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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Zu schlecht für diese Welt

Scripted Reality, Help-Dokus, Folklore-Kitsch und billige Action: Für gute Drehbücher bleibt im deutschen Fernsehen kaum noch Platz. Aus diesem Anlass: Eine Auswahl der schlimmsten TV-Serien aller Zeiten. Stimmen Sie mit ab!

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Doctor's Diary

doctor's diary

Quelle: RTL/Stefan Erhard

Für gute Drehbücher bleibt kaum Platz: Eine Serie wie "Doctor's Diary" wurde abgesetzt, weil Dialoge und Schauspieler zu gut waren, stattdessen servierte uns das TV gleich drei neue Kuppelshows. Und zu beklagen gibt es viel. Die schlimmsten TV-Serien aller Zeiten - eine Auswahl. In Bildern.

Nicht zu verwechseln: Im Bild sehen wir eine ausnahmsweise und nahezu ausnahmslos gute Krankenhaus-Serie. Weil mit Diana Amft (links) als Assistenzärztin Gretchen Haase und Florian David Fitz (nicht im Bild, stattdessen: Steffen Groth) in "Doctor's Diary" (RTL) zwei junge Schauspieler bemerkenswert erfrischend auf der Klaviatur der Komödie spielen - und sie beherrschen ihr Spiel grandios: locker, flockig, fast immer witzig oder wenigstens einigermaßen intelligent unterhaltend. Was man von den Schauspielern, Drehbuchautoren und Regisseuren anderer Krankenhausserien nicht gerade behaupten kann. Bitte halten Sie sich fest und lesen Sie nicht weiter, wenn Bad Taste Ihnen auf die Gesundheit schlägt. In diesem Fall finden Sie demnächst an dieser Stelle: Die besten Serien aller Zeiten.

Text und Bildauswahl: Ruth Schneeberger/sueddeutsche.de

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:In aller Freundschaft

Jutta Kammann als Oberschwester Ingrid in "In aller Freundschaft"

Quelle: MDR/Krajewsky

Nicht erst seitdem mit der US-Serie "Emergency Room" (Pro 7) Frauenschwarm George Clooney kahle Krankenhausflure in einen Ort der Sehnsucht verwandelte, sind Krankenhausserien auch in Deutschland höchst beliebt. Schon die "Schwarzwaldklinik" konnte mit Clooneys Vorgängern Klausjürgen Wussow und Sascha Hehn in den achtziger Jahren die ZDF-Zuschauer begeistern. Was inzwischen an Nachfolgesendungen über den Bildschirm flimmert, hat allerdings eher narkotische Wirkung. Bestes Beispiel: "In aller Freundschaft" (im Bild). Seit 1998 laufen mehr als 500 Episoden in der ARD, und man ist versucht zu fragen, was das soll, da weder Story noch Schauspieler noch Drehbuch auch nur irgendeinen erhellenden oder gar unterhaltsamen Charakter haben. Wenn man aber weiß, dass die Sendung immer wieder unter dem Verdacht der Schleichwerbung für Medikamente steht, kann man sich seinen Teil denken - und beherzt abschalten. 

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Hand aufs Herz

Hand aufs Herz in SAT.1

Quelle: Sat 1/David Saretzki

Auch was fürs Herz und ebenso nicht ohne Nebenwirkungen zu ertragen: Die Herzschmerz-Serie "Hand aufs Herz" (Sat 1). Vanessa Jung (links) spielt eine Kölner Lehrerin, die sich mit einem Schüler (Christopher Kohn) einlässt. Was eigentlich Platz für eine nicht ganz alltägliche Liebesgeschichte und zur Hinterfragung gängiger Klischees inklusive Einblicke in den aktuellen Schul- und Lehralltag bieten könnte, ist ein ziemlich unappetitliches - weil nicht nur gähnend langweiliges, sondern auch komplett auf seine überfordert wirkenden Hauptdarsteller konzentriertes On-und-Off-Geplänkel rund um den nicht besonders glaubwürdig herausgeputzten Schulhof. Viel zu lange Einstellungen auf schreckgeweitete Augen und das nervige Freunde-geben-Freunden-ungefragt-Rat-Getue, an dem man auf den ersten Blick jeden schlechten weil abgekupferten und unrealistischen Plot erkennt, verursachten eher Kopfschmerzen als Süchte, weshalb die Seifenoper nach der 234. Folge im September 2011 völlig zu recht eingestellt wurde.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Beverly Hills, 90210

