Öffentlich-rechtlicher Rundfunk MDR sagt nach provozierendem Tweet Sendung ab

Neben anderen Teilnehmern war auch Frauke Petry zu der Sendung "Dienstag direkt" eingeladen.

(Foto: dpa)

Der Sender will für eine Gesprächsrunde über politische Korrektheit Werbung machen und vergreift sich schwer im Ton. Auch Frauke Petry hätte dabei sein sollen.

Von Xaver Bitz

Wer auf sich aufmerksam machen will, kann das Mittel der Provokation nutzen. Man darf hoffen, dass dies die Intention der Verantwortlichen beim MDR Sachsen war, als sie am späten Dienstagvormittag folgenden Tweet in die Welt setzten: "Darf man heute noch 'Neger' sagen? Warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?"

Der Tweet geht noch weiter und nennt die Gäste der Sendung. Doch auch ohne diese durchaus illustre Runde aus der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry, der Linken-Abgeordneten im Sächsischen Landtag, Kerstin Köditz, ZDF-Moderator Peter Hahne und Robert Feustel von der Uni Leipzig war dem Sender die Aufmerksamkeit der Twitter-Gemeinde gewiss.

In der inzwischen gelöschten Sendungsankündigung auf der Homepage von Dienstags direkt war davon die Rede, dass im Vordergrund die Beantwortung der Frage "Politisch korrekt oder korrekt politisch?" stehen soll. Dass dies allein schon als provokante These ausreichen könnte, ist im Zeitalter von Halbwahrheiten twitternden US-Präsidenten und Fake News nur schwer von der Hand zu weisen. Als mehrere Nutzer die Redaktion darum baten, den Tweet zu löschen, pampte diese zurück: "Bitte lesen Sie sorgfältig und nicht nur die Überschrift. Dann haben Sie die Chance, den Inhalt der Sendung vollständig zu erfassen."

Wenig später war dann offenbar auch den Machern der Sendung bewusst, dass sie mit ihrem Anliegen über das Ziel hinausgeschossen waren. Um 17.34 Uhr stand auf der Twitter-Seite des MDR Sachsen selbstkritisch zu lesen: "Wir entschuldigen uns für die rhetorisch gemeinte Einstiegsfrage unseres Tweets. Wir haben mit der Überspitzung die Gefühle vieler verletzt." Danach versuchte sich die Redaktion an einer Erklärung: "Die Sendung 'Dienstags direkt' thematisiert moralische Normen und Tabus in der Sprache und deren Verletzung".

Doch da war es schon zu spät. Denn kurz vorher hatten die Linke-Politikerin Köditz und der Soziologe Feustel die Teilnahme an der Sendung - ebenfalls via Twitter - abgesagt. "Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist", begründeten Köditz und Feustel in einer gemeinsamen Erklärung per Twitter. Dabei bekräftigten sie kritische Stimmen, "die grundsätzlich fragen, warum keine Menschen eingeladen wurden, die selbst von Rassismus betroffen sind".

Dies teilte der MDR dann auch seinen Twitter-Followern mit. Verbunden mit der Absage der kompletten Sendung und der Hoffnung, einen neuen Sendetermin zu finden. Bis dahin dürften jede Menge Entschuldigungen fällig sein.

Frauke Petry kommentierte die Absage so: "Schade, dass der MDR es nicht durchgezogen hat. Die Absagen sprechen doch eine eigene Sprache und dokumentieren den Status der Diskussionsfähigkeit."

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