebucheinträgen, Briefen und Archivdokumenten, im Austausch mit Familienangehörigen beleuchten das Leo Baeck Institute in New York/Berlin und die Bundeszentrale für politische Bildung bislang unbekannte Geschichten von Jüdinnen und Juden aus der Zeit des Nationalsozialismus. Auch Albert Einstein ist darunter. In den USA lief die Podcast-Reihe mit dem Schauspieler Mandy Patinkin (Homeland) im vergangenen Jahr, die deutsche Auflage liest sehr einfühlsam und souverän Iris Berben. Ohne viele Effekte, aber sehr eindrücklich wird so deutsch-jüdisches Leben vor und nach dem Nationalsozialismus anschaulich. Und ein "Nie wieder" mit einem weiteren Ausrufezeichen versehen. Carolin Gasteiger

Metro Men

wondery.com

Günter Schotte-Natscheff hat Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre in Düsseldorf in der Zentrale der Metro AG gearbeitet und herausgefunden, dass es eine Sicherheitslücke gibt. Sein Vorgesetzter wiegelte ab, also trat Schotte-Natscheff den Beweis an: Er überwies eine Million D-Mark an seinen Lebensgefährten Fred Vowinkel. Ohne dass dies bei der Metro jemandem aufgefallen wäre. Eigentlich will er das Geld zurückgeben. Aber da hat Vowinkel schon mit dem Ausgeben begonnen. Luxusartikel, Erster-Klasse-Flüge, Fünf-Sterne-Hotels: Schotte-Natscheff und Vowinkel lassen es krachen, und der Metro-Mitarbeiter zweigt immer mehr Geld ab, insgesamt 36 Millionen Mark. Nach ein paar Monaten setzen sie sich ab nach Rio de Janeiro - just in dem Moment, als der Diebstahl bei einer Revision endlich doch auffällt. Hannjörg Hereth, der Mann für spezielle Aufgaben im Dienst von Metro-Chef Otto Beisheim, jagt Schotte-Natscheff und Vowinkel nach, sich nicht um Recht und Gesetz scherend. Der Autor Christoph Mathieu und die Schauspielerin Lisa Hrdina erzählen diesen wahren, damals aufsehenerregenden, heute aber weithin vergessenen Kriminalfall als Thriller, im Wechsel aus der Perspektive der Täter und des Jägers. Stefan Fischer

sz.de/podcast-tipps

Zur SZ-Startseite

SZ PlusHistoriker Volker Weiß zu Deutscher Erinnerungskultur
:Die Erinnerung fällt so schwer

War die Shoah singulär oder nicht? Zum Eklat um die Absage der Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an Masha Gessen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: