"Hit & Run" bei Netflix:Grenzerfahrung

"Hit & Run" bei Netflix: Vielbeschäftigter Mann: Serie erfinden und dann auch noch die Hauptrolle spielen. Lior Raz als Segev.

Vielbeschäftigter Mann: Serie erfinden und dann auch noch die Hauptrolle spielen. Lior Raz als Segev.

(Foto: Jojo Whilden/Netflix)

Die "Fauda"-Macher stellen ein paar persönliche Fragen: Was "Hit & Run zu einer hochspannenden Rache-Thrillerserie macht.

Von Nicolas Freund

Man denkt erst, es gehe in "Hit & Run" um einen Autounfall (Hit) mit Fahrerflucht (Run). Aber das ist nur Ablenkung. Denn eigentlich geht es um das "&", das "und" - das die Serie und jede ihrer neun Folgen im Titel hat.

Denn die Hauptfigur Segev hat sein "&" verloren. Seine amerikanische Ehefrau Dani ist bei dem erwähnten Autounfall getötet worden, und schnell steht der Verdacht im Raum, dass dieser Unfall kein Zufall gewesen ist: Auch auf Segev werden professionelle Anschläge verübt, will sich jemand an dem ehemaligen Mitglied der Special Forces rächen? Haben diese Angriffe vielleicht etwas mit seiner Zeit als Ausbilder in Mexiko zu tun?

"Hit & Run" ist eine israelisch-amerikanische Koproduktion, die Serie spielt vor allem in New York und Tel Aviv, das Showrunner-Team besteht aus den Produzenten der Serien "Fauda" und "The Killing". Wie in "Fauda" hat der bullige Lior Raz die Serie nicht nur mit erfunden, sondern spielt auch gleich noch die Hauptrolle des beinharten Einzelkämpfers, der seine ermordete Frau rächen möchte. Anders als diese Rolle ist die internationale Serienproduktion aber kein Ein-Mann-Job, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat das gemischte Team auch gleich zum Motiv gemacht.

Spannend ist gerade das, was man nicht sieht

Denn Israel und die USA sind die Ländern mit stark frequentierten, aber auch am besten geschützten Grenzen der Welt. Zwischen Israel und den Palästinensergebieten, zwischen den USA und Mexiko hat sich längst eine Vielzahl wirtschaftlicher und kultureller Verbindungen entwickelt, gleichzeitig sind die Menschen auf beiden Seiten der jeweiligen Grenze einander fremd geblieben. Israel und Palästina, USA und Mexiko: Wofür steht dieses harmlose, trennende und verbindende "und"?

Schon der sehr gelungene Vorspann der Serie spielt motivisch mit den Grenzen zwischen Ländern, zwischen Wasser und Land, Stadt und Meer, mit Bildern von Straßen, Flüssen, U-Bahnlinien und Passfotos. Solche Grenzen sind überall, und wie soll man sicher sein, dass man wirklich weiß, was auf der anderen Seite los ist? Die Macher sagten über ihre Serie, es ginge ihnen um Vertrauen. Zwischen Ländern, aber auch zwischen einzelnen Menschen. Segev merkt schnell, dass er über seine Frau längst nicht so viel wusste, wie er dachte. Nur, wie kann das sein? Wie kann man mit jemandem verheiratet sein, sein Leben teilen, und ihm aber doch so fremd sein wie den Menschen auf der anderen Seite der Grenze?

Politische Fragen und die Themen Fremdheit und Vertrauen haben die Drehbuchautoren geschickt in den nur manchmal etwas zu aufgedrehten Thrillerplot eingeflochten. Immer wieder wird von oben, wie aus der Perspektive einer Drohne, oder aus den verschachtelten Winkeln einer Überwachungskamera gefilmt. Das ist der Blick von Sicherheitsbehörden auf die Menschen, ein Blick, der sie auch auf die eine oder die andere Seite einer Grenze einteilt. Aber das ist eine trügerische Perspektive, die ein Wissen suggeriert, das nicht vorhanden ist. Denn wann kann man schon sicher sein, eine andere Person wirklich zu kennen? Das muss auch Segev erst noch herausfinden. Und spannend ist gerade das, was man nicht sofort sieht.

Hit & Run, 9 Folgen, bei Netflix.

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