BEVERLY HILLS, 90210

Quelle: RTL/ddp

Mit guten Vorsätzen war auch die US-Serie "Beverly Hills, 90210" einst angetreten: Hierzulande versorgte RTL Millionen von Teenagern mit dem Neunziger-Jahre-Basiswissen um das Innenleben von damals trendig gestylten Twenty-Somethings mit Koks- und Beziehungsproblemen. Heutzutage muss man zugeben: Das war damals in dieser Form relativ neu - aber es war nie auch nur ansatzweise gut. Viel zu stark gestylt, zu künstlich und zu holzschnittartig die Figuren, als dass der Zuschauer eingeschaltet hätte, um ernsthaft mit seinen Helden mitzufiebern. Hier waren eher sekundäre Tugenden gefragt: Wie kleidet man sich gerade in den USA, dem Land der damals noch unbegrenzten Möglichkeiten, und welche Trends und Probleme haben die da, die wir nicht auch für uns reklamieren könnten? Die Story hingegen war immer egal.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Knight Rider

Knight Rider

Quelle: ddp

Das Schicksal, inzwischen aus der Zeit gefallen zu sein, teilen noch mehr Kandidaten, zum Beispiel dieser: "Knight Rider" (RTL) mit David Hasselhoff und seinem sprechenden Auto hatte im Gegensatz zu "Beverly Hills" sogar eine echte Storyline und einiges an Action zu bieten. Bewertet man die Abenteuer des jungen und damals noch stolzen Hasselhoff allerdings nach heutigen ästhetischen und erzählerischen Kriterien, erscheint uns die Serie unfassbar schwarzweiß: Ein ehemaliger Polizist geht mit seinem besten Kumpel, einem Sportwagen mit künstlicher Intelligenz, in geheimer Mission auf Verbrecherjagd in den USA und Mexiko. "K.I.T.T." kann nicht nur selbständig denken und seinen Michael vor Bösewichten schützen, sondern auch Hindernisse überspringen, Kombinationsschlösser knacken, Geld ausspucken und Telefongespräche mitschneiden - natürlich alles im Dienst für "das Gute" und Gerechte. Die actiongeladene Gut-gegen-Böse- und Technik-Begeisterung der achtziger Jahre ...

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Das A-Team

MR T AT TV LAND CELEBRATION IN NEW YORK

Quelle: REUTERS

... machte sich auch die US-Serie "Das A-Team" (ARD) zunutze, die gleich vier ehemalige Soldaten in den Kampf gegen "das Unrecht" schickte. Die Kriegsveteranen, die wegen eines im Vietnamkrieg angeblich verübten Verbrechens, das sie aber nie begangen haben, von der Militärpolizei gejagt werden, sind zugleich Outlaws und Archetypen des American Way of Life. Mit ihrer Wut, ihrer Ausbildung und ihrem Zusammenhalt helfen sie US-Bürgern, denen die Polizei nicht helfen kann, im Kampf gegen Unterdrückung - selbstredend mit viel Action und Gewalt. Dass sie sich dabei der Selbstjustiz bedienen - who cares? Schwere Prügeleien, Schläge mitten ins Gesicht und sich überschlagende Wagen führten in der Serie nie zu ernsthaften Verletzungen oder gar Toten, weshalb man aus heutiger Sicht mit Fug und Recht behaupten darf, dass die Serie massiv gewaltverharmlosend, wenn nicht -verherrlichend war. Damals aber galten die vier durchgeknallten Typen mit ihren Running Gags als urkomisch, Mr. T. in der Rolle des B.A. Baracus (im Bild) als legitimer Nachfolger des so prügelnden wie beliebten Bud Spencer.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei

ALARM FÜR COBRA 11 - DIE AUTOBAHNPOLIZEI

Quelle: RTL

Auch heute noch schalten Menschen den Fernseher ein, um Ordnungshütern dabei zuzusehen, wie sie gegen "das Böse" kämpfen, unter anderem auf deutschen Autobahnen: "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" läuft seit 1996 ungehindert zur besten Sendezeit (20:15 Uhr) jeden Donnerstag auf RTL, und auch hier sollen harte Kerle im Fahrzeugstahlgewitter dafür sorgen, dass bei möglichst vielen Explosionen noch mal alles gut ausgeht. Erstaunlich, dass unter einem solchen Namen, mit farblosen Typen und billigen Stunts überhaupt noch ein Blumentopf zu gewinnen ist. Der Produzent zeichnet unter anderem auch für die ebenfalls deutsche Actionserie "Lasco - Die Faust Gottes" verantwortlich, die hier aber nur am Rande erwähnt werden soll, weil keiner in der Redaktion sie je gesehen hat.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:24

24

Quelle: Cinetext

Ebenfalls auf gnadenlose Action und Schwarzweißmalerei setzte die US-Serie "24" in den Nullerjahren auf RTL2: Kiefer Sutherland (im Bild) geht als Jack Bauer im Dienste einer Anti-Terror-Einheit in den USA auf Terroristenjagd. Damit die immer selbe Story nicht ganz so abgenudelt wirkt, haben sich die Macher ein paar Kniffe ausgedacht, die manche im deutschen Publikums aber eher verwirrten als bereicherten: Die Folgen werden in angeblicher "Echtzeit" ausgestrahlt, die Handlung in den bereits miteingerechneten Werbepausen angeblich nicht unterbrochen. Natürlich finden in diesen Minuten keine spannenden Handlungen statt, sondern Polizisten laufen zu ihren Autos und Einkäufe werden getätigt. Außerdem wird in der Serie (bis auf den Anfang) auf Rückblenden oder Zeitlupen verzichtet, und verschiedene Handlungsstränge werden mittels Split-Screen-Technik parallel auf dem Bildschirm gezeigt. Damit sollten lebensnähere Bilder entstehen - allein: Viele der deutschen Zuschauer goutierten das nicht. Zu verwirrende Effekte, die über die flache Story mancher späterer Folgen nicht hinwegzutäuschen vermochten. Trotzdem: In der Redaktion gibt es zumindest einen echten Fan, der die Serie für sehr intelligent hielt.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Walker, Texas Ranger

PREIS FÜR CHUCK NORRIS

Quelle: dpa

Für Innovationen aller Art sollte man eigentlich dankbar sein, denn ohne ging es schon immer: Die US-Serie "Walker, Texas Ranger" ist der beste Beweis dafür, dass auch als "Kult" gelten kann, was einfach immer schon übel war. Chuck Norris (im Bild links, mit Gattin) kämpft sich als "Walker", Mitglied der "Texas Rangers", einer Einheit, die urspünglich zum Kampf gegen die Indianer und nun gegen illegale Einwanderer eingesetzt wird, durch die Straßen von Dallas. Zwar ist Walker zur Hälfte ebenfalls Indianer, doch das tut der Sache und dem stets harten Kampf auf der "richtigen" Seite keinen Abbruch: Walker war bei den Marines und in Asien - und es kann keinen härteren geben außer Chuck Norris selbst, über den nicht nur wegen der oft unfreiwilligen Komik in dieser Serie bis heute eine Unzahl von Chuck-Norris-Witzen durchs Netz tobt. 

