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NDR-Serie "Tatortreiniger":Mehr als nur putzen

Lesezeit: 2 min

Wenn Bjarne Mädel als "Tatortreiniger" seelenruhig die Reste menschlichen Lebens beseitigt und dabei auf die kuriosesten Gestalten trifft, liegen Psychodrama und Komödie nah beieinander. Endlich mal eine richtig gute Serie!

Hans Hoff

Einer muss die ganze Sauerei ja wegmachen. Also das Blut, das an die Wände gespritzt ist, das sich in den Teppichboden gesaugt und die Möbel versaut hat. Das, was von einer bösen, von einer tödlichen Tat übrig blieb.

Heiko Schott, genannt Schotty, ist so einer, der die Sauerei wegmacht. Tatortreiniger nennt er sich, und er reagiert höchst angefasst, wenn ihn jemand einfach nur Putzmann nennt. Nein, das, was er da macht, das ist mehr als putzen, das ist quasi ein bisschen Kunst.

Wenn Schotty als erster nach den Kriminalbeamten den Tatort betritt und das Siegel in der Tür durchschneidet, dann erobert er immer auch eine fremde Welt, einen Kosmos, der eine höchst eigene Geschichte zu erzählen hat, eine, die davon handeln könnte, was sich in den Tagen zuvor abgespielt hat an diesem Tatort.

Doch zu der Geschichte kommt es höchst selten in der neuen NDR-Serie Der Tatortreiniger, denn der Beruf des Protagonisten wird meist nur als Vorwand eingeführt, um eine ganz andere Geschichte zu erzählen, ein kleines Kammerspiel zu inszenieren.

In der Regel bleibt Schotty nämlich am zu reinigenden Tatort nicht allein. Irgendwer platzt herein und konfrontiert den mental eher übersichtlich angelegten Putzmann mit kleinen und großen Dramen, die in der Regel mit dem vorangegangenen Tötungsdelikten wenig bis gar nichts zu tun haben.

In der ersten Folge ist das eine Prostituierte namens Maja, die den Mann besuchen will, der nicht mehr ist. Nun trifft sie auf Schotty, und es entspinnen sich feine Dialoge, in denen die besonderen Berufe, die eigenartigen Unarten der beiden, ihr leicht skurriles Sosein aufeinanderprallen.

"Polizeiruf"-Ermittler zu Gast

Dass dies zu einer höchst vergnüglichen und oft auch spannenden Reise durch die Psyche der Anwesenden wird, ist erstens dem hervorragenden Buch von Mizzi Meyer zu verdanken und zweitens dem wunderbar abgeklärten Spiel der Hauptdarsteller. Katharina Marie Schubert legt ihre Maja als zweifelnden Charakter an, als eine, die leicht aus der Bahn zu bringen ist, wenn sie erfährt, dass da bei ihr schon längst etwas aus der Bahn geraten ist.

Dreh- und Angelpunkt der Halbstünder ist indes Bjarne Mädel. Den kann man kennen als nervige Büronudel Ernie aus Stromberg oder als trotteligen Dorfpolizisten in Mord mit Aussicht.

Hier indes zeigt Mädel noch eine weitere Facette seines beachtlichen Könnens. Er legt seinen Schotty als gleichmütigen Lapidaristen an, als einen, der gelernt hat, sich alles an rückwärtigen Körperteilen vorbeigehen zu lassen. So schnell bringt einen wie Schotty nichts aus der Ruhe.

Wie er dann doch ein bisschen aus der Ruhe gebracht wird, das macht den Reiz dieser erst einmal auf fünf Teile angelegten Serie aus. Das ist Komödie und Psychodrama in einem. Schnell liegen die Protagonisten auf der Couch, und der Zuschauer darf fasziniert zusehen, wie sie ihre Seele entblättern. Wenn dann noch als Bonbon der ersten Folge Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner als Polizeiruf-Kommissare einen bombigen Kurzauftritt hinlegen, verwischen die Grenzen zwischen Spiel, Realität und medialem Selbstbezug endgültig.

Lange schon hat eine deutsche Serie nicht mehr so viel Freude bereitet, und es lohnt sich, dafür auf der Fernbedienung den NDR zu suchen. Traurig stimmt indes die Tatsache, dass sich solch ein Glanzstück spätabends im Dritten bewähren muss, während die ARD-Serienplätze mit unendlich viel belanglosem Müll verstopft bleiben. Das trägt in sich die Diagnose, dass die ARD durchaus auch mal einen Tatortreiniger gebrauchen könnte. Er hätte viel zu tun.

Der Tatortreiniger, NDR, Folge 1, 4. Januar, 22:25 Uhr; Folge 2, 5. Januar, 22:30 Uhr.

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SZ vom 03.01.2012/cag
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