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"Seinfeld" und "King of Queens"-Darsteller:Einer der "lustigen Jungs"

Jerry Stiller gestorben

Jerry Stiller in New York. In den Neunzigern wurde er vor allem durch die Rolle des Arthur Spooner in King of Queens bekannt.

(Foto: dpa)

Jerry Stiller spielte bis zuletzt aus der zweiten Reihe perfekte Pointen, seine Comedy-Karriere begann schon im New York der Fünfziger. Nun ist Stiller im Alter von 92 Jahren gestorben.

Die Chancen, ein berühmter Komiker zu werden, steigen statistisch gesehen enorm, wenn man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in New York geboren wurde - und genau 1,65 Meter groß ist. Zumindest erfüllen Woody Allen und Mel Brooks genau diese Kriterien, und auch der Schauspieler Jerry Stiller gehörte zum Club der kleinen New Yorker, die auf Comedy-Bühnen groß herauskamen.

Seiner Ansicht nach war sein Erfolg aber vor allem eine Spätwirkung der Großen Depression, die sich in den Dreißigerjahren als kollektives Trauma ins Gedächtnis der USA eingebrannt hatte: "Wenn die Leute lachen konnten, verschwanden ihre Sorgen. Das Publikum hat diese lustigen Jungs geliebt - also habe ich beschlossen, selbst einer zu werden."

Gemeinsam mit seiner Ehefrau gründete er das Comedy-Duo "Stiller & Meara"

Jerry Stiller kam 1927 in Brooklyn zur Welt, die Mutter war Hausfrau, der Vater Busfahrer. Ein Arbeitermilieu, physisch nur ein paar Blocks, ideologisch aber mehrere Universen von der intellektuellen Ostküsten-Bohème entfernt. Trotzdem ging Stiller auf die Universität und machte 1950 seinen Abschluss in Rhetorik und Drama. Was ihn aber noch mehr faszinierte als die Uni, waren die verrauchten New Yorker Nachkriegsclubs, wo auf kleinen Bühnen freie Theatertruppen und Comedians sich probierten - eine harte Schule, das Publikum war nicht zimperlich.

In einer Improvisationsgruppe lernte er seine spätere Ehefrau Anne Meara kennen, mit der er von 1954 bis zu ihrem Tod 2015 verheiratet war. Die Eheleute wussten, dass sie nicht nur privat ein gutes Team waren, sondern auch beruflich. Als "Stiller & Meara" stiegen sie Ende der Fünfziger in die Liga der Comedy-Topstars auf.

Der Stress von Hollywood, diese ganzen Karrieregeier in Los Angeles, das habe seinen Vater nie interessiert, erzählte ihr Sohn Ben Stiller vor ein paar Jahren bei einem Treffen. "Meine Eltern waren eigentlich immer recht bodenständig und wollten nicht ständig im Mittelpunkt stehen."

Stillers Pointen saßen bis zuletzt perfekt

In die Popkultur der Gegenwart schrieb Stiller sich aber als Solist ein, die Comedy-Serien Seinfeld und King of Queens machten ihn in den Neunzigerjahren weltberühmt, mit Nebenrollen, in denen er die Hauptrollen oft überstrahlte.

Auch mit seinem Sohn Ben hat er immer wieder gespielt, zum Beispiel in der herrlichen Komödie The Heartbreak Kid, die gerade in Corona-Extremzeiten große Freude bereitet. Zumal Stiller den Großstadtneurotiker deutlich dezenter spielt als manche Kollegen, weniger dauerzappelig, am liebsten aus der zweiten Reihe heraus - aber die Pointen saßen bis zuletzt immer perfekt.

Am Montag gab Ben Stiller auf Twitter bekannt, dass sein Vater Jerry Stiller mit 92 Jahren eines natürlichen Todes gestorben ist.

© SZ vom 12.05.2020/tmh

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