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Der Bergdoktor

DER BERGDOKTOR

Quelle: ZDF

Was nicht heißen soll, dass nur Action-Serien schlecht sind: Ihr Gegenteil ist ja auch nicht besser. "Der Bergdoktor" etwa ist keine klassische Krankenhaus-, sondern eine Arzt-Serie mit vielen aufgekratzten Knien, freudigen bis unschönen Diagnosen und schwärmenden Privat-Patientinnen, die ihrem "Herrn Doktor" näher kommen wollen, vor postkartenhübscher Bergkulisse. Das Rollen- und Familienbild allerdings, das in solch kitschiger Vorabendidylle tradiert wird, ist jenseits von Gut und Böse und hat mit dem 21. Jahrhundert so viel zu tun wie Chuck Norris mit einem Schmetterling. Trotzdem wurde das Drama um entzündete Blinddärme und heile Kulissen in den neunziger Jahren von Sat 1, später im ZDF und 2005 noch einmal auf Sat 1 unermüdlich ausgestrahlt - weil es so "schön" war.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Dr. Stefan Frank - der Arzt, dem die Frauen vertrauen

tv, die 25 schlimmsten serien

Quelle: RTL

Genau wie der RTL-Arzt-Kitsch "Dr. Stefan Frank - der Arzt, dem die Frauen vertrauen" an dieser Stelle schon alleine wegen seines schreiend komischen Titels einzeln gewürdigt werden soll, den Rest kann man sich denken, ...

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Um Himmels Willen

tv, die 25 schlimmsten serien

Quelle: dpa

... wie auch vor TV-Serien mit Fritz (nicht Elmar!) Wepper grundsätzlich gewarnt werden sollte, so zum Beispiel vor "Um Himmels Willen". Darin spielt der stets unlustige Wepper den umtriebigen Bürgermeister einer niederbayerischen Kleinstadt, der sich in Serie mit den Nonnen des örtlichen Klosters zofft (im Bild Janina Hartwig), was trotzdem lustig sein soll. Die ARD zeigt die Serie seit neun Jahren dienstags zur besten Sendezeit (20.15 Uhr).

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Wege zum Glück

tv

Quelle: dpa/ZDF-Telenovela "Julia - Wege zum Glück"

Heile-Welt-Malerei zieht eben immer noch die Massen im Sinne der Flucht aus dem Alltag vor die Mattscheibe, nur so lässt sich ein Phänomen wie dieses erklären: Unerträglich kitschige Telenovelas mit Namen wie "Bianca - Wege zum Glück", (ZDF), "Julia - Wege zum Glück" (ZDF/im Bild die erste Hauptdarstellerin Susanne Gärtner, links, mit Schwein), "Sturm der Liebe" (ARD), "Rote Rosen" (ARD) oder auch "Herzflimmern - Liebe zum Leben" (ZDF), mit denen vor allem die öffentlich-rechtlichen ersten beiden Fernsehsender ihre Vorstellung von einem Publikum jenseits der Zurechnungsfähigkeit zu bedienen scheinen. Kleine Inhaltsangabe aus der letzten Staffel von "Wege zum Glück" gefällig? Bitteschön:

Nora van Weyden kommt nach ihrer Flucht vom Gefängniskrankenhaus nach Hamburg. Auf der Flucht lernt sie Alexander kennen, sie verbringen einen wunderschönen Tag zusammen. Doch dann stellt sie sich ihrer sechsjährigen Gefängnisstrafe. Nach langen sechs Jahren treffen sie sich an Noras Geburtstag wieder. Nora gesteht Alexander, weshalb sie damals geflohen ist. Dabei stellt sich heraus, dass sie Geschwister sind. Ihre Liebe scheint somit unmöglich. Gefangen zwischen Liebe und Tabu versuchen Nora und Alexander, ihre Gefühle füreinander zu unterdrücken. Doch die Sehnsucht nacheinander ist stärker. Nach einigen Hürden und Proben finden sie schließlich, nachdem sich herausstellt, dass sie doch nicht miteinander verwandt sind, in einer romantischen Hochzeitszeremonie zueinander und werden zusammen glücklich.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Nachhilfe in Sachen Glück

