bedeckt München

Australien:Google demonstriert seine Macht

Melanie Silva Sydney Portrait Shoot

Mel Silva, die Google-Chefin von Australien und Neuseeland, sagt, der Gesetzesplan "zerstört" die Geschäftsgrundlage jeder Suchmaschine.

(Foto: Fairfax Media via Getty Images)

Australiens Regierung will Internet-Riesen dazu zwingen, ihre Werbeeinnahmen mit örtlichen Medien zu teilen. Der Suchmaschinen-Konzern reagiert mit bedrohlichen "Experimenten".

Von Jan Bielicki

Einige australische Leser staunten sehr, als sie in den vergangenen Tagen per Google nach Artikeln der Australian Financial Review suchten. Statt des gewünschten Lesestoffs brachte ihnen die Googelei entweder kein Ergebnis, alte Links oder Geschichten anderer Medien. Das war kein Zufall, wie Journalisten des Wirtschaftsblattes erfuhren, als sie den Beschwerden nachgingen.

"Wir führen gerade ein paar Experimente durch", erklärte ihnen ein Sprecher des australischen Ablegers des Internet-Riesen. Sie beträfen nur ein Prozent der australischen Nutzer der Suchmaschine und sollten "den Einfluss von Nachrichtenunternehmen und Google Search aufeinander" messen. Bis Anfang Februar würden die "Experimente" weitergehen.

Australiens Medienbranche nahm die Ankündigung als das auf, was sie war: eine Drohung. Denn auch Leser anderer Nachrichten-Webseiten wie des Sydney Morning Herald und der australischen Ausgabe des Guardian meldeten ähnliche Merkwürdigkeiten beim Googeln nach Artikeln. Und Googles "Experimente" fallen ausgerechnet in eine Zeit, in der Australiens Regierung versucht, die Marktmacht des Multis zugunsten der örtlichen Medien zu beschneiden.

In den nächsten Monaten soll das Parlament in Canberra ein weltweit bisher einmaliges Gesetz verabschieden. Es sieht vor, dass Google und Facebook für die Nutzung von Medieninhalten zahlen sollen. Über die Höhe der Zahlung soll im Streitfall ein staatlich benanntes Schiedsgericht entscheiden. Die Regelung folgt einer Empfehlung der Kartellbehörde ACCC. Diese hatte festgestellt, dass von jeden 100 Dollar, die im Land für Online-Werbung ausgegeben werden, 53 Dollar an Google fließen und 28 an Facebook.

Beide Konzerne wehren sich vehement gegen die geplanten Regeln. Wer in Australien googelt, wird sofort auf einen offenen Brief gestoßen, in dem die lokale Google-Chefin Mel Silva - "im Interesse aller Australier" - beklagt, dass der Gesetzesplan die Geschäftsgrundlage jeder Suchmaschine "zerstört". Wenn Google "zum ersten Mal in seiner Geschichte" für Links zu Medien bezahlen müsse, "was verhindert, dass auch Links anderswo ein Preisschild bekommen?"

Ein Sprecher des Medienkonzerns Nine, der auch die Zeitungen Australian Financial Review, Sydney Morning Herald und The Age herausgibt, nannte Googles "Experimente" dagegen "eine erschreckende Illustration seiner Marktmacht". Auf Google und andere Internet-Multis kommt in Australien aber noch weiteres Ungemach zu. Das geplante Gesetz könnte nur ein erster Schritt sein, sagte ACCC-Chef Rod Sims der Nachrichtenagentur Reuters. Schon demnächst will seine Kartellbehörde zwei weitere Untersuchungen veröffentlichen, die die Marktmacht der Konzerne in der Technik der Netzwerbung und beim Zugang zu ihren App-Stores ausleuchten.

© SZ/hy
Zur SZ-Startseite
Maskenpflicht in den Fussgaengerzonen und oeffentlichen Plaetzen in Muenchen am 16.11.2020. Junge Frau mit Alltagsmaske

SZ PlusMeinungInfektionsschutz
:Die Corona-App muss mehr Daten sammeln

Für eine effektive Seuchenbekämpfung muss man den Datenschutz aussetzen. Die Anwendung darf nicht länger ein informationsarmes Gimmick auf dem Smartphone sein - sonst nützt sie zu wenig.

Kommentar von Andrian Kreye

Lesen Sie mehr zum Thema