bedeckt München 17°

"Hart aber fair":Kein Rauch um nichts

Titel: Offener Kampf bei den Schwarzen, Harmonie bei den Grünen âÄ" Wie findet man die Besten fürs Kanzleramt?; hart aber fair, Sendung vom 20. April 2021

Moderator Frank Plasberg hat diesmal eine undankbare Rolle: Seine Sendung ist Platzhalterfernsehen, das ein bisschen Zeit überbrückt, bis in Berlin (bei der zugeschalteten Tina Hassel) die wirklich wichtigen Dinge entschieden werden.

(Foto: © WDR/Oliver Ziebe; WDR/Oliver Ziebe)

Während sich die Hauptstadtblase im Netz die Finger über die Union wund twittert, hat Frank Plasberg eine mäßig schillernde Runde eingeladen. Sein Versprechen: "Wir schalten sofort nach Berlin, falls Rauchzeichen auftauchen."

Von Kathrin Müller-Lancé

Es ist mit Sicherheit nicht der günstigste Zeitpunkt, in den diese "Hart aber fair"-Folge reingrätscht: Die Grünen haben schon am Vormittag geräuscharm ihre Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl ernannt, bei der Union zofft man sich noch immer darüber, wer es machen soll. Söder oder Laschet? Während sich die Hauptstadtblase im Netz die Finger wund twittert, hat Frank Plasberg eine mäßig schillernde Runde eingeladen, die für mäßig neue Erkenntnisse sorgt.

"Wir schalten sofort nach Berlin, falls Rauchzeichen auftauchen", sagt der Moderator gleich am Anfang- und macht damit relativ schnell klar, worauf seine Sendung an diesem Abend hinauslaufen wird: auf Platzhalterfernsehen, das ein bisschen Zeit überbrückt, bis in Berlin die wirklich wichtigen Dinge entschieden werden.

Die Überschrift ist entsprechend unkonkret gehalten: "Offener Kampf bei den Schwarzen, Harmonie bei den Grünen: Wie findet man die Besten fürs Kanzleramt?" Zuerst dürfen sich die Grünen, im Studio in Form von Anton Hofreiter verkörpert, über die Nominierung von Annalena Baerbock freuen. "Wie soll man sich über irgendwas zerstreiten, wenn es dafür überhaupt keinen Grund gibt?", fragt Hofreiter, und lächelt geradezu provokativ entspannt.

Damit die Runde nicht allzu harmonisch gerät, hat Plasberg zwei Einstecktuch-Träger eingeladen, die immer mal wieder sticheln: Ex-Bundestagsabgeordneter und Ex-Talkshowkönig Wolfgang Bosbach will von den Grünen wissen, "was uns der Künstler mit dem Programm sagen" will. Der Ex-Manager Martin Richenhagen erkennt in dem Wahlprogramm der Partei gar populistische Züge: "Da steht alles drin, was alle wollen. Es wird aber nicht erwähnt, wie es bezahlt wird."

Es folgt eine Steuerdiskussion, bei der auch der ansonsten überraschend ruhige SPD-Mann Kevin Kühnert auftaut. Als man sich gerade auf den Faktencheck am nächsten Tag zu freuen beginnt, ist es schon wieder vorbei mit den Inhalten. Plasberg drückt auf seinem Pult rum und zeigt, weil es so schön ist, gleich zwei Mal das mittlerweile ikonografische Söder-umarmt-Baum-Bild.

Zeit für das Problemkind des Abends, die CDU. Zeit für Söder-Gossip mit der Spiegel-Journalistin Anna Clauß. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren, dass der Landesvater selten in den Urlaub fährt, privat gerne mal Blockbuster schaut und nicht so gern Zeit an Stammtischen verbringt. Vielleicht hat sich Plasberg kurz vorher noch vom großen Pro-Sieben-Interview mit Annalena Baerbock inspirieren lassen ("Frau Baerbock, geht Ihnen der Arsch auf Grundeis?"), in jedem Fall wildert er fragetechnisch in ähnlich banalen Sphären. "Hat der Mann eigentlich Humor? Hat er Hobbys?" will der Moderator von der Söder-Flüsterin wissen.

Die einzige wirkliche Neuigkeit kommt kurz vor Ende, als Plasberg sagt, dass Tina Hassel ihm mitgeteilt habe, dass es am Abend noch zu einer Geheimabstimmung des CDU-Bundesvorstands komme. Aber gut, irgendwie muss man sich ja die Wartezeit auch vertreiben.

Kathrin Müller-Lancé würde gern von sich behaupten, nur in der Arte-Mediathek unterwegs zu sein. Aber dann schaut sie doch zu gern bei RTL exklusiv nach, was die Promis so machen.

© SZ/aner
Zur SZ-Startseite

SZ PlusAntwort auf die K-Frage
:Ins Ziel gerettet - vorerst

Egal wie die Entscheidung der CDU ausfalle, er werde sie akzeptieren, beteuerte Söder. Er setzte auf einen Stimmungsumschwung im CDU-Vorstand - doch der spricht sich um halb eins in der Nacht für Laschet aus.

Von Roman Deininger, Boris Herrmann, Johann Osel und Robert Roßmann

Lesen Sie mehr zum Thema