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"Game of Thrones"-Recap:Neue Episode "Game of Thrones": Cersei verdirbt allen den Spaß

Lesezeit: 5 min

Die Königsmutter versagt beim Pokerspiel. Daenerys versucht es mit billigen Tricks. Und Arya macht das Licht aus.

Von Matthias Huber

Die sechste Staffel Game of Thrones läuft seit 24. April immer in der Nacht von Sonntag auf Montag auf Sky. Auf SZ.de besprechen wir die einzelnen Folgen jeden Montag für Fans nach. Aber Achtung: Spoilergefahr!

Episode 8: Niemand

Was wir erwartet haben:

Arya ist bestimmt gar nicht so dumm, wie es vergangene Woche den Anschein hatte und hat ihrer Verfolgerin nur eine Falle gestellt. Brienne gelingt es bestimmt, Jaime endlich aus seiner grenzverrückten Cersei-Hörigkeit zu befreien. Der Hound rächt sich bestimmt ordentlich an der bannerlosen Bruderschaft und findet vielleicht sogar heraus, dass es da noch eine bislang ungezeigte Strippenzieherin im Hintergrund gibt. Und in King's Landing rüstet sich bestimmt alles für das Gerichtsurteil per tödlichem Zweikampf zwischen dem Mountain und dem Hound.

Was passiert ist:

Absolut gar nichts davon. Oder fast: Der Hound darf immerhin ein paar Mal seine Axt gegen die Missetäter der vergangenen Woche schwingen, anschließend noch ein paar Holzklötze wegtreten, die er eine Episode zuvor noch gutgelaunt gespalten hätte. Und er darf bei alledem so richtig wütend sein und bärbeißige Sprüche klopfen. Schade nur, dass die bannerlose Bruderschaft viel zu nett und einsichtig ist, um seinem erfrischenden Rachefeldzug freien Lauf zu lassen. Stattdessen gibt es eine existenzialistische Debatte am Lagerfeuer: "Du bist eben ein Kämpfer, Clegane." Finden wir auch. Kann er ja in King's Landing beweisen und damit Cerseis überfälliges Schicksal besiegeln, oder?

Nein, sieht leider nicht so aus. Cersei hat nämlich aus irgendeinem Grund ihre unerschütterliche Überheblichkeit immer noch nicht abgelegt und ruiniert damit wieder einmal allen die Party. Sogar den Serienzuschauern, die sich auf die sogenannte "Cleganebowl", den Zweikampf zwischen Hound und Mountain, gefreut haben. Denn als schlechteste Pokerspielerin von ganz Westeros zeigt sie viel zu früh ihre Hand (den Superzombie namens Mountain). Was passiert? Der Lumpenpapst High Sparrow überzeugt König Tommen davon, dass ein Gerichtsurteil per tödlichem Zweikampf wirklich sowas von Staffel vier ist. Also wird das einfach verboten und Cersei soll ganz normal vor Gericht müssen. Die Aussichten auf Erfolg? Eher dünn. Immerhin haben die Königsmutter und ihr Hexenmeister offenbar noch einen Notfallplan. Vielleicht ist sie dieses Mal so schlau, nicht schon vorher der ganzen Stadt davon zu erzählen.

Andererseits: Es kann auch sein, dass sie damit endlich so sehr über die Stränge schlägt, dass sogar ihr höriger Bruder/Lover Jaime kapiert, wem er da verfallen ist. Wird allerhöchste Zeit. Sein Ausflug nach Riverrun entpuppte sich nämlich als äußerst fruchtlos, zumindest für den Stark-sympathisierenden Zuschauer: Die romantischen Wiedersehen zwischen Brienne und Jaime sowie zwischen Bronn und Pod entschädigen kaum dafür, dass der eifrige Burgbesetzer Brynden "Blackfish" Tully sein Ende an den Schwertern ein paar namenloser Soldaten findet, und die Serienmacher nicht einmal den Anstand haben, seinen letzten Kampf zu zeigen. Wollen wir hoffen, dass sein Neffe, der unfreiwillige Bluthochzeit-Bräutigam und notorische Weichkeks Edmure, mittelfristig wenigstens irgendetwas mit dieser zweitdümmsten Entscheidung der aktuellen Staffel bewirken kann.

