bedeckt München 21°

Großbritannien: Andy Coulson geht:Schmerzlicher Verlust

Andy Coulson behauptet bis heute, von Clive Goodmans Aktivitäten nicht das Geringste gewusst zu haben. Der damalige konservative Oppositionsführer David Cameron hielt diese Unschuldsbeteuerung anscheinend für überzeugend genug, Coulson bereits 2007 zum Chef seines Medienteams zu machen. Sein Boulevard-Instinkt machte Coulson zu einem der wichtigsten Berater Camerons, der ihn auch als Chef der Regierungskoalition bei bedeutenden politischen Fragen zu Rate zog.

Die Abhör-Affäre flammte 2009 wieder auf, als der Guardian meldete, News of the World habe Prominenten, deren Leitungen angezapft worden waren, Geld gezahlt, damit diese von Anzeigen gegen das Blatt absahen. Auch Scotland Yard nahm die Untersuchung wieder auf. Sie ergab, dass nicht nur Royals, sondern auch Politiker, Sportler und Schauspieler abgehört worden waren. Die New York Times zitierte im September 2010 einen ehemaligen News-of-The-World-Mitarbeiter mit der Aussage, Coulson habe als Chefredakteur das Anzapfen von Telefonen "aktiv unterstützt". Vergangenen Dezember wurde der stellvertretende Chefredakteur der News of the World, Ian Edmondson, bis auf weiteres beurlaubt, nachdem die Schauspielerin Sienna Miller eine Klage wegen Telefonspionage im Jahr 2006 angekündigt hatte.

Andy Coulson bleibt bis heute dabei, es sei eine nicht zu beweisende Unterstellung, unter seiner Ägide hätten illegale Abhöraktivitäten zum Handwerkszeug der Zeitung gehört. In seiner Rücktrittsbegründung wiederholte er diese Aussage nun: "Ich stehe zu dem, was ich über diese Vorgänge gesagt habe. Aber wenn der Pressesprecher einen Pressesprecher braucht, wird es Zeit, weiterzuziehen."

Für den Premierminister ist der Rücktritt ein schmerzlicher Verlust. Coulson galt als einer der wenigen, die Camerons Meinung bei Kabinettssitzungen beeinflussen und ihn bei strittigen Themen umstimmen konnten. Die Tories verlieren in Coulson ihren gewieftesten Spin Doctor - und mit einem Jahresgehalt von umgerechnet 165 000 Euro wohl auch ihren bestbezahlten.