Paparazzi-Video:Grönemeyer wehrt sich gegen Prügel-Vorwürfe

Herbert Grönemeyer

Kämpft gegen Teile der Journaille: Sänger Herbert Grönemeyer.

(Foto: dpa)
  • Auf einem Paparazzi-Video soll zu sehen sein, wie der Sänger Herbert Grönemeyer einen Fotografen niederschlägt.
  • Grönemeyer bestreitet die Vorwürfe und sagt, er sei in eine Falle gelockt worden. Der Angriff auf den Fotografen sei fingiert gewesen.
  • Der Anwalt des Fotografen bereitet derweil eine Strafanzeige gegen den Sänger vor.
  • Grönemeyers Anwalt verschickt Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen.

Von Hans Leyendecker

Es ist ein lausiger Film mit miserabler Kameraführung und verwackelten Bildern. Aber zu erkennen ist der Sänger Herbert Grönemeyer schon. Er ruft "Fuck off, Fuck off, ich bin privat hier, du Affe!" und eilt hinter einem Fotografen her. Er schwingt eine Umhängetasche, in der, wie er später sagt, einzig eine Ausgabe der Zeit war. Der Fotograf geht zu Boden, als hätte ihn ein Hammer getroffen. Der Filmer hält drauf und ruft: "Ich hab Sie, Herr Grönemeyer."

Das Filmchen war bei RTL-Exclusiv zu sehen, bei VIP. de sowie in ähnlichen Formaten und fand sehr viel Beachtung in den bunten Blättern: "Herbert Grönemeyer vermöbelt Fotografen", textete Bild am Sonntag und das im Hause Burda erscheinende Blatt Freizeit Revue schrieb, der Fotograf sei "krankenhausreif geprügelt" worden.

Die Redaktion schaute ins Strafgesetzbuch und brachte gleich für den Fall der Fälle "bis zu fünf Jahre Knast" wegen Körperverletzung ins Spiel. Nun muss man kein Jurist sein, um diese Auslegung des einschlägigen Paragrafen 223 für bekloppt zu halten - wie manches andere auch in diesem Fall .

"Ich bin in eine Falle gegangen"

Andersrum betrachtet ist die Angelegenheit, in der es um Paparazzi und Subjekte mit falschen Objektiven geht, interessanter. "Ich bin in eine Falle gegangen", sagt der heute wohl bedeutendste deutsche Sänger der Süddeutschen Zeitung.

Grönemeyers Geschichte geht so. Am 21. Dezember landete er mit seinem 27 Jahre alten Sohn und seiner Freundin auf dem Flughafen Köln-Bonn. Sie nahmen die Rolltreppe, um sich einen Wagen zu mieten. Grönemeyer und die Freundin leben schon drei Jahre zusammen, in Medien sind bislang jedoch keine Fotos des Paares erschienen. Plötzlich, so Grönemeyer, habe sich "ein Typ" vor ihm aufgebaut und gesagt "Dich kenne ich doch": Er sei irritiert gewesen. Wenn er ohne Bodyguard mit seiner Familie zusammen unterwegs sei, habe er immer etwas Sorge.

Auf der Herrentoilette habe sich der Fremde stumm neben ihn ans Waschbecken gestellt und ihn angeschaut. "Lasst uns etwas schneller gehen, der ist mir nicht geheuer", rief Grönemeyer dem Sohn und der Freundin zu. In dem langen schmalen Korridor, der in Köln zu den Mietwagen führt, sei der Mann dann an ihnen vorbeigelaufen und habe eine Reisetasche aufgerissen. "Ich habe sofort mit einem Anschlag gerechnet", sagt Grönemeyer. Außenstehende können das nur schwer nachvollziehen.