Also, dass er ein besseres Bild abgibt als das Mädchen ohne Namen, das jetzt auch ganz offiziell wieder Arya Stark heißt. Denn bei ihr war wirklich jedes Hoffen vergeblich, dass ihr ultradoofes Auftreten vergangene Woche in Wahrheit eine clevere Falle oder raffinierte Gesichtsmasken-Trickserei war. Nö, nix. Sie war einfach nur dumm, hat sich dafür in den Bauch stechen lassen, und hatte schließlich nur Glück, dass sie ein paar Monate blind war und deshalb im Dunkeln offenbar besser kämpfen kann als ihre Gegnerin. Dem verhinderten Jesus-Darsteller Jaqen entlockt das immerhin ein resigniertes Lächeln. Fazit: Nach zwei wie im Flug vergangenen Staffeln Meuchelmörder-Ausbildung darf Arya heim nach Westeros und dort mit eigenen Augen sehen, dass von ihrer Rache-Liste sowieso kaum jemand noch übrig ist.

Daenerys versucht es mit billigen Tricks

Was der Episodentitel bedeutet:

Arya war ja eine ganze Zeit lang "Niemand", oder versuchte zumindest, "niemand" zu sein. Ein Plan, den sie nach zwei Staffeln endlich aufgegeben hat. Also Scheinwerferlicht auf die anderen Niemande der Serie, die mal mehr, mal weniger erfolgreichen Randfiguren, deren Taten abseits der großen Häuser den Thronkrieg beeinflussen könnten. Der Hound zum Beispiel, der schon wieder so jäh mit Nettigkeit gebremst wurde. Die Mereen-Statthalter Tyrion, Greyworm und Missandei, die im Grunde gar nichts gemacht haben, außer auf den wirklich spektakulär pünktlichen Auftritt der vermissten Königin zu warten. Und der bereits wieder tragisch verstorbene Blackfish, dessen dreiepisodiges Gastspiel offenbar absolut gar keinen bleibenden Eindruck in Westeros hinterlassen wird. "Niemand" hat in dieser Episode irgendetwas geschafft, was Bestand haben wird.

So wird man sich an diese Episode erinnern:

Als die Episode zwischen sieben und neun. Tyrion, Missandei und Grey Worm erklären sich gegenseitig Witze. Bronn und Podrick spekulieren über romantische Gefühle zwischen Brienne und Jaime. Und ... Nein, nichts und. Das waren schon die beiden interessantesten Szenen.

Bester Auftritt:

Daenerys versucht wirklich Woche für Woche, in dieser Kategorie zu punkten. Dieses Mal mit einer wirklich beeindruckenden Demonstration der Pünktlichkeit ihres Drachen-Taxis. Kaum beschießt eine feindliche Flotte ihre Stadt, stürmt sie nach wochenlangem Erholungsurlaub auf dem Ponyhof in den Palast. Ob sie da mal nicht geschummelt und ein paar Tage vor der Tür gewartet hat, bis der Effekt ihres Wiederauftritts am größten ist? Das ist sogar uns zu billig. Der Titel für den besten Auftritt geht stattdessen dieses Mal unangefochten an die beherzten Axthiebe vom Hound, selbst wenn es davon nur enttäuschend wenig gab.

Wir mochten Tyrion lieber, als er noch ...

... mehr war als nur eine stichwortgebende Randfigur. Was ist aus dem talentierten Diplomaten mit der guten Seele geworden? Der, dessen beruflich bedingter Zynismus so wunderbar mit seinem charakterlich bedingten Hedonismus zusammenprallte und sich in ganzen Büchern voll bissiger Kommentare entlud? Zu Beginn der aktuellen Staffel durfte sich der ewig glücklose Zwerg einen eigenen Drachen wünschen, "einen kleinen, wie ich selbst". Und jetzt? Muss er sich doch wieder von der angeberischen Drachenmama Daenerys die Show stehlen lassen.

Wen wir vermisst haben:

Königin Margaery. Sie wäre die derzeit Einzige, die nicht ständig dumme Entscheidungen aneinanderreiht. Der High Sparrow scheint ja tatsächlich nicht zu ahnen, dass sie ihre Wandlung zur devoten Gläubigen nur gespielt hat. Und selbst wenn doch: Sie stellt sich immerhin geschickt genug an, dass all die versammelten Stümper von ihr jede Menge lernen könnten.

Wie es weitergeht:

Mit der neunten Episode, die ja traditionell einen Höhepunkt der jeweiligen Staffel beinhaltet: Die Hinrichtung von Ned Stark, die Bluthochzeit, die Schlachten um King's Landing, den Wall im Norden und das Wildling-Dorf Hardhome. Und dieses Mal "die Schlacht der Bastarde": Jon Snow gegen Ramsay Bolton. Nach sechs Staffeln voller Niederlagen hätten die Starks wirklich mal einen Sieg verdient. Aber selbst wenn die Familien-Pