"Game of Thrones"-Recap:Daenerys versucht es mit billigen Tricks

Lesezeit: 5 min

Was der Episodentitel bedeutet:

Arya war ja eine ganze Zeit lang "Niemand", oder versuchte zumindest, "niemand" zu sein. Ein Plan, den sie nach zwei Staffeln endlich aufgegeben hat. Also Scheinwerferlicht auf die anderen Niemande der Serie, die mal mehr, mal weniger erfolgreichen Randfiguren, deren Taten abseits der großen Häuser den Thronkrieg beeinflussen könnten. Der Hound zum Beispiel, der schon wieder so jäh mit Nettigkeit gebremst wurde. Die Mereen-Statthalter Tyrion, Greyworm und Missandei, die im Grunde gar nichts gemacht haben, außer auf den wirklich spektakulär pünktlichen Auftritt der vermissten Königin zu warten. Und der bereits wieder tragisch verstorbene Blackfish, dessen dreiepisodiges Gastspiel offenbar absolut gar keinen bleibenden Eindruck in Westeros hinterlassen wird. "Niemand" hat in dieser Episode irgendetwas geschafft, was Bestand haben wird.

So wird man sich an diese Episode erinnern:

Als die Episode zwischen sieben und neun. Tyrion, Missandei und Grey Worm erklären sich gegenseitig Witze. Bronn und Podrick spekulieren über romantische Gefühle zwischen Brienne und Jaime. Und ... Nein, nichts und. Das waren schon die beiden interessantesten Szenen.

Bester Auftritt:

Daenerys versucht wirklich Woche für Woche, in dieser Kategorie zu punkten. Dieses Mal mit einer wirklich beeindruckenden Demonstration der Pünktlichkeit ihres Drachen-Taxis. Kaum beschießt eine feindliche Flotte ihre Stadt, stürmt sie nach wochenlangem Erholungsurlaub auf dem Ponyhof in den Palast. Ob sie da mal nicht geschummelt und ein paar Tage vor der Tür gewartet hat, bis der Effekt ihres Wiederauftritts am größten ist? Das ist sogar uns zu billig. Der Titel für den besten Auftritt geht stattdessen dieses Mal unangefochten an die beherzten Axthiebe vom Hound, selbst wenn es davon nur enttäuschend wenig gab.

Wir mochten Tyrion lieber, als er noch ...

... mehr war als nur eine stichwortgebende Randfigur. Was ist aus dem talentierten Diplomaten mit der guten Seele geworden? Der, dessen beruflich bedingter Zynismus so wunderbar mit seinem charakterlich bedingten Hedonismus zusammenprallte und sich in ganzen Büchern voll bissiger Kommentare entlud? Zu Beginn der aktuellen Staffel durfte sich der ewig glücklose Zwerg einen eigenen Drachen wünschen, "einen kleinen, wie ich selbst". Und jetzt? Muss er sich doch wieder von der angeberischen Drachenmama Daenerys die Show stehlen lassen.

Wen wir vermisst haben:

Königin Margaery. Sie wäre die derzeit Einzige, die nicht ständig dumme Entscheidungen aneinanderreiht. Der High Sparrow scheint ja tatsächlich nicht zu ahnen, dass sie ihre Wandlung zur devoten Gläubigen nur gespielt hat. Und selbst wenn doch: Sie stellt sich immerhin geschickt genug an, dass all die versammelten Stümper von ihr jede Menge lernen könnten.

Wie es weitergeht:

Mit der neunten Episode, die ja traditionell einen Höhepunkt der jeweiligen Staffel beinhaltet: Die Hinrichtung von Ned Stark, die Bluthochzeit, die Schlachten um King's Landing, den Wall im Norden und das Wildling-Dorf Hardhome. Und dieses Mal "die Schlacht der Bastarde": Jon Snow gegen Ramsay Bolton. Nach sechs Staffeln voller Niederlagen hätten die Starks wirklich mal einen Sieg verdient. Aber selbst wenn die Familien-Pechsträhne endlich ein Ende hat: Irgendwelche liebgewonnenen Figuren stehen garantiert auf der Abschussliste der Serienautoren. Die wahrscheinlichsten Kandidaten abgesehen von Ramsay-Geisel Rickon Stark: Davos Seaworth, der liebenswerte Grundschullehrer. Tormund Giantbane, der Wildling mit einer Vorliebe für Bären und Brienne. Und Sansa Stark selbst, die nach fünf Staffeln voller dummer Ideen in Staffel sechs endlich erwachsen geworden ist. Ein Todesurteil?

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