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Marvel-Serie "Loki":Der Gott des Lachhaften

LOKI

Loki (Tom Hiddleston) will gefürchtet werden, aber das klappt nicht immer.

(Foto: Marvel Studios)

Mit "Loki" wird eine weitere Nebenfigur des Marvel-Universums mit einer eigenen Serie geadelt - das ist spannend und originell.

Von David Pfeifer

Von allen Figuren, die das Marvel-Comic-Universum mittlerweile bevölkern, ist Loki, der Gott des Chaos, die interessanteste. Er ist nicht richtig böse, aber auch keiner von den Guten, er kann seine Erscheinung beliebig ändern und obendrein sorgt er für eine Komponente, die den "Avengers"-Filmen zusehends verloren gegangen ist: Humor. Denn Loki will gefürchtet werden, aber das klappt nicht immer. In einer Szene in einem der unzähligen "Avengers"-Teile verlangt Loki ausgerechnet vom Wut-Monster Hulk respektvolle Behandlung: "Du kannst das nicht tun, ich bin ein Halbgott!" Woraufhin ihn der Hulk ungespitzt in den Boden rammt, wie man so sagt, und das gleich mehrmals. Die ganze Lächerlichkeit männlicher Kraft- und Machtspiele ist hier skizziert.

Die Serie Loki, die nun auf Disney Plus zu sehen ist, steigt ebenfalls mit einem Moment aus einem "Avengers"-Teil ein, wenn Loki - gespielt von Tom Hiddleston - sich ein mächtiges Artefakt schnappt, den Tesserakt, der so aussieht wie ein Leuchtwürfel, und durch ihn in einer anderen Zeitebene verschwindet. Doch die Serie biegt dann gleich viel konsequenter ab in ein wildes Nerdistan, als es die Filme tun, die groß und immer größer und dabei auch ein wenig öde geworden sind. Loki wird festgenommen und findet sich in einer Behörde wieder, die dem anonymen Ministerium in Terry Gilliams dystopischem Film "Brazil" nachempfunden wurde. Er ist angeklagt, gegen die Gesetze der Zeit verstoßen zu haben. Es zieht sich dann ein bisschen, bis die, nun ja, Logik dieser zeitversetzten Multiversen erklärt wurde, immerhin ganz charmant im Stil alter Telekolleg-Sendungen.

Tom Hiddleston heitert die Szenen mit misslungenen Machtgesten im 80er-Jahre-Steampunk-Ministerium auf

Aber Zeit ist eben ein sensibles Thema bei den Avengers. Nach immerhin fünf Stunden "Endgame", den bisher letzten Teilen, musste man als Zuschauer hinnehmen, dass alles Drama am Ende mit einer Zeitreise gelöst wurde. Nach der Traumsequenz rein erzählerisch immer die zweitblödeste Lösung, um Helden, die man für weitere Teile noch brauchen kann, wieder zum Leben zu erwecken. Der Zeitreise-Kniff, wenn er nicht Kern der Handlung, sondern nur Notausgang für eine hoffnungslos verworrene Dramaturgie ist, hinterlässt den schalen Nachgeschmack, dass man doch ein bisschen Lebenszeit vergeudet hat, um am Ende der Geschichte wieder an ihrem Anfang anzukommen.

Bei Loki aber ist die Idee der Zeitebenen der Handlungsraum, daher auch die etwas ausführliche Erklärung in der ersten Folge. Hiddleston heitert die Szenen immer wieder damit auf, dass er versucht, seine Kräfte einzusetzen, die aber leider in diesem schwer nach 80er-Jahre-Steampunk aussehenden Ministerium keine Wirkung haben, weswegen die Machtgesten so lächerlich wirken, als stünde er vor einem Greenscreen. Was nun also angedeutet wird, ist eine Detektiv-Geschichte, die durch die Zeiten und Multiversen führt. Ob das am Ende aufgeht, kann man leider noch nicht sagen, weil noch nicht alle Teile zu sehen sind, und hinterher in der Zeit zurückreisen, um sich die Lebenszeit zurückzuholen - dafür müsste man schon ein Halbgott sein. Was man bisher allerdings sehen konnte, verspricht mehr Spannung als die regulären "Avengers"-Filme, und einen originelleren Zugang, vor allem für die echten Fans.

© SZ/cag
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