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Aus für die "Lindenstraße":Nie wieder Mutter Beimer

Morddrohungen aus Bayern, heile Welt und Besuch aus Hollywood: 34 Jahre lang sezierte die "Lindenstraße" den deutschen Alltag, nun soll sie abgesetzt werden. Unvergessene Momente und Personen.

Von Carolin Gasteiger

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Hausmusik

Lindenstraße, Folge 1; Lindenstraße Familie Beimer

Quelle: WDR/Engelmeier

Da war die Welt noch in Ordnung - Lindenstraße, Folge 1: Mutter Beimer und ihr "Hansemann" lebten glücklich als Ehepaar, Tochter Marion (2. von rechts) ist noch nicht auf Reisen, Sohn Benny (r.) noch am Leben (er verunglückt später bei einem Autounfall) und der Jüngste, Klaus, ist noch nicht in Berührung mit der Neonazi-Szene gekommen. Stattdessen: Hausmusik im Advent. Mit Hornbrille und Wollweste.

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Hans W. Geißendörfer

Lindenstraße, Geißendörfer

Quelle: dpa/picture-alliance

"Der deutsche Zustand bin ich": Hans W. Geißendörfer hat die Lindenstraße 1985 erschaffen - um den urdeutschen Alltag abzubilden. 30 Jahre lang war er hinter der Kamera verantwortlich, ohne Scheu, mit der Handlung auch zu provozieren. Dann übergab er an seine Tochter Hana.

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Hansemann

Lindenstraße

Quelle: dpa

Fürsorglich, ach was, gluckenhaft umhegte Helga Beimer ihren ersten Ehemann. Mit Föhnwelle und Schultertuch verkörperte "Mutter Beimer" den Inbegriff der deutschen Hausfrau. Und, was sich aber erst in Joachim H. Lugers Abschiedsfolge 2018 zeigte, sie kommt auch nach mehr als 20 Jahren und einer zweiten Ehe nicht von Hans Beimer los.

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Der Kuss

kuss lindenstraße homosexuell schwul

Quelle: WDR

Als sich 1990 Georg Uecker (l.) und Martin Armknecht in der Lindenstraße küssten, war das nicht der erste Kuss unter Schwulen in der Serie (den gab es bereits 1987). Aber es war der Kuss, der vor allem in Bayern für Empörung sorgte. Die beiden Darsteller erhielten Morddrohungen, Uecker zeitweise sogar Personenschutz. Die Folge im Drehbuch: Ueckers Figur ging für ein paar Jahre ins Ausland, der andere wurde heterosexuell. Auch eine Möglichkeit, mit Protest umzugehen - wenn auch nicht gerade die mutigste.

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Til Schweiger

Lindenstraße 364

Quelle: Diane Krüger

Vier Jahre vor "Der bewegte Mann" taucht Til Schweiger körperbetont in der Lindenstraße als Jo Zenker auf. Der Sohn von Taxifahrer Andi Zenker verbringt seinen Freigang vom Bund bei seinem Vater und findet bald großen Gefallen an dessen künftiger Frau Gabi. Zwei Jahre später geht Jo ins Ausland und schickt seinem Vater aus Hollywood eine Stripperin als Geburtstagsgruß. Der Anfang einer großen TV-Karriere.

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Else und Egon Kling

Wolfgang Grönebaum und Annemarie Wendl als Egon und Else Kling aus der Lindenstraße, 1998

Quelle: AP Photo/WDR

Unbedingt zur Lindenstraße gehörte Else Kling (im Bild mit Ehemann Egon). Vornehmlich um Anstand und Sitte besorgt, war die Hausmeisterin eine grantelnde, bigotte, neugierige Intrigantin. Mit Kittelschürze und Witwe-Bolte-Turban lungerte die neugierige Alte im Treppenhaus herum und gab vor, zu putzen. Eigentlich wollte sie nur wissen, was im Haus vor sich ging. Und das ganze 21 Jahre lang.

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Weise Sprüche von der Straße

Harry Rowohlt als Penner Henry in der Fernsehserie "Lindenstraße"

Quelle: WDR/Eckbert Reinhardt

Mit seinen pointierten Kommentaren bereicherte Schriftsteller und Übersetzer Harry Rowohlt die ARD-Serie. Von 1995 bis 2013 hing er als sprachgewandter "Penner Harry" in der Lindenstraße ab und kommentierte das Geschehen. Zwei Jahre nach seinem Aussteigen verstarb Rowohlt im Alter von 70 Jahren an Lungenkrebs.

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Dallas kommt zu Besuch

Larry Hagman in der 'Lindenstraße'

Quelle: dpa/dpaweb

Zum 20-jährigen Jubiläum gönnte sich die Lindenstraße 2005 einen prominenten Gast. Larry Hagman, bekannt als J.R. Ewing aus der US-Serie Dallas, stolperte in der Folge in Mutter Beimers Reisebüro und wollte ein Ticket nach Dallas kaufen. Und Darstellerin Marie-Luise Marjan war so begeistert, dass sie dem US-Kollegen eine Christophorus-Figur und Pralinen schenkte.

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Serientod mit Ex-Frauen

Lindenstraße; WDR Lindenstraße Joachim H. Luger

Quelle: WDR/Steven Mahner

Anfangs war ihm die Kulisse selbst zu spießig, erklärte Joachim H. Luger zuletzt im SZ-Interview. Knapp 33 Jahre lang verkörperte er Hans Beimer, der seine Frau für die Nachbarin verließ. Vor allem in den Achtzigerjahren thematisierte die Sonntagabendserie in der ARD aber auch Gesellschaftskritik, die zum Teil reelle Konsequenzen hatten (1988 verklagte CSU-Politiker Gauweiler die Macher, weil ihn eine Figur als "Faschisten" bezeichnete) - Luger zufolge "revolutionär". Zuletzt starb "Hansi" im Kreise seiner beiden Lieblingsfrauen. Bis 2020 darf der Zuschauer nun noch auf ein großes Stück heile Welt hoffen, durchkreuzt von revolutionärem Gedankengut - und dann wird es heißen: Nie wieder Mutter Beimer.

© SZ.de/luch/rus
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