NDR-Serie "Tatortreiniger" "Polizeiruf"-Ermittler zu Gast

Dass dies zu einer höchst vergnüglichen und oft auch spannenden Reise durch die Psyche der Anwesenden wird, ist erstens dem hervorragenden Buch von Mizzi Meyer zu verdanken und zweitens dem wunderbar abgeklärten Spiel der Hauptdarsteller. Katharina Marie Schubert legt ihre Maja als zweifelnden Charakter an, als eine, die leicht aus der Bahn zu bringen ist, wenn sie erfährt, dass da bei ihr schon längst etwas aus der Bahn geraten ist.

Dreh- und Angelpunkt der Halbstünder ist indes Bjarne Mädel. Den kann man kennen als nervige Büronudel Ernie aus Stromberg oder als trotteligen Dorfpolizisten in Mord mit Aussicht.

Hier indes zeigt Mädel noch eine weitere Facette seines beachtlichen Könnens. Er legt seinen Schotty als gleichmütigen Lapidaristen an, als einen, der gelernt hat, sich alles an rückwärtigen Körperteilen vorbeigehen zu lassen. So schnell bringt einen wie Schotty nichts aus der Ruhe.

Wie er dann doch ein bisschen aus der Ruhe gebracht wird, das macht den Reiz dieser erst einmal auf fünf Teile angelegten Serie aus. Das ist Komödie und Psychodrama in einem. Schnell liegen die Protagonisten auf der Couch, und der Zuschauer darf fasziniert zusehen, wie sie ihre Seele entblättern. Wenn dann noch als Bonbon der ersten Folge Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner als Polizeiruf-Kommissare einen bombigen Kurzauftritt hinlegen, verwischen die Grenzen zwischen Spiel, Realität und medialem Selbstbezug endgültig.

Lange schon hat eine deutsche Serie nicht mehr so viel Freude bereitet, und es lohnt sich, dafür auf der Fernbedienung den NDR zu suchen. Traurig stimmt indes die Tatsache, dass sich solch ein Glanzstück spätabends im Dritten bewähren muss, während die ARD-Serienplätze mit unendlich viel belanglosem Müll verstopft bleiben. Das trägt in sich die Diagnose, dass die ARD durchaus auch mal einen Tatortreiniger gebrauchen könnte. Er hätte viel zu tun.

Der Tatortreiniger, NDR, Folge 1, 4. Januar, 22:25 Uhr; Folge 2, 5. Januar, 22:30 Uhr.