Hannelore Elsner im Gespräch "Ich möchte schon cool sein"

Gespräch mit Hannelore Elsner über das Glücklichsein, über Ausschnittdienste, Kritik und über ihr Mitgefühl mit den Figuren, die sie spielt.

Interview: Tanja Rest

Hannelore Elsner trägt Jeans, Wollpulli und die Haare ausgesprochen wild. Gemessen daran, dass sie gerade wieder dreht, die Tränen die ganze Zeit "hier oben" haben muss und noch dazu mit einer Erkältung kämpft, ist sie ausgelassener Stimmung. Feine Koketterien, explosives Lachen. Aber vielleicht ist das auch nur ein Spiel - wie in dem ZDF-Film Lüg weiter, Liebling (am 3. Mai um 20.15 Uhr), eine federleichte romantische Komödie, die sie zum ersten Mal mit Götz George zusammenführt.

Zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera: Götz George und Hannelore Elsner.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Frau Elsner, warum hat das so lange gedauert mit Ihnen und Götz George?

Hannelore Elsner: Ja, stellen Sie sich vor, wir kannten uns gar nicht. Ich kannte natürlich alles, was er gemacht hat, und wir haben auf irgendwelchen Events mal "Hallo" gesagt. Und dann war es sehr schön. Ganz vertraut, das war das Überraschende.

SZ: Sie spielen eine Frau, die von Götz George aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen wird.

Elsner: Man hätte die Martha auch ganz trutschig spielen können. Das kann man sich jetzt vielleicht nicht vorstellen, aber hätte man. Da sitzt so eine Prinzessin in ihrem Eispalast, in diesem schrecklichen Erbe am See, von ihrem schrecklichen Papa-Mann, der sie immer klein gehalten hat. Und das fand ich interessant: Wie diese erstarrte und gelangweilte Märchenfigur plötzlich erwachsen wird. Da läutet so ein Hallodri an der Tür und erzählt ihr Geschichten. Auf einmal wird ihr warm ums Herz, und sie fängt an, mit ihm zu spielen.

SZ: Er gibt sich als einer aus, der er nicht ist, sie weiß es, sagt aber nichts. Das funktioniert im Film prächtig. Tatsächlich aber ist Partnerschaft oft das Ende der Spielerei, oder?

Elsner: Das wäre die große Kunst, wenn man in der Partnerschaft so spielen könnte. In verschiedene Rollen schlüpfen wie Kinder - bei denen ist alles wahr. Schon bevor es Herr Precht (der Autor Richard David Precht) gesagt hat, wusste ich: Ich bin viele. Und in einer Partnerschaft, wenn man einander wirklich vertraut, ein paar Träume miteinander zu spielen, Konstellationen auszuprobieren, das wäre die Rettung.

SZ: Im Film reden alle ständig über das Glücklichsein, aber nur wenige sind es. Wann waren Sie zuletzt glücklich?

Elsner: Das ist so ein furchtbar großes Wort, dieses Glücklichsein. Wenn etwas im Flow ist, dann bin ich glücklich. Ich bin auch glücklich, wenn ich nachts um drei mit meinem Regisseur Hans Steinbichler bei Wuppertal auf der Autobahn stehe, es ist schweinekalt, wir spielen eine Szene, und die wird gut. Oder wenn man den Flieger noch erwischt. Oder nicht vom Auto überfahren wird.

SZ: Klingt anspruchslos.

Elsner: Glück ist anspruchslos.