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Medienkonzern:Springer kauft "Business Insider"

  • Axel Springer kauft US-Online-Wirtschaftsdienst Business Insider.
  • Mit dem Kauf will der Medienkonzern digitale Reichweite steigern und "digitale Entscheider von morgen" erreichen.

Von Caspar Busse

Auf den englischsprachigen Markt hat es Mathias Döpfner abgesehen. Doch der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG musste da zuletzt eine herbe Schlappe einstecken. Der Kauf der Londoner Wirtschaftszeitung Financial Times scheiterte in letzter Minute, die japanische Verlagsgruppe Nikkei machte das Rennen. Auch beim Buhlen um die Zeitschrift Forbes gab es keinen Erfolg.

Jetzt kommt Springer doch noch zum Zuge und erhöht seinen Anteil am amerikanischen Wirtschafts- und Nachrichtenportal Business Insider von acht auf 97 Prozent. Die übrigen drei Prozent hält Amazon-Chef Jeff Bezos.

Das Geschäft kostet rund 300 Millionen Euro. Business Insider mit Sitz in New York wurde 2007 gegründet und beschäftigt rund 325 Mitarbeiter, die Hälfte davon sind Journalisten. Gründer und Chefredakteur Henry Blodget bleibt vorerst an Bord. Der ehemalige Analyst musste nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen zu positiver Aktien-Einschätzungen eine Millionenstrafe zahlen und ist seitdem für das Finanzmarktgeschäft gesperrt.

Das "digitale Jahrhundert" im Blickfeld

Springer will mit dem Kauf die digitale Reichweite steigern. Business Insider kommt derzeit auf 76 Millionen Leser im Monat und ist nach eigenen Angaben damit eines der führenden Wirtschaftsportale. "Business Insider hat neue Maßstäbe im digitalen Wirtschaftsjournalismus weltweit gesetzt", teilte Springer-Chef Döpfner mit. Die Geschichten würden die "Entscheider von morgen" erreichen. Die Zielgruppe sind 18- bis 34-Jährige. Es soll "ein großes, weltweites Nachrichtenunternehmen für das digitale Jahrhundert" aufgebaut werden, sagte Blodget. Springer betreibt eine deutsche Version, die Expansion in weitere Länder sei in Arbeit.

Springer baut seit Jahren das Engagement im Onlinegeschäft aus und will den Rückgang bei Bild und Welt auffangen. Bislang investierte Döpfner vor allem in digitale Rubrikenportale. Zuletzt gab das Unternehmen den Start der europäischen Ausgabe des Onlinedienstes Politico aus Washington bekannt. In Deutschland wird das Wirtschaftsmagazin Bilanz verlegt.

© SZ vom 30.09.2015/cag
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