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Quelle: Screenshot: Sat 1

Bei so viel Herz-Schmerz-Schmuh sehnt man sich schon fast nach dem echten Leben zurück - und man bekommt es, volle Breitseite etwa in Reality-Serien wie "Im Namen der Liebe - Nachhilfe in Sachen Glück" serviert. Nur eine kurze Zeit lang ging Paar-Beraterin Ruth Marquardt 2010 für Sat 1 durch die Hölle der anderen: Fünf Paaren versuchte sie auf die Sprünge zu helfen, um ihre Liebe zu retten, und nicht nur sie, sondern leider auch der Fernsehzuschauer bekam dabei die öde Alltagswelt von Durchschnittspaaren zu spüren, die emotional so verflacht waren, dass auch die Expertin bisweilen kaum noch Rat wusste. Gott sei Dank lastet nicht das gesamte Elend der Nation auf Marquardts schmalen Schultern. Sie hat viele fleißige Kollegen, die sich inzwischen nahezu rund um die Uhr bei den privaten Sendern um Schulden, Beziehungsprobleme, Essstörungen, wohnliche Veränderungswünsche, Partnersuche, Schulnachhilfe, Schönheitsoperationen, Existenzgründung, Urlaubskatastrophen, Familienzusammenführungen und um Kinder kümmern, die Kinder bekommen. Die Namen aller sogenannten Help-Dokus hier aufzuführen, würde zu weit führen. Nur so viel: Es sind definitiv zu viele. Und die meisten sind weniger zur tatsächlichen Hilfe als zur Zurschaustellung menschlichen Elends konzipiert.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Mietprellern auf der Spur

Mietpreller gesucht

Quelle: RTL

Ein herausragendes Beispiel lohnt es sich trotzdem einzeln zu beleuchten: Vera "Am Mittag" Int-Veen war im Sommer 2011 für RTL deutschen "Mietprellern auf der Spur" - es dauerte allerdings nicht lange, bis Medienwächter den Produzenten auf der Spur waren. Nicht wegen des allzu deutlich zugunsten des Sendetitels ausgelegten und klaren Opfer-Täter Schemas, nach dem die Mieter hier immer die Bösen und die Vermieter immer die Guten waren. Sondern weil sich das Filmteam gegen den Willen der Mieter Zugang zur Wohnung einer pflegebedürftigen Frau verschafft haben und dabei einem Teenager im Zusammenschnitt der Sendung auch noch die falschen Worte in den Mund gelegt haben soll, damit alles schön passte. Die Poduktionsfirma trennte sich nach Bekanntwerden vom "verantwortlichen Autor", neue Folgen wurden nicht gedreht.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Reich und Schön

TV-Serie

Quelle: ZDF

Diese grassierenden Reality- beziehungsweise Scripted-Reality-Formate und Pseudo-Dokus sind die Umkehrung dessen, was noch bis vor ein paar Jahren Hochkonjunktur hatte: das unerreichbare Leben der US-Upperclass im Hochglanzformat. Die Serie "Reich und Schön" im ZDF etwa war eine der letzten Wehen dieser Art, bevor die Achtziger-Jahre-Ära von "Dallas" und "Denver Clan" endgültig zu Ende ging: Todreiche Familienclans, die sich gegenseitig und untereinander bekriegen, inklusive Eifersucht, Leidenschaft und immer wieder: sehr viel Geld. Für "Reich und Schön" war dann fast nur noch die nackte Karrikatur der einstigen Idee übrig, inklusive extrem operierten Darstellern, sehr viel rosa, noch mehr Hochzeiten und unglaublich hölzerner Dialoge. Trotzdem hatte die Serie ihre Fans. Vielleicht deshalb, weil sie ohne Umschweife dem Bad Taste frönte.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Sex and the City

