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Musikmagazin "Juice":Gedruckte Ausgabe des Hip-Hop-Magazins "Juice" wird eingestellt

JUICE, Hip Hop Magazin, Cover zu Ausgabe 194

Juice, Hip Hop Magazin, Cover zu Ausgabe 194.

(Foto: Juice)
  • Früher konnte das stilbildende Magazin "Juice" über Erfolg und Misserfolg eines Rappers entscheiden.
  • Zuletzt verkaufte es sich nur noch schlecht - und stellt nun seine gedruckte Ausgabe ein.

Es gab eine Zeit, da konnte die Juice Rapper zu Königen krönen. Zumindest in der Hochzeit des Musikmagazins zwischen 1997 und 2009. Damals waren die Kronen-Bewertungen, die neben den Albumrezensionen standen der wichtigste Indikator für Erfolg in der Rapszene. Bushido rappte auf seiner Platte "Nie wieder" von 2004: "Was für'n Gefühl mich in der Juice zu sehen / Ich brauch' nur ein Blatt Papier um in der Juice zu stehen". In unzähligen weiteren Deutschrapsongs wird das Magazin erwähnt. Es wird so für immer als stilbildendes Medium in den Songs der Szene konserviert. Doch jetzt ist mit dem Heft Schluss.

Am 28. November erscheint nach 22 Jahren die letzte Printausgabe von Deutschlands ehemals wichtigstem Hip-Hop-Magazin. Zuletzt verkaufte es sich schlecht, am Kiosk gingen manchmal weniger als 5000 Exemplare über die Theke. Das hat auch damit zu tun, dass Rapfans längst andere Geschmacksinstanzen haben: Streamingdienste wie Soundcloud oder Spotify schlagen per Algorithmus die nächsten Lieblingssongs vor. Und über die soziale Netzwerke kann man seinen Lieblingskünstlerinnen und -künstlern einfach direkt folgen. Für seitenlange Reportagen, Interviews und Essays über Rapper aus der ganzen Welt, wie sie die Juice ihrer Leserschaft präsentierte, wollte zuletzt offenbar kaum noch jemand bezahlen. Dabei war gerade das immer die Stärke von Juice: gut geschriebene, solide recherchierte, mitunter sogar fast so etwas wie feinsinnige Texte, die Fakten von einem Schlussredakteur abgenommen. Das Magazin prägte Begriffe und Karrieren, sogar das Wort "Deutschrap" ist eine Schöpfung der Juice. Stars wie Cro, Haftbefehl oder Marteria wurden unterstützt, als sie noch kaum jemand kannte. Seine prägende Rolle will das Magazin aber nicht einfach aufgeben. Es soll laut einem Sprecher von Piranha Media online weitergehen. Genau wie bei den Musikmagazinen Spex und Groove desselben Verlags, deren Printausgaben ebenfalls eingestellt wurden.