Dann habe der Mann eine Kamera aus der Tasche gezerrt und drauflos geschossen. Der Sohn hielt ihm einen Laptop vor die Linse, die Freundin duckte sich weg und plötzlich entdeckte Grönemeyer einen zweiten Mann, der alles mitfilmte. Er sei auf den zugegangen und der habe gerufen: "Warum schlagen Sie mich, Herr Grönemeyer?" Dabei habe er ihn gar nicht berührt, sagt Grönemeyer, nur die Hand ausgestreckt, um die Kamera abzudecken. Der Mann habe dann mit der Kamera gewackelt, "damit es so aussieht, als hätte ich ihn angegriffen". Er könne "beschwören", dass er weder die Kamera noch den Mann berührt habe. Dann sah er, dass hinten der Fotograf mit seinem Sohn rangelte. "Wenn es um die Familie geht, werde ich zum Tier", sagt Grönemeyer, der die Falten der deutschen Seele kennt.

Filmreife Inszenierung? "Quatsch."

Grönemeyer lief hinter dem Fotografen her, weil der, wie der Sänger meinte, "meine Familie erneut verfolgen" wollte. Dabei schwang er die Tasche. Der Paparazzo habe sich "sofort fallen gelassen". Das machten "alle Schmeißfliegen-Fotografen" so, und das wüssten auch die Zeitungen, die solchen Leuten Aufträge gäben. Er habe ihn "nur von hinten am Nacken gehalten", um ihn am Fotografieren zu hindern.

Den Auftrag für den Doppel-Einsatz am Flughafen hatte der berühmteste deutsche Paparazzo Hans Paul, 60, gegeben, der eine Firma unterhält. "Schlechte Nachrichten sind für mich gute Nachrichten", sagt Paul und lacht. "Schreiben Sie das bitte auch." Er hatte den Kameramann und den Fotografen zum Kölner Flughafen beordert, als er erfuhr, dass Grönemeyer mit Freundin in die Domstadt fliege.

Paul ist durchaus zur Ambivalenz fähig. "Privat ist privat", sagt der Paparazzo. Wenn er gewusst hätte, dass für Grönemeyer das Privatleben "heilig" sei, hätte er den Auftrag nicht erteilt. Ehrenwort. Er möchte ja auch nicht, sagt Paul, mit seiner eigenen Lebensgefährtin fotografiert werden.

Der Schizo ist in dieser Branche so normal wie der ewige Konkurrenzkampf. Paparazzo ist übrigens der Name einer Romangestalt, den Fellini in seinem Film La Dolce Vita für einen Sensationsfotografen übernommen hat. Dass es sich bei der Grönemeyer-Aktion um eine filmreife Inszenierung seiner Leute gehandelt haben könnte, schließt Paul aus: "Quatsch."

Der Kölner Anwalt Stefan Peveling, der den Fotografen vertritt, erklärte am Freitag, er habe nachgefragt, ob man Grönemeyer eine Falle gestellt habe und der Fotograf habe das "eindeutig verneint". Für ihn stehe fest, dass Grönemeyer "aus der Rolle gefallen" sei und "unangemessen" reagiert habe. Der Fall sei "nicht geeignet, um allgemein gegen Paparazzi Stimmung zu machen". Sowohl der Fotograf als auch der Kameramann hätten Verletzungen erlitten. Eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung habe er vorbereitet. Eigentlich habe er erwartet, dass sich Grönemeyer entschuldige und Schmerzensgeld zahle.

Kampf gegen die "Leute an der Spitze"

Der denkt gar nicht dran. Grönemeyers Presseanwalt Christian Schertz verschickt munter Unterlassungserklärungen und Gegendarstellungen. Die meisten Medien, so Schertz, hätten nach seinen Schreiben das Video bereits gesperrt. Und die "angeblichen Verletzungen" seien "aufgrund der tatsächlichen Abläufe sicher auszuschließen".

Grönemeyer zeigt sich weiter kampfbereit. Denn sein Privatleben, darauf legt der 58-Jährige Wert, muss für die Medien tabu sein. Und er kann sich dabei auch auf einschlägige Urteile europäischer und deutscher Gerichte berufen. Auch wenn sich ein Promi mit Begleitung in der Öffentlichkeit zeigt, können sich beide auf die Privatsphäre berufen. Mit Bild und Bunte will er prinzipiell nichts zu tun haben: "War nie meine Welt." Ihn interessieren "mehr die Leute an der Spitze, die es möglich machen, dass solcher Dreck gesendet oder gedruckt wird". Mit denen will er sich ordentlich anlegen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema