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"Münchner Merkur":Wechselkurs

Erst vor einer Woche war seine Personalie verkündet worden. Aber seit diesem Montag ist klar: Der frühere Chefredakteur Karl Schermann wird nun doch nicht auf seinen Posten zurückkehren.

Von Karoline Meta Beisel und Katharina Riehl

Gerade mal eine gute Woche ist es her, dass der Münchner Zeitungsverlag eine personelle Veränderung per Pressemitteilung verbreitete: Bettina Bäumlisberger, zwei Jahre lang Chefredakteurin des Münchner Merkur , verlässt den Verlag zum 31. März. Als Nachfolger präsentierte Verleger Dirk Ippen einen in der Redaktion gut bekannten: Karl Schermann, Bäumlisbergers Vorgänger, der zwei Jahre zuvor in Rente gegangen war. Am 1. März sollte er seinen alten Job wieder übernehmen. Seit diesem Montag ist klar: So wird es nicht kommen.

Einen Tag vor Schermanns erstem Arbeitstag auf seinem neuen alten Posten besuchte Verleger Ippen am Montagmorgen die Ressortleiterrunde des Merkur und teilte ihnen mit, dass Schermann den Job nun doch nicht machen werde. Statt seiner übernimmt der bisherige Stellvertreter Georg Anastasiadis die Geschäfte des Merkur, bis ein Nachfolger gefunden ist. Dass Anastasiadis den Posten langfristig behalten möchte, gilt offenbar als eher unwahrscheinlich. Ippen teilte auf Anfrage mit, Schermann, der dem Haus als enger Berater verbunden bleibe, habe entschieden, "sich aus gesundheitlichen Gründen in seinem Alter die Übernahme der vollen Chefredaktion doch nicht mehr zumuten zu können". Er bedaure das sehr, so Ippen, habe dafür aber Verständnis und Respekt.

In der Redaktion soll die Ankündigung Ippens für große Verwirrung gesorgt haben und für Unsicherheit über die künftige Ausrichtung des Blattes. Seit längerem wird beim Merkur über die Zusammenarbeit zwischen Print und Online sowie über eine engere Verzahnung zwischen Merkur und tz diskutiert. Nach Schermanns Berufung gab es das Gerücht, er könnte auch bei der tz eine Funktion übernehmen und die Verzahnung vorantreiben.

© SZ vom 01.03.2016
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