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Affäre um "News of the World":Der Sumpf von Scotland Yard

"Wir wissen, dass es korrupte Polizisten gibt": Erst skrupellose Journalisten, jetzt auch noch ein bestechlicher Beamtenapparat. Die "News of the World"-Affäre hätte längst aufgeklärt werden können - doch John Yates, Vizechef der Londoner Polizei, sah trotz neuerlicher Abhörvorwürfe keinen Anlass zu Ermittlungen.

Noch vor zwei Wochen sagte der Londoner Polizeichef Sir Paul Stephenson, es wäre ihm natürlich lieber, seine Beamten würden Raubüberfälle aufklären, statt sich um Kleinkram wie die Abhöraktivitäten des Boulevardblatts News of the World zu kümmern. Mittlerweile ist die Zeitung Geschichte, der Abhörskandal weitet sich aus, und Scotland Yard wird immer tiefer hineingezogen. Am Dienstag sah sich Stephensons Stellvertreter, Assistant Commissioner John Yates, gezwungen, vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss "rückblickend" sein "Bedauern" auszudrücken, die Abhöraffäre nicht früher und entschiedener aufgeklärt zu haben. Verschleppung und Bestechlichkeit - das wird den Beamten nun vorgeworfen.

News of the World Publishes Final Issue

Das britische Boulevardblatt News of the World ist Geschichte, die Abhöraffäre hingegen, in die die Zeitung verstrickt war, geht weiter. Die Polizei musste zugeben, schlampig ermittelt zu haben.

(Foto: Bloomberg)

"Yates of the Yard", wie der 52-Jährige in den Medien genannt wird, wäre damit nicht die Offenlegung der Tatsache erspart geblieben, dass Beamte seines eigenen Polizeiapparates jahrelang von Reportern der News of the World geschmiert worden waren. Auch hätte er früher eingestehen müssen, dass offenbar auch sein eigenes Telefon abgehört wurde. Aber zumindest hätte er den Eindruck vermieden, gar kein rechtes Interesse an der Aufklärung eines Abhörskandals zu haben, der vergangene Woche dazu führte, dass die 168 Jahre alte Boulevardzeitung eingestellt wurde.

Im Juli 2009 ergab sich die Gelegenheit, eine bereits für abgeschlossen erklärte Untersuchung der News of the World wieder aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die mehr als 11.000 Seiten Material, die bei dem Privatermittler Glen Mulcaire sichergestellt worden waren, bereits seit drei Jahren in Säcken herumgestanden. Mulcaire war 2007 zu einer Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er sich gemeinsam mit dem News-of-the-World-Reporter Clive Goodman schuldig bekannt hatte, Mitglieder der Königlichen Familie belauscht zu haben.

Damit hatte die Metropolitan Police die erste polizeiliche Untersuchung als Erfolg verbucht und abgeschlossen. Nachdem der Guardian 2009 über neue Abhörvorwürfe geschrieben hatte, beauftragte Sir Paul Stephenson seinen Stellvertreter, zu prüfen, ob eine neue Untersuchung gerechtfertigt sei. John Yates entschied nach "achtstündiger Überlegung", das vorliegende Beweismaterial sei "eingehend examiniert" worden, und es gebe keinen Anlass zu weiteren Ermittlungen.

Dies geschah, obwohl sich Yates zu diesem Zeitpunkt bereits zu "99 Prozent" sicher war, dass zwischen 2005 und 2006 sein eigenes Mobiltelefon abgehört worden war. Vor dem Untersuchungsausschuss betonte Yates, die Verzögerung sei auch News International von Rupert Murdoch anzulasten. Der Verlag, bei dem die News of the World erschien, habe der Polizei erst vor kurzem wichtiges Material vorgelegt, das den Verdacht gegen die Zeitung erhärtet habe. Der konservative Abgeordnete Michael Ellis meinte daraufhin, der Vize-Polizeichef sei wohl noch immer unwillig, wirklich Verantwortung zu übernehmen. "Erwarten Sie etwa, dass die Täter mit der Polizei kooperieren?", fragte Ellis.

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