Paparazzi-Video:Filmreife Inszenierung? "Quatsch."

Grönemeyer lief hinter dem Fotografen her, weil der, wie der Sänger meinte, "meine Familie erneut verfolgen" wollte. Dabei schwang er die Tasche. Der Paparazzo habe sich "sofort fallen gelassen". Das machten "alle Schmeißfliegen-Fotografen" so, und das wüssten auch die Zeitungen, die solchen Leuten Aufträge gäben. Er habe ihn "nur von hinten am Nacken gehalten", um ihn am Fotografieren zu hindern.

Den Auftrag für den Doppel-Einsatz am Flughafen hatte der berühmteste deutsche Paparazzo Hans Paul, 60, gegeben, der eine Firma unterhält. "Schlechte Nachrichten sind für mich gute Nachrichten", sagt Paul und lacht. "Schreiben Sie das bitte auch." Er hatte den Kameramann und den Fotografen zum Kölner Flughafen beordert, als er erfuhr, dass Grönemeyer mit Freundin in die Domstadt fliege.

Paul ist durchaus zur Ambivalenz fähig. "Privat ist privat", sagt der Paparazzo. Wenn er gewusst hätte, dass für Grönemeyer das Privatleben "heilig" sei, hätte er den Auftrag nicht erteilt. Ehrenwort. Er möchte ja auch nicht, sagt Paul, mit seiner eigenen Lebensgefährtin fotografiert werden.

Der Schizo ist in dieser Branche so normal wie der ewige Konkurrenzkampf. Paparazzo ist übrigens der Name einer Romangestalt, den Fellini in seinem Film La Dolce Vita für einen Sensationsfotografen übernommen hat. Dass es sich bei der Grönemeyer-Aktion um eine filmreife Inszenierung seiner Leute gehandelt haben könnte, schließt Paul aus: "Quatsch."

Der Kölner Anwalt Stefan Peveling, der den Fotografen vertritt, erklärte am Freitag, er habe nachgefragt, ob man Grönemeyer eine Falle gestellt habe und der Fotograf habe das "eindeutig verneint". Für ihn stehe fest, dass Grönemeyer "aus der Rolle gefallen" sei und "unangemessen" reagiert habe. Der Fall sei "nicht geeignet, um allgemein gegen Paparazzi Stimmung zu machen". Sowohl der Fotograf als auch der Kameramann hätten Verletzungen erlitten. Eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung habe er vorbereitet. Eigentlich habe er erwartet, dass sich Grönemeyer entschuldige und Schmerzensgeld zahle.

Kampf gegen die "Leute an der Spitze"

Der denkt gar nicht dran. Grönemeyers Presseanwalt Christian Schertz verschickt munter Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen. Die meisten Medien, so Schertz, hätten nach seinen Schreiben das Video bereits gesperrt. Und die "angeblichen Verletzungen" seien "aufgrund der tatsächlichen Abläufe sicher auszuschließen".

Grönemeyer zeigt sich weiter kampfbereit. Denn sein Privatleben, darauf legt der 58-Jährige Wert, muss für die Medien tabu sein. Und er kann sich dabei auch auf einschlägige Urteile europäischer und deutscher Gerichte berufen. Auch wenn sich ein Promi mit Begleitung in der Öffentlichkeit zeigt, können sich beide auf die Privatsphäre berufen. Mit Bild und Bunte will er prinzipiell nichts zu tun haben: "War nie meine Welt." Ihn interessieren "mehr die Leute an der Spitze, die es möglich machen, dass solcher Dreck gesendet oder gedruckt wird". Mit denen will er sich ordentlich anlegen.

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