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SZ-Serie "Wunschfunk":"Ein Werbeverbot für Alkohol muss her", sagt Schriftsteller Simon Borowiak

An was denken Sie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuerst?

Aus frühen Autorenzeiten erinnere ich mich vor allem an ein System der correctness- und proporzbedingten Beschränktheit und Spaßbremserei. Einem Kollegen wurde ein komisches Drehbuch wie folgt abgelehnt. Redakteur: "Also, wir haben sehr gelacht! Aber dann haben wir uns gefragt: 'Ist das wirklich lustig?'"

Simon Borowiak ist Schriftsteller und war von 1986 bis 1992 als Redakteur der Satirezeitschrift Titanic bekannt. Er ist Autor von "ALK - Fast ein medizinisches Sachbuch". Der 54-Jährige lebt in Hamburg.

(Foto: David Elmer)

Wann und wie viel schauen Sie fern?

In psychisch brisanten Phasen arbeitet mein TV im Hintergrund durch, bis dass ich mich von einer zum 20. Mal wiederholten Doku in den Schlaf schwafeln lasse ( D as geheime Leben der Bisamratte, Eva Braun privat, Die Assyrer privat).

Bei welcher Sendung schalten Sie ab?

Bei allem mit Werbeunterbrechungen, Hobbyschauspielern ohne Mimik, Hobbysprechern mit Logopädiebedarf und Hobbyexperten ohne Ahnung.

Glauben Sie, die Sender sollten mehr Freiheit darüber bekommen, welche Programme sie machen?

Es ist doch die Frage, wer diese Freiheit bekommt. Pech gehabt, wenn es ein Intendant oder Redakteur ist, der solche Sätze sagt wie: "Das Buch an sich ist klasse, aber ich muss damit auch meine Schwiegermutter abholen können!

Wenn Sie Intendant wären, was würden Sie sofort ändern? Und was würden Sie langfristig umgestalten?

Ein Werbeverbot für Alkohol muss her. Längst fällig, bei etwa zehn Millionen Mitbürgern zwischen problematischem Konsum und Leberzirrhose/Hirnphimose. Und ein Verbot "musikalischer" "Untermalung" von Dokumentationen! Wenn ich Müll hören will, nehm ich doch gleich den Aufzug! Oder den Fernsehgarten! Oder ...