"Pastewkas Weihnachtsgeschichte" auf Sat 1 Dezent war gestern

Bastian Pastewka in Pastewkas Weihnachtsgeschichte

Auf der Suche nach dem verlorenen Weihnachtsbaum: Mit einem gutgemeinten Weihnachtsspecial kehrt "Pastewka" zurück ins Fernsehen. Vom hintergründigen Humor vergangener Staffeln ist dabei leider wenig übriggeblieben.

Von Matthias Kohlmaier

Mit dem Humor ist es so eine Sache im deutschen Fernsehen. Damit ist nicht die grandiose heute-show gemeint, das humoristische Trauerspiel findet im fiktionalen Bereich statt. Da schmeißt RTL probehalber mal ein paar pseudo-witzige Serien ins Programm, die wegen anhaltender Unlustigkeit und mieser Quoten spätestens nach einer Staffel den gerechten Serientod sterben. Das war's dann wieder, es findet sich einfach nicht an jeder Ecke ein Stromberg.

Die wenigen tollen Unterhaltungsformate werden umso sorgsamer in die Programmplanung integriert, möchte man meinen. Von wegen. Nehmen wir das Beispiel Pastewka. Die Serie, in der Komiker Bastian Pastewka sich selbst von Fettnäpfchen zu Fettnapf hüpfend spielt, lief mittlerweile in sechs Staffeln bei Sat 1. Die Quote war dabei nicht überragend aber ordentlich, der Sendeplatz wanderte dennoch von 21.15 Uhr nach hinten auf 23 Uhr.

Kleines Schmankerl

Dass Bastian Pastewka den sympathischen Tölpel und haarspalterischen Besserwisser von nebenan so angenehm wenig pointenheischend gibt, dass die Serie zu recht mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde - egal. Die siebte Staffel ist längst abgedreht, Sat 1 will sie angeblich 2014 zeigen. Einen Starttermin, geschweige denn einen Sendeplatz, haben die Verantwortlichen aber auf Nachfrage nicht parat. Soviel zum sorgsamen Umgang mit einem der wenigen guten Comedy-Formate des deutschen Fernsehens.

Immerhin zu einem kleinen Schmankerl konnten sich die Verantwortlichen durchringen. Am sehr späten Freitagabend läuft Pastewkas Weihnachtsgeschichte. Gerade das vermeintliche Fest der Liebe bietet Bastian Pastewka samt TV-Familie in ihrer als Real-Satire getarnten Sitcom doch gewiss eine Menge Erzählstoff. Mit den Gaststars Anke Engelke und Michael Kessler kann ohnehin gar nichts schief gehen, oder? Leider doch, es kann.

Während Bastian in der Weihnachtsdoppelfolge alles versucht, um seinen Lieben das Fest nicht zu versauen, ist von dem dezenten, hintergründigen Humor vergangener Staffeln nur wenig übriggeblieben. Pastewka spielt nicht mehr nur den Komiker Bastian Pastewka, er versucht, den verdammt witzigen Komiker Bastian Pastewka zu spielen. Ähnlich übertrieben gebärdet sich Anke Engelke, die zum Beispiel solche Dinge sagt: "Bastian, von dir erwartet niemand irgendetwas. Das hast du dir über die letzten Jahrzehnte erarbeitet."

Spin-offs bekannter TV-Serien

Fortsetzung folgt

Außerdem macht sich in der sehr auf die beiden Hauptdarsteller fokussierten Folge ganz massiv das Fehlen der Neben-Charaktere bemerkbar. Bastians mürrischer Vater Volker oder seine meist alkoholisierte Managerin Regine tauchen erst gegen Ende der Episode auf. Davor jagen Bastian Pastewka und Anke Engelke in einer arg konstruierten Geschichte einem verlorenen Weihnachtsbaum und einem verpassten Auftritt hinterher.

"Auf der Grenze zwischen Comedy und Sitcom etabliert Pastewka - trotz, wegen oder mit US-Vorlage - etwas, das viele noch immer für unmöglich halten: deutschen Humor", lautete das Fazit der Jury des Deutschen Fernsehpreises, den Pastewka 2006 als beste Sitcom bekam. In der Weihnachtsfolge ist dieser Humor leider nur mehr selten eine amüsante Mischung aus Dittsche und Stromberg, sondern übertrieben wie beim erfolglos versendeten RTL-Plunder. Bleibt zu hoffen, dass Staffel sieben sich wieder an besseren Zeiten orientiert. Falls Sat 1 einen Sendeplatz dafür findet.

Pastewkas Weihnachtsgeschichte, Sat 1, 23.30 Uhr