bedeckt München 11°
vgwortpixel

Nach Tod von Basketball-Profi:Was nicht ins Heldenepos passt

Fans betrauern Kobe Bryant in Los Angeles. Wie viel Problematisierung gehört in die Nachrufe auf den Basketballstar?

(Foto: AFP)
  • Mitten in die Trauer um Kobe Bryants Tod hat die amerikanische Reporterin Felicia Sonmez einen Artikel des Portals Daily Beast aus dem Jahr 2016 verlinkt.
  • Darin geht es um Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Basketballprofi.
  • Die Journalistin erhielt daraufhin Morddrohungen, ihr Arbeitgeber, die Washington Post, schickte sie in Zwangsurlaub.

Die Debatte wird sehr emotional geführt. Deshalb helfen ein paar Fakten vielleicht beim Sortieren. Es hat gegen den Basketballspieler Kobe Bryant, der am vergangenen Sonntag mit seiner 13-jährigen Tochter und sieben weiteren Insassen bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen ist, Vorwürfe der Vergewaltigung gegeben. Er soll 2003 in einem Hotel mit einer damals 19 Jahre alten Angestellten gegen deren Willen Sex gehabt haben.

Das strafrechtliche Verfahren war eingestellt worden, weil das mutmaßliche Opfer nicht vor Gericht aussagen wollte. Beim Zivilprozess einigte man sich später außergerichtlich. Im September 2004 veröffentlichte Bryant über seinen Anwalt eine Entschuldigung, in der unter anderem steht: "Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass unsere Begegnung einvernehmlich gewesen ist, bemerke ich jetzt, dass sie diesen Vorfall nicht so bewertet hat wie ich. Mir ist nun klar geworden, dass sie das Gefühl hat, dieser Begegnung nicht zugestimmt zu haben."

Mitten in die Trauer um Bryants Tod hat nun die amerikanische Reporterin Felicia Sonmez im Social Web einen Artikel des Portals Daily Beast aus dem Jahr 2016 verlinkt, in dem es um die Vorwürfe geht - inklusive Spekulationen, wie es zur außergerichtlichen Einigung gekommen sei. Sonmez erhielt daraufhin Morddrohungen per Email, die sie teils ebenfalls als Screenshot bei Twitter veröffentlichte. Ihr Arbeitgeber, die Washington Post, hat sie deshalb in Zwangsurlaub geschickt. In einem Statement der Zeitung heißt es, die Einträge seien "eine Fehlentscheidung" und würden "die Arbeit ihrer Kollegen untergraben".

Die Gewerkschaft der Post-Mitarbeiter kritisierte die Entscheidung

Sonmez gab daraufhin ihren Kollegen bei der Post ein Interview und sagte unter anderem: "Die Schwere der Vorwürfe sind ein maßgeblicher Bestandteil seines Lebens. (...) Ich habe nicht kommentiert, sondern nur einen Link zu diesem Text veröffentlicht." Das ist die eine Ebene: Wie viel Problematisierung gehört in Nachrufe auf Bryant? Die der Heldenverehrung nicht abgeneigten US-Sportsender etwa haben weitestgehend darauf verzichtet.

Auf einer zweiten Ebene geht es um die Frage, ob eine Zeitung ihren Mitarbeitern vorschreiben kann, was sie in den sozialen Medien veröffentlichen dürfen. Es gibt bei der Post Richtlinien, in denen es zum Beispiel heißt, dass auch Einträge von privaten Accounts so behandelt würden, als kämen sie von der Zeitung selbst. Redakteure sollten nichts veröffentlichen, das "als politisch, rassistisch, sexistisch, religiös oder anderweitig motiviert ausgelegt werden könnte". Vage Formulierungen.

Die Gewerkschaft der Post-Mitarbeiter hat die Entscheidung, Sonmez zu beurlauben, denn auch heftig kritisiert. "Wir verstehen, dass die Stunden nach dem Tod von Bryant eine ungünstige Zeit gewesen sind, auf vergangene Vorwürfe sexuellen Missbrauchs hinzuweisen. (...) Dennoch glauben wir, dass es unsere journalistische Pflicht ist, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen - über Personen und Institutionen, beliebt und unbeliebt, zu günstigen und ungünstigen Zeitpunkten." Die Vereinigung der US-Zeitungen schloss sich dieser Kritik an und forderte die Washington Post auf, die Beurlaubung von Sonmez rückgängig zu machen.

© SZ vom 29.01.2020/tmh
Basketball Stadt ohne Engel

Zum Tod von Kobe Bryant

Stadt ohne Engel

Der Tod von Kobe Bryant treibt den Bewohnern von Los Angeles die Tränen in die Augen. Der Basketballer hat die Stadt geprägt - weil er, trotz seines Talents, ein Arbeiter geblieben ist, der seine Fehler hatte.   Von Jürgen Schmieder

Zur SZ-Startseite