Harald Schmidt und Sat1 Transfer des Meisters

Harald Schmidt will nochmal richtig mitmischen. Nun geht er zum Privatsender Sat1 - und hat dort eine ideale Bühne.

Von Christopher Keil

Es gab vieles, worüber sich Harald Schmidt in den vergangenen Monaten auf seine Weise amüsiert hätte. Es gab auch vieles, über das er sich amüsiert hat, zuletzt Anfang Mai. Damals schickte er Katrin Bauerfeind als Lena ins Studio, "dieser Backfisch, dieser steile Zahn", schmachtete Schmidt, "umarmt vom jüngsten Sender der Welt".

Einer kommt, einer geht, einer ist schon da: Hrald Schmidt (links), Günther Jauch (rechts) und Oliver Pocher.

(Foto: ddp)

Die Tanzeinlage, Wochen vor dem Sieg Lenas beim Eurovision Song Contest in Oslo, ist der einzige gelungene Versuch gewesen, den ungebremsten Irrsinn um den singenden Teenager aus Hannover zu parodieren. Schmidt war also da, obwohl er gefühlt in einer Sommerherbstwinterpause verschwunden ist. Selbst in Arbeitsphasen fand er als Darsteller komischer Wahrheiten kaum noch statt, und er ist darin nicht einmal ersetzt worden. Für seine unbestimmte Abwesenheit sorgte strukturell vor allem die ARD, die seine Auftritte an späten Donnerstagabenden besonders in der zurückliegenden Staffel immer auf unterschiedliche Anfangszeiten setzte. Wenn man es auszählt, steht ein absurdes Ergebnis unterm Strich. Von 24 Sendungen starteten wohl keine fünf pünktlich.

Dass Schmidt im Ersten, dem Konsens-TV der älteren Deutschen, nicht zur Geltung gekommen ist, haben die Intendanten nun schriftlich. Von Herbst 2011 an bis Sommer 2013 hat sich Schmidt Sat1 verpflichtet. Es ist für ihn die Rückkehr an den Ort seines Aufstieges. Von 1995 bis 2003 etablierte er die Late Night Show als Sendungsform. Er grenzte sich in den Disziplinen Stand Up Comedy, Humor und gespielter oder inszenierter Witz so sehr von allen anderen ab, dass er bis heute nicht eingeholt wurde.

Für die jüngeren Menschen gibt es Stefan Raab, der so viele kreative Spuren im Programm von Pro Sieben hinterlässt wie ganz wenige, ja, Künstler im Privatfernsehen. Es gibt auch Oliver Pocher, 32, den rotzigen Pubertisten, der sich allerdings nur noch in der Grenzüberschreitung wahrnehmen kann. Demnächst versucht es Bejamin von Stuckrad-Barre, 35, wieder, bei ZDF Neo, produziert von Christian Ulmen. Das könnte lustig werden, aber wie lustig? Im kleinen ZDF soll für das große ZDF geübt und entwickelt werden. Immerhin ist eine Late Night Show dabei.

An das universelle Bildungsniveau von Schmidt, an seinen Instinkt für die andere, die richtige Pointe, an seine schnellen Assoziationen bei so ziemlich sämtlichen Themen, die in einer demokratischen, bürgerlichen Gesellschaft verhandelt werden, reicht niemand.

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