Nachlese zum "Tatort" aus Münster Süß, die beiden!

Traute Zweisamkeit. Schade eigentlich, dass Thiel und Boerne sie nur vorspielen.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Im neuen "Tatort" aus Münster finden Thiel und Boerne endlich zueinander - und sind so überzeugend, dass sie für die Homo-Ehe werben könnten. Die Nachlese mit den besten Zuschauerkommentaren.

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Boerne und Thiel haben geheiratet. Zumindest tun sie so vor Boernes schwulem Erbonkel Gustav von Elst, der aus Florida zu Besuch ist. Allerdings wird den beiden Münsteraner Quatschköpfen das Werben ums Erbe vermasselt, als ein junger Brasilianer mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden wird. Und der war ausgerechnet der Lover von Erbonkel Gustav.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Tatort Ehe, wem Ehe gebührt
"Tatort" aus Münster

Ehe, wem Ehe gebührt

Boerne will an das Erbe seines schwulen Patenonkels, indem er einen Mann heiratet. Wie praktisch, dass ihm Thiel noch etwas schuldig ist.   TV-Kritik von Holger Gertz

Bezeichnender Dialog:

Der Anzug sitzt bei Frank Thiel (Axel Prahl) tadellos, der Ehering weniger. Trotzdem stehen der Kommissar und Gerichtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) wie zwei Jungen bei der Firmung vor Erbonkel Gustav.

Boerne: Da ist er, mein Frank.

Gustav: Frank! Was für eine Freude, dich endlich kennenzulernen.

Thiel: Ja, ganz meinerseits.

Gustav: Genauso habe ich mir dich vorgestellt. Handfest, etwas kernig - nicht so eine Prinzessin auf der Erbse wie der da. (Dann, zu Boerne gewandt:) Gute Wahl. (Und wieder zu Thiel:) Karl-Friedrich hat mir erzählt, du arbeitest bei der Polizei.

Thiel: Mordkommission.

Boerne: Ja, er ist Hauptkommissar. Und ein ziemlich guter.

Gustav: Ein Kriminalkommissar und ein Gerichtsmediziner - wenn das nicht die ideale Verbindung ist.

Thiel: Tja, es ließ sich ja quasi gar nicht vermeiden.

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Mitternachts-Snack bei Boerne. Thiel entdeckt ein Foto, das ihn und den Professor auf einer Beerdigung zeigt, das Boerne aber zum vermeintlichen Hochzeitsfoto zweckentfremdet hat. Vor lauter Schock verschluckt er sich an einem der Häppchen. Und das mag partout nicht mehr rauskommen. Selbst in betrunkenem Zustand bleibt Boerne routiniert. Er legt Thiel auf den Wohnzimmerteppich (doppelflauschiger Hochbauschflokati) und setzt zielsicher zum Luftröhrenschnitt an. Als Röhrchen dient ein Kugelschreiber - ausgerechnet mit der Aufschrift "Luftkurort Davos".

Top:

"Mausebärchen" raunt der eine, "Franky-Boy" säuselt der andere. Thiel und Boerne als verliebtes Pärchen hätte leicht zur peinlichen Klischeeschleuder werden können. Aber die Macher halten sich zum Glück zurück - und Thiel und Boerne sind als Paar doch sehr süß. Das findet auch Onkel Gustav, als er die beiden liebevoll (und wie zwei Firmjungen) in die Wangen kneift.

Flop:

Münster ist Klamauk - und der kommt auch mal ohne schlüssige Handlung aus. Aber in diesen Fall haben die Macher ganz schön viel reingebuttert. Neben der Homo-Ehe geht es um viel Geld, Alkoholschmuggel, einen abtrünnigen Sohn auf Crystal Meth, ganz abgesehen von der Schönheits-OP von Staatsanwältin Klemm und dem Knock-Out von Neu-Kommissarin Nadeshda Krusenstern. Bei so vielen Irrungen und Wirrungen bleibt nur, tief durchzuatmen und auf Boernes nächsten Gag zu hoffen.

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Bester Auftritt:

Christian Kohlund mimt mit Gustav von Elst einen Erbonkel, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen kann. Mit leicht gebräuntem Teint und in legerer Kleidung redet er nicht viel, aber das mit markant tiefer Stimme. Abenteurer, Seefahrer oder, wie in diesem Fall, auch den Champagner-Schmuggler nimmt man ihm gerne ab. Und dass Kohlund im Tatort nun mal als gebrochener Mann auftritt, ist eine angenehme Abwechslung zu seinem Traumschiff-Dauergrinsen.

Die Erkenntnis:

Auch wenn der Tatort ziemlich vollgepackt ist, liefert er eingefleischten Fans das, was sie erwarten: Thiel und Boerne en masse. Und ganz nebenbei ein überzeugendes Argument für die Homo-Ehe.

Die Schlusspointe:

Erst geht Boerne bei Onkel Gustavs Erbe leer aus, dann versetzen ihn auch noch die Kinder vom "Blauen Kreis", dem Wohltätigkeitsverein, dem er aus lauter Eitelkeit beigetreten ist. Dass er für die Kleinen ausgerechnet in der Pathologie eine Party ausrichten wollte, kam wohl nicht so gut an. Einzig auf Thiel und das Gezanke mit ihm ist Verlass. Als die beiden streitend hinausrauschen, resümiert Staatsanwältin Klemm: "Was zusammengehört, soll zusammenbleiben."

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