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Quelle: AP

Genau in der Mitte zwischen diesen beiden Zuschauer(innen)-Sehnsüchten nach echtem Leben und realistisch wirkenden Darstellern auf der einen und einer unerreichbaren Welt von Reichtum und Glanz auf der anderen Seite lag wohl am besten die Serie "Sex and the City" (Pro 7), weshalb sie auch so erfolgreich war und nun schon wieder einen neuen Kinofilm hervorbringen wird. Für "Sex an the City 3" sollen allerdings alle vier Hauptdarstellerinnen ausgetauscht werden, weil es um die Anfänge der vier Freundinnen in New York gehen soll und die Produzenten inzwischen wohl bemerkt haben, dass ihre Zugpferdchen elf Jahre nach Start der Serie nicht mehr so taufrisch sind, dass sie sich selbst auch noch als Teenie spielen könnten. Medienberichten aus den USA zufolge würden sie das wohl gerne und sind enttäuscht über die Entscheidung, ausgewechselt zu werden. Für den gemeinen Zuschauer hingegen kann es nur aufwärts gehen, wenn er das allzu künstlich gewordene Lächeln der vier Grazien nicht auch noch auf der Kino-Leinwand serviert bekommt. Dieser Austausch darf getrost als letzter Versuch bezeichnet werden, die in den Nullerjahren extrem erfolgreiche weil einigermaßen neue und funkelnde Idee, vier finanziell gut ausgestattete Großstadtpflanzen jenseits der 30 auf der Suche nach Sex und Liebe durch die Stadt zu schicken, die niemals schläft, noch einmal zum Leben zu erwecken. Weil das darin vermittelte Bild der modernen "Karriefrau" schon immer hinkte, weil die Frauen sich ständig nur über Sex unterhielten, von dem die meisten von ihnen zu wenig hatten, wäre es nicht schade darum, wenn dieser letzte Versuch der "SatC"-Wiederbelebung nun wirklich wahrhaftig und endgültig scheitern würde. Genug ist genug.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Schulmädchen

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Quelle: RTL

Ein ähnliches Problem hatten die Darstellerinnen der RTL-Serie "Schulmädchen" (2004): Für eine überzeugende Darstellung der bauchfrei pubertierenden Freundinnen Cara, Stella, Lilli und Laura waren die Schauspielerinnen leider zu alt. Die Serie wurde relativ schnell wieder eingestellt. Das freute auch die damalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier, deren verstorbener Vater Franz Josef Strauß für den Namen des Gymnasiums herhalten musste, um das sich die Story drehte. Dazu habe sie keine Erlaubnis erteilt, so Hohlmeier damals, erst recht nicht für eine so "peinliche" und "primitive" Serie. Kurz nach dem Ende der Serie musste allerdings auch Hohlmeier gehen - wegen einer Serie anhaltender Vorwürfe auch aus den eigenen Reihen und diverser politischer Affären.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Marienhof

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Quelle: ARD

Um Affären diverser Natur ging es auch immer wieder in der ARD-Vorabendserie "Marienhof". Wer mit wem, warum und wie lange in einem Straßenzug der Kölner Innenstadt zugange war, beherrschte immerhin 19 Jahre lang fast jeden Werktag pünktlich um 18:25 Uhr die Mattscheibe - trotz wiederkehrender Vorwürfe der Schleichwerbung. Im Bild etwa zwei Schauspielerinnen, die Mitarbeiterinnen eines Reisebüros spielen, das dem Werbeauftritt eines real existierenden Reiseanbieters nicht nur in der Farbwahl verdächtig ähnelt, sondern sogar exakt denselben Slogan verwendet. Angeblich, so die Vorwürfe, konnten sich Firmen außerdem gegen Entgelt die für sie passenden PR-Dialoge in die Sendung schreiben lassen. "Nix wie weg" aus dem Programm hieß es trotzdem erst nach 4053 Episoden, nämlich im Juli 2011. Aber nicht nur Schleichwerbung konnte man der Sendung vorwerfen, sondern auch eine vergleichweise lahme Story, teilweise überdrehte bis kitschig-kleinbürgerliche Charaktere und so manchen Schauspieler, der auch nach zehn Jahren des Mitwirkens noch wirkte wie ein Laie. Gerade im Vergleich zur zeitgleich gestarteten und immer noch laufenden Serie "Verbotene Liebe" (ebenfalls ARD, werktags um 18 Uhr), die vom vergleichsweise glamourösen Alltag der Upperclass aus Düsseldorf erzählt, fiel immer unangenehm auf: Vom einfachen Leben spannend und unterhaltsam zu erzählen, ist eben nicht so einfach.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Lenßen & Partner

