Mini-Serie "Die Bibel" auf Vox:Korrekter Gott

Das Produzentenehepaar Mark Burnett und Roma Downey (die praktischerweise gleich die Maria spielen darf) behauptet, es sei bei der Vorbereitung seiner Serie von Cecil B. DeMilles Monster-Film Die Zehn Gebote (1923 und 1956) beeinflusst worden. Bei allem Respekt, aber das grenzt an Blasphemie. Denn auch wenn der Monumentalist DeMille den Kitsch niemals scheute und seinem Größenwahn noch mit preiswerten Statisten frönen konnte, verbindet diese im pittoresken Süden Marokkos entstandene Billig-Bibel doch nichts mit dem kinematographischen Einfallsreichtum des alten Studio-Hollywood.

Neu ist immerhin, dass Gott, wenn er denn auf Erden wandelt, ethnisch korrekt von einem schwarzen und einem asiatischen Engel begleitet wird. Er selber verkleidet sich vorsichtshalber als Hoodie, ansonsten raunt eine dem Lenor-Gewissen nachempfundene Stimme tiefdunkle Sätze sonder Sinn und Verstand. Jesus (Diogo Morgado) ist fast noch schöner als auf den Zeichnungen im Wachtturm, so dass der Kleingläubige schnell ins Grübeln kommt: Muss er wirklich so brutal gekreuzigt werden? Hätte sich nicht wenigstens hier ein happy end finden lassen?

Zugegeben, nach dem Leben des Brian der Bibel-Exegeten von Monty Python ist es schwierig geworden, das Alte und Neue Testament halbwegs plausibel zu verfilmen. Aber muss die meist wenig Frohe Botschaft unbedingt von lauter bauernbarocken Dutzendschauspielern verkündet werden, die bereits der eine Gesichtsausdruck überfordert, über den sie verfügen? Gezeigt wird bestes amerikanisches Fernsehen, das heißt, Theologisches wird von der Kostümabteilung behandelt, existenzielle Fragen werden an der Frisierkommode erledigt.

Samson mit Dreadlocks

Dreadlocks markieren den Riesen Samson, der - zu viel Sex darf nicht sein, die Kinder schauen doch zu! - der treulosen Delilah erliegt. Kain gibt seinem Bruder Abel vollfett eines über den Schädel, dass das Blut nur so spritzt. Moses wandelt sich im göttlichen Auftrag vom parfümierten Höfling zum wilden Mann, und der Satan, der doch für eine halbwegs philosophisch fundierte zweite Ebene sorgen könnte, sieht dann auch noch aus wie Barack Obama. Als Dreingabe gibt es ekstatisch leidende Frauen, vorzeitliche Ninja-Krieger, eine sadistische Passionsgeschichte und vor allem reichlich halbnahe Einstellungen, damit die Armseligkeit der Produktion nicht gleich auffällt.

Über dreizehn Millionen Gläubige sollen die Serie bei der Ausstrahlung im amerikanischen Kabelfernsehen mit der unbedingt erforderlichen Andacht betrachtet haben, also ungefähr zehn Mal so viele, wie bei den in Deutschland immer wieder herbeizitierten Serien House of Cards oder Homeland. Vielleicht ließe sich ja davon für eine deutsche Produktion lernen:

Bernd Lucke von der AfD als kinderreicher Moses, der sein Volk aus der Gefangenschaft unter lauter Ausländern herausführt, Veronica Ferres in einer theologisch und auch sonst ansprechenden Doppelrolle als Eva und Maria, Simone Thomalla als Lots Frau und spätere Salzsäule und Til Schweiger als Noah, der sich den Weg in die rettende Arche freischießen muss. Für Markus Lanz wird sich gewiss auch noch eine Rolle finden. Jesus vielleicht?

Die Bibel, Vox, Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, 20.15 Uhr.

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