"Generation Weichei" auf 3sat Wo die Helikopter kreisen

Szenenbild aus der 3sat-Doku Generation Weichei.

Fördern und Behüten von der Wiege bis zum Altar: Erziehung wird heute so energisch betrieben, dass Eltern mit Hubschraubern verglichen werden. 3sat widmet dem Phänomen eine Dokumentation, die sich leider mehr empört als erklärt.

Von Lena Jakat

"Manche Hubschrauber-Eltern werden zu Kampfhubschrauber-Eltern", sagt die Frau im Hosenanzug. Und niemand im Saal lacht. Schließlich sind viele der anwesenden Eltern von ihnen die Hubschrauber aus dem Scherz. Mütter und Väter, die - wohlhabender, älter und etablierter denn je - von Geburt ihres kleinen Augensterns an über selbigem kreisen. Oft 20, 25 Jahre lang. Die ihre Trophy Kids für die Welt, für sich selbst und natürlich um der Kinder selbst willen zu optimieren suchen. Und das auf allen Ebenen: emotional, intellektuell, kompetitiv. 3sat widmet dem Thema der rotierenden Erziehungsberechtigten an diesem Donnerstag einen Themenabend. Zunächst wird die Dokumentation Generation Weichei gezeigt, im Anschluss über das Phänomen diskutiert.

Die 43-minütige Reportage zeichnet das Bild einer überbehüteten Generation anhand drastischer Beispiele. Da ist die einjährige Abigail, die schon im Mutterleib mit Klopfgeräuschen aus einer Plastikdose stimuliert wurde und ihren ersten Geburtstag mit einer 4000-Dollar-Prinzessinnenparty begeht. Da ist Leylie Esfahani, die soeben einen Elite-Kindergarten in Vancouver "abgeschlossen" hat und bis zur Aufnahme an einer Elite-Grundschule ein straffes Programm zwischen Französisch- und Ballettunterricht zu absolvieren hat. Da ist der Student David MacLeod, dem seine Mutter noch ein extra Betttuch über die Matratze in Studentenwohnheimzimmer spannt. Damit sich der Junge nichts holt.

Generation der idealistischen "digital natives"

Die in dem Film als "Generation Weichei", anderswo als "Generation Y" oder Generation der Millennials bezeichnete Alterskohorte wurde zwischen den frühen 1980ern und den ersten Nullerjahren geboren. Sie wuchs in einer Welt auf, die nicht mehr in Blöcke unterteilt war und in der alles möglich schien. Ihre Vertreter sind die ersten digital natives, die mit den Kommunikations- und Informationstechnologien aufwuchsen, die die Welt verändert haben. Forscher attestieren der "Gen Y" eine Besinnung weg von Prestige und Materialismus hin zu Sinnsuche und Selbstverwirklichung. Was eine Neudefinition von Arbeit zur Folge hat, die von vertiefter Identifikation mit dem Beruf bis hin zu egozentrischer Verweigerungshaltung reichen kann. Die Millennials, die in den USA eine der zahlenmäßig stärksten, in Deutschland dagegen eine der kleinsten Generationen sind, sind optimistisch und selbstbewusst - was sie wiederum ihren Helikopter-Eltern zu verdanken haben.

Fast genüsslich zeigen Sharon Bartlett und Marie LeRose in ihrer 3sat-Doku das Extreme dieser Über-Eltern auf, die - wie Fachbuchautor Carl Honoré in die Kamera sagt - sich durch den Dreiklang "übervorsichtig, überengagiert, überbehütend" auszeichnen. Die Folgen dieses Strebens nach Superlativen sind bedenklich bis gefährlich: Kindergartenkinder in goldenen Abschlussroben und Doktorhüten. Ein Experiment mit Ratten, die weniger Synapsen ausbilden, wenn ihnen das freie Spiel verwehrt wird. Eine ganze Industrie, die High-Tech zur Rundum-Überwachung des Nachwuchses (Spyware, SIM-Karten-Leser, GPS-Tracker) entwickelt. "Das Handy als verlängerte Nabelschnur", wie es der Sprecher formuliert.