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Quelle: Sat 1/David Klammer

Das belegt auch eindrucksvoll die Anwalts-Serie "Lenßen & Partner", die zwar von einem echten Anwalt (Ingo Lenßen, im Bild) angeführt wird, bei der aber sonst im Zuge der Scripted Reality, auch Pseudo-Doku genannt, nichts echt ist: Unglaublich laienhafte Detektiv-Darsteller gehen mit vielsagenden Blicken unter Beihilfe von Nachtsichtgeräten auf Hintergrund-Verbrecherjagd für ihren großen Meister, den Anwalt mit dem kunstvollst gezwirbelten Schnauzbart jenseits der Weißwurstgrenze. Dass echtes Kanzleileben ein bisschen anders aussieht, ficht Sat 1 offenbar nicht an.  Der Bundesverband Deutscher Detektive fand die Darstellung von Wohnungseinbrüchen, das Anbringen von Abhörwanzen und das aggressive Verhalten gegenüber Verdächtigen, unter anderem unter Schusswaffengebrauch, nicht so lustig und fühlte sich genötigt, öffentlich Stellung zu beziehen: "Müssten sich die Fernsehdetektive für ihre Taten vor Gericht verantworten, wäre ihnen eine langjährige Gefängnisstrafe sicher. Denn Detektive haben in Deutschland keine anderen Rechte als jeder andere Bürger. Mit der tatsächlichen Detektivarbeit in unserem Land hat diese Darstellung deshalb nichts, aber auch gar nichts zu tun", hieß es in einer Pressemitteillung. Die Produktion wurde 2009 eingestellt, die Wiederholungen laufen weiterin im Vorabendprogramm. 

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Das Traumschiff

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Quelle: ZDF

Das ist aber alles noch kein Grund, so zu verzweifeln, dass man sich dem "Traumschiff" zuwenden müsste. Nicht einmal Harald Schmidt kann da retten, was nicht zu retten ist: Eine Schmonzette übelsten Ausmaßes wird nicht dadurch besser, dass sie auf hoher See stattfindet, am 22. November ihr 20. Jubiläum feiert und ihre Hauptdarsteller zwar nicht ganz knitterfrei, dafür aber ganz in Weiß präsentiert. Einziger Trost: Die ZDF-Produktion wird nicht täglich, nicht wöchentlich und nicht einmal monatlich gesendet. Außerdem gönnt man natürlich der Volksschauspieler-Riege fast durchweg älteren Semesters ihre Drehtage auf den Bahamas, in der Südsee und auf Bora-Bora von ganzem Herzen - man will nur nicht dabei zuschauen müssen.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Unser Charly

tv, die 25 schlimmsten serien

Quelle: DDP

Tiere ziehen ja eigentlich immer - doch dem Schimpansen aus der ZDF-Familienserie "Unser Charly" wurde es irgendwann selbst zu bunt: Weil er zu aggressiv wurde, verlor der TV-Affe (Archivbild von 2002) nach sieben Produktionsjahren seinen Job. Offenbar hat man tierischen Ersatz gefunden, denn die Serie läuft immer noch, wird aber nach Ausstrahlung der nun abgedrehten Folgen abgesetzt. Vielleicht haben inzwischen auch nicht tierische Beteiligte bemerkt, dass diese Serie einfach zu affig ist.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Die Anrheiner/Dahoam is Dahoam

