bedeckt München 17°

N24: "Hermes" mit Jürgen Doetz:Nummer 001 und sein russischer Freund

Um N24 aus der Pro-Sieben-Sat1-Gruppe buhlt ein russischer Millionär. Ihm hilft einer aus dem anderen Lager: Sat1-Legende Jürgen Doetz.

In seiner Karriere hat Medienmann Jürgen Doetz viele Senderchefs kommen und gehen sehen. Er selbst hat den privaten Rundfunk von Beginn an auf vielen Wegen gefördert, unter anderem als Mitarbeiter Nummer 001 beim Sender Sat 1. Hier war er zwar als Geschäftsführer vor allem mit medienpolitischen Dingen betraut, doch das Zepter schwangen öffentlichkeitswirksam immer andere.

Nun, im 65. Lebensjahr, soll es für den amtierenden Präsidenten des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) noch einmal ganz anders kommen. Denn Doetz könnte auf einmal selbst bei einem TV-Sender die Rolle des Zampanos spielen und eine Art Über-Journalist sein: beim Berliner Nachrichtensender N24.

Seit Monaten wird über einen Verkauf der wirtschaftlich schwierigen News-Tochter des Münchner Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 Media AG spekuliert. Die Offerten der möglichen Käufer liegen in dem Verkaufsverfahren (Codename: Hermes) vor - und neben all den anderen Interessenten, angeblich dem Wirtschaftsnewsender CNBC, Medienmogul Rupert Murdoch, den Eigentümern der Nachrichtenagentur ddp, dem Film- und Fernsehproduzenten Jan Mojto sowie der N24-Geschäftsführung plus Ex- Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, fällt das Angebot eines Russen nun besonders auf.

Ehrgeiziges Angebot

Es handelt sich um die Firma Ren Media des Filmproduzenten Dimitri Lesnewski, der bereits vor rund zwei Jahren den Münchner Kleinsender Das Vierte übernommen hat. Der Mann hat einst in Moskau den Nachrichtensender Ren TV gesteuert und hofft nun auf die große Expansion in Deutschland. Das sehr ehrgeizige Angebot beinhaltet die Zusage, alle 250 Mitarbeiter von N24, inklusive Geschäftsführung, weiter zu beschäftigen.

Aber so etwas haben Interessenten im Kampf um Opel auch behauptet. Vor dem Spiel ist hier immer anders als nach dem Spiel.

Investor Lesnewski macht sich Hoffnungen, zum Zug zu kommen, weil er den medienpolitisch versierten Jürgen Doetz an seiner Seite weiß. Das CDU-Mitglied - in den Uralt-Zeiten des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel war er stellvertretender Regierungssprecher - gehört in der Union zum "Anden-Pakt" ( Pacto Andino Segundo), einem Männer-Klüngel einflussreicher konservativer Politiker wie Christian Wulff, Roland Koch oder Günther Oettinger, der offenbar in gewisser Fronde zur Parteichefin Angela Merkel stand.