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Piraten und Urheber im Dialog:Raubkopieren so schlimm wie Schwarzfahren?

Den Autoren geht es um eine ganz andere Frage: Wie kann man in der digitalen Welt die Verfügungsmacht über das eigene Werk behalten? Die Forderung der Piraten nach einem Recht auf unendlich viele Privatkopien verträgt sich schlecht mit der Forderung der Autoren, dass sie selbst bestimmen wollen, wer wann und wo ihr "Baby" nutzt und vervielfältigt.

Das Thema, so viel wird im Ritter Butzke klar, ist reichlich komplex für eine vierstündige Diskussionsrunde. Die Teilnehmer mühen sich an ihm ab wie an einem verhedderten Knäuel, immer wieder tauchen neue Aspekte auf. Wie können Autoren mit ihrer Arbeit Geld verdienen? Sind Menschen überhaupt noch bereit, für Kunst und Kultur Geld zu bezahlen?

Wer ist dafür verantwortlich, dass neue Geschäftsmodelle entstehen? Der Künstler selbst oder doch wieder Verlage, Gema und Co.? Verdient Lady Gaga trotz oder gerade wegen des digitalen Wandels Millionen? Und wie viel verdient sie eigentlich? Müsste man nicht die Macht von Google und Facebook brechen? Und ist nicht eigentlich sowieso der Kapitalismus, der den Profit so sehr in den Vordergrund stellt, an allem schuld?

Einigkeit nur in einem Punkt

Einig sich alle allein in dem Punkt, dass niemand den 14-jährigen Raubkopierer dafür mit hohen Strafen belegen will, dass er sich im Internet Musik herunterlädt. Hier gibt sich sogar der kritische Fotograf versöhnlich. "Wenn mich der Betreiber einer privaten Fanseite fragt, ob er ein AC/DC-Foto von mir für seine Webseite benutzen darf, dann sag ich ja", erzählt Karp weiter, "aber ich will eben gefragt werden." Wenn er zum Beispiel Teenager, die seine Fotos in ihren Facebook-Account posten, auf seine Rechte hinweise, dann kriege er "rotzige Antworten".

Doch wie umgehen mit derartigen Fällen? "Wie wäre es, wenn jeder, ganz egal welches Alter, der das Foto einfach so nimmt ohne zu fragen, einen Zwanziger an eine karitative Einrichtung zahlt?", schlägt Karp vor. Eine Strafe, die ähnlich hoch ist wie die für Schwarzfahren in der U-Bahn. Auch die Schaffung eines "Ehrenkodexes" kann er sich vorstellen, zum Beispiel in Form eines Aufrufs der Piraten: Kopiert keine Werke, ohne die Künstler zu fragen! So ganz gefällt das den Piraten auch nicht, aber sie nicken immerhin höflich.

"Das Schwarzfahrermodell finde ich nicht gut, weil es ein Sanktionsmechanismus ist", sagt zum Beispiel Julia Schramm nach der Veranstaltung. "Ich bin da hin und her gerissen. Als Autorin habe ich den idealistischen Anspruch, dass jeder meine Sachen bedingungslos lesen darf. Als Politikerin weiß ich aber, dass man auch Kompromisse machen muss." Und es sei immerhin besser, wenn man "statt 2000 Euro einen Zwanni zahlen muss."