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"Nichtgedanken" mit Oliver Kalkofe:"Man wird mit so viel Irrsinn zugeballert"

Ihre schlimmsten Erfahrungen bei der Lektüre der Texte für "Nichtgedanken"?

Teilweise lacht man einfach, zum Beispiel über die schreckliche Aufgeblasenheit bei Helmut Berger. Ex-Pornodarstellerin Gina Wild erzählt mit einer unfassbaren kindlichen Naivität vom Ficken, Bumsen und Blasen - da war ich mir dann schon nicht mehr sicher, ob ich noch lachen oder schon weinen sollte. Und dann hat man so jemanden wie Carsten Maschmeyer: Das is t einfach Geschwätz, da jagt eine Plattitüde die nächste. Ich lese von ihm ein Kapitel darüber vor, nach welchen Kriterien er sich Krawatte und Hemd heraussucht. Das ist Küchenpsychologie der albernsten Art.

Wie hat Ihnen das Werk von Integrations-Bambi-Preisträger Bushido gefallen?

Da musste ich wirklich schlucken und weiß eigentlich bis heute nicht genau, was man damit machen sollte. Wenn man so etwas liest, müsste man eigentlich den Verantwortlichen sämtliche jemals verliehenen Bambis rektal einführen - und zwar quer. Das Buch beschreibt zum Beispiel, wie man sich das eigene Drogengeschäft aufbaut und ein rücksichtsloses Arschloch wird. Und was das Frauenbild angeht, ist es so widerwärtig, dass es ehrlich kaum lesbar war. Nach der Lektüre hatte ich nur noch das Bedürfnis, mir den Mund mit Seife auszuwaschen und eine halbe Stunde sehr heiß zu duschen.

Welches Publikum möchten Sie mit "Nichtgedanken" erreichen?

Ich hoffe natürlich, dass sich ganz unterschiedliche Menschen die Sendung ansehen. Für junge Leute ist es interessant, weil viele von ihnen die Verlogenheit im Medienbusiness noch gar nicht richtig mitbekommen haben. Da könnte "Nichtgedanken" helfen. Für alle anderen soll es einfach ein nettes Betthupferl sein. Ein kleines, ein bisschen bescheuertes Format, wie es in der heutigen TV-Landschaft beinahe ausgestorben ist. Schon alleine deshalb finde ich es cool, das Tele 5 mir sowas erlaubt.

Christian Ulmen "Satire darf das"
Christian Ulmen über seine neue Sendung

"Satire darf das"

Allein die Ankündigung der Sendung "Who wants to fuck my girlfriend?" hat einen Shitstorm über Christian Ulmen und den Sender Tele 5 hereinbrechen lassen. Dabei soll das Format nicht bloßstellen, sondern Mechanismen des Trash-TV entlarven, sagt Ulmen. Zum Auftakt der Sendung ein Gespräch über männliche Sexualität, Würde und deutsche Humorkultur.   Von Vanessa Steinmetz

Ist dieser Hang zu "bescheuerten Formaten" der Grund, weshalb Sie bereits vor einem halben Jahr mit "Kalkofes Mattscheibe - Rekalked" bei Tele 5 gelandet sind?

Das war der einzige Sender, der mir die Möglichkeit geboten hat, die "Mattscheibe" weiterzumachen. Ich war mit diversen Sendern über Jahre im Gespräch, am Ende hieß es immer, dass es aus irgendeinem Grund nicht klappt. Da wurden aus Angst Rückzieher gemacht - und auch das nur halbherzig. "Wir sprechen nächstes Jahr wieder, dann ist bestimmt mehr Geld da", habe ich mehr als nur einmal gehört. Tele 5 mag ein Sender mit bescheidenen finanziellen Mitteln sein, aber die haben wenigstens Mut und schauen nicht nur auf die Quote. So eine Freiheit habe ich seit Premiere-Zeiten nicht mehr erlebt, wo das mit der "Mattscheibe" in den Neunzigern mal angefangen hat.

Auch nicht bei ProSieben, wo "Kalkofes Mattscheibe" zwischenzeitlich lief?

Da schon gar nicht. Bei ProSieben waren die Verantwortlichen zu Beginn noch recht locker, aber als dann das ein oder andere Programm einbrach, ging es auch dort nur noch um die nackten Zahlen. Die "Mattscheibe" ist zwar immer gut gelaufen, kostete aber eben auch ein bisschen Geld. Und das war bei ProSieben irgendwann niemand mehr bereit, auszugeben.

Einen Großteil der Zeit verbringen Sie damit, für "Kalkofes Mattscheibe" schlechtes Fernsehen anzuschauen und für "Nichtgedanken" schlechte Bücher zu lesen. Macht Ihnen der Job wirklich Spaß?

Gerade bin ich tatsächlich in einer Phase, wo mich Teile meiner Arbeit richtig nerven. Aber das passiert, wenn man den Job seit 20 Jahren macht. Man wird mit so viel Irrsinn zugeballert und möchte irgendwann nur noch laut schreien und vom Balkon springen. Es kommt die Einsicht: Man kann arbeiten, so viel man will - das Fernsehen wird trotzdem nicht besser und alles wiederholt sich immer wieder. Deshalb ist es so wahnsinnig wichtig, zwischendurch Pausen einzulegen und sich von dem ganzen Kram zu erholen. Was mich betrifft, befürchte ich trotzdem Langzeitschäden.

Nichtgedanken, Tele 5, Karfreitag, 22 Uhr.

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