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Hörspiel "Jenseits von Eden":Her mit der Liebe

Hörspiel "Jenseits von Eden" des NDR

Gewalt, Rausch und Verzweiflung: "Jenseits von Eden" ist in einer neunstündigen Hörspiel-Inszenierung zu hören.

(Foto: Rumi Benecke/NDR)

Die große amerikanische Saga "Jenseits von Eden" von John Steinbeck ist jetzt als Hörspiel zu hören - in neun Stunden und mit einem vorzüglichen Ensemble.

Von Stefan Fischer

Cal zweifelt an sich selbst. Denn er spürt, dass er das Böse in sich trägt. Ererbt von der Mutter. Er wehrt sich dagegen, will Gutes tun. Etwa Geld verdienen, das der Vater verloren hat bei einem missratenen Geschäft. Sich damit zugleich die Liebe des Alten erkaufen, der seinen anderen Sohn, Aron, stets bevorzugt.

Aber Cal scheitert. Weil die Liebe des Vaters sich nicht erkaufen lässt, nicht einmal sein Respekt, und er das nicht erkennt. Gekränkt dadurch, dass ihm die Dankbarkeit versagt bleibt, begeht er den nächsten, noch weitaus gravierenderen Fehler. Cal versündigt sich an seiner Familie, die es deshalb bald darauf nicht mehr geben wird. Weil er seinem Bruder Aron enthüllt, wer ihrer beider Mutter ist. Cal kennt das Geheimnis seit einiger Zeit. Es Aron zu offenbaren, führt zu einer Kettenreaktion an Todesfällen.

Cal und Aron, das ist eine Kain-und-Abel-Geschichte. Die zweite in John Steinbecks Roman Jenseits von Eden. In die erste, harmloser verlaufende, ist beider Vater Adam verstrickt, der als Heranwachsender den Jähzorn seines Halbbruders zu spüren bekommt. Auch hier entspringt der Zwist dem Neid auf die väterliche Zuneigung. Und auch dieser Halbbruder glaubt, sich den Vater gewogen machen zu können durch ein kostspieliges Geschenk.

Das vorzügliche Sprecher-Ensemble gräbt sich tief ein in diese Geschichte

Steinbecks 1952 veröffentlichter Roman ist eine große amerikanische Saga, populär geworden nicht zuletzt durch Elia Kazans Verfilmung drei Jahre später mit James Dean in der Rolle des Cal. Der Film ist jedoch nur ein Kondensat des Stoffes und seiner erzählerischen Fülle.

Christiane Ohaus hat Jenseits von Eden nun für den NDR als Hörspiel adaptiert. In neun Stunden gräbt sie sich tief hinein in diese Geschichte, gemeinsam mit einem vorzüglichen Ensemble: Ulrich Noethen als Erzähler, dazu unter vielen anderen Sebastian Blomberg, Marina Galic, Matthias Bundschuh, Astrid Meyerfeldt und Felix von Manteuffel. Die Saga überspannt die knapp sechs Jahrzehnte vom Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, über drei Generationen hinweg.

Hörspiel "Jenseits von Eden" des NDR

Moralisch zweifelhaft: Geschäftemachen in Zeiten des Krieges.

(Foto: Rumi Benecke/NDR)

Zwei Familien stehen im Zentrum: die der Trasks, der Adam, Cal und Aron angehören, und die der Hamiltons. Am Beispiel der Trasks zeigt Steinbeck, welche Rolle Hierarchien, Macht, Beziehungen und Traditionen spielen. In den Hamiltons spiegeln sich typische Einwanderer- und Aufsteigerschicksale.

Jenseits von Eden ist nicht zuletzt eine Geschichte über das Patriarchat, weshalb in der Hörspielinszenierung die Figur der von Maja Schöne gespielten Cathy Ames besonders spannend gerät. Sie ist es, die mit allen Konventionen bricht, männliche Selbstsicherheit zerstört und eine Skrupellosigkeit und Empathielosigkeit an den Tag legt, mit der in dieser radikalen Konsequenz bestenfalls Cyrus, der Stammvater der Trasks, konkurrieren kann. Maja Schöne spielt Cathy als Femme fatale, schroff, hochmütig und zugleich verletzlich.

Selbst wenn Thomas Loibl mit vollem Mund spricht, hört man ihm gerne zu

Einen starken Auftritt hat auch Thomas Loibl als Adam Trask. Er spielt die Härte der Figur ebenso aus wie ihre Bedachtsamkeit. Die schwachen wie die triumphalen Momente im Leben dieses Mannes werden wunderbar eingängig durch Loibls Spiel, dem man sogar dann gerne zuhört, wenn Adam schmatzend eine Mahlzeit vertilgt und mit vollem Mund spricht.

Das Hörspiel leistet sich einen eigenen Soundtrack, der die Geschichte in musikalischen Schlaglichtern auf eigene Weise erzählt: Die Amerikanerin Stephanie Nilles hat elf Songs komponiert für diese Produktion, zumeist düstere Lieder, mit heiserer, zarter Stimme gesungen und von akustischen Instrumenten begleitet. Ein besonders schöner heißt: Monster.

Jenseits von Eden, als Podcast vom 1. April an in der NDR Hörspiel-Box, im linearen Radioprogramm bei NDR-Kultur, vom 7. April an acht Folgen immer mittwochs, 20 Uhr.

© SZ/ebri
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