Medien:Axel Springer entbindet "Bild"-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben

Spobis 2020, Düsseldorf, 30.01.2020 Der Vorsitzende der Chefredaktion der Bild-Zeitung Julian Reichelt während der Spob

Julian Reichelt ist seinen Posten als Bild-Chefredakteur nun erst einmal los.

(Foto: imago images/Jörg Schüler)

Der Medienkonzern Axel Springer stellt mit sofortiger Wirkung Bild-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben frei. Neuer Vorsitzender der "Bild"-Chefredaktion wird Johannes Boie, derzeitiger Chefredakteur der "Welt am Sonntag".

Der Verlag Axel Springer hat Bild-Chefredakteur Julian Reichelt mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben entbunden. Als Folge von Medienrecherchen habe das Unternehmen in den vergangenen Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten Reichelts gewonnen.

"Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat", teilte der Verlag in Berlin mit. Neuer Vorsitzender der Bild-Chefredaktion wird Johannes Boie. Der 37-Jährige ist derzeit Chefredakteur der zu Springer gehörenden Zeitung Welt am Sonntag. Bevor er 2017 zu Axel Springer kam, hatte Boie bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet. Alexandra Würzbach bleibt Chefredakteurin der Bild am Sonntag und verantwortlich für Personal- und Redaktionsmanagement. Claus Strunz ist als Chefredakteur für das Bewegtbildangebot verantwortlich.

Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen Bild-Chefredakteur Reichelt standen seit Anfang März im Raum. Damals hatte der Spiegel berichtet, dass rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen dem Medienhaus Vorfälle aus den vergangenen Jahren angezeigt hätten. Nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen wurde Reichelt auf eigenen Wunsch freigestellt, das Unternehmen leitete eine Compliance-Untersuchung zur Prüfung der Vorwürfe ein.

Ende März kehrte Reichelt an seinen Arbeitsplatz zurück. Zur Begründung hieß es, der Vorstand des Medienkonzerns sehe es trotz festgestellter Fehler in der Amts- und Personalführung als nicht gerechtfertigt an, Reichelt von seinem Posten abzuberufen.

Die New York Times hatte nun am Wochenende einen langen Bericht über den Medienkonzern Axel Springer auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico veröffentlicht. In dem Artikel ging es auch um Reichelt und die im Frühjahr erstmals öffentlich bekanntgewordene Vorwürfe gegen ihn. Die Zeitung verwies auch auf bislang nicht veröffentlichte monatelange Recherchen eines Investigativ-Teams der Ippen-Mediengruppe. Die Geschäftsführung der Ippen-Gruppe hatte die Veröffentlichung der Recherche gestoppt, was heftigen Protest der beteiligten Journalisten ausgelöst hatte. Das Rechercheteam sei "schockiert von dieser Entscheidung", hieß es in einem Brief. Ein Sprecher des Verlages verteidigte den Stopp der Veröffentlichung und führte an, dass Ippen mit dem Springer-Verlag in einem Wettbewerb steht.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: "Julian Reichelt hat Bild journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei BILD gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich."

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