tv, die 25 schlimmsten serien

Quelle: WDR

Immer wieder gerne zum Affen machen sich auch die Darsteller der Reihe "Die Anrheiner" (im Bild), ähnlich wie die bayerischen Kollegen der Seifenoper "Dahoam is Dahoam", wobei es schwerfällt, zu entscheiden, was schlimmer ist: Nachbarschaftliches Geplänkel aus Köln-Mülheim, einem Stadtteil, den sogar die Kölner selbst meiden, warum also diesen unwirtlichen Ort auch noch im WDR zeigen? Oder verkitschtes bayerisches Dorfleben mit einer Doreen Dietel als "Trixi", und das auch noch als Daily Soap (BR)? Ist wohl eine Frage der Herkunft. Zu betonen bleibt, dass im Unterschied zur ansonsten ähnlichen ARD-"Lindenstraße" etwa bei den "Anrheinern" keinerlei aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen die Charaktere belasten. Wobei bei einem Titel wie "Dahoam is Dahoam" so etwas wie Modernität auch deutlich stören würde.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Gute Zeiten schlechte Zeiten

tv, die 25 schlimmsten serien

Quelle: dpa

Erfolg schützt vor Torheit nicht: Seit 19,5 Jahren sendet RTL jeden Werktag vor der Tagesschau "Gute Zeiten schlechte Zeiten". GZSZ gilt als erfolgreichste deutsche Serie des Genres Seifenoper. Weniger bekannt ist, dass die ersten 230 Folgen fast komplett aus der australischen Vorlage "The Restless Years" (1977-1981) übernommen wurden. Es sollte also nicht weiter verwundern, dass der Plot schon zu seiner Erstausstrahlung 15 Jahre alt war und auch die Figurenzeichnung dementsprechend veraltet. Deutsche Teenager in den neunziger verhalten sich nunmal anders als australische in den siebziger Jahren - seit der 231. Folge hat die Serie aber selbstredend sowas von aufgeholt an Aktualität, dass inzwischen gleichgeschlechtliche Beziehungen kein Tabu mehr sind und sogar das Internet und sich daraus ergebende Beziehungen regelmäßig thematisiert werden. Außerdem verdanken Darstellerinnen der ersten Stunde wie etwa Yvonne Catterfeld (ganz links im Bild) und Jeanette Biedermann (2.v.r.) der Sendung ihre Karriere. Bei so viel Mehrwert ist es schon fast egal, dass der eigentliche Sinn des ganzen, nämlich die überzeugende schauspielerische Darstellung lebensnaher Charaktere, hier - hoppla - ganz wegfällt.

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Die 25 schlimmsten TV-Serien:Teletubbies

Kinderserie "Teletubbies" auf dem Kinderkanal von ARD und ZDF

Quelle: AP

Mit solcherlei Missgeschicken müssen sich die "Teletubbies" nicht herumschlagen: Als grenzdebil lallende Gestalten gehen Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und eine knallrote Figur namens Po für die Zuschauer des Kinderkanals "Kika" von ARD und ZDF auf tapsige Tour. Im krassen Widerspruch zu Pädagogik-Ratgebern aller Zeiten, die für den Umgang mit Kleinkindern immer dringend anraten, eben nicht in peinliche Babysprache zu verfallen, um die frühkindliche sprachliche Entwicklung nicht zu stören. Den Teletubbies im Außerirdischen-Outfit ist das egal. Und vielen Fans, die die Serie zum Kult erhoben, war es das auch - vielleicht, weil manche Dinge einfach so schlecht sind, dass sie fast schon wieder gut sind. Zumindest im LSD-Rausch. In diesem Sinne - Winke, winke!

© sueddeutsche.de/rus/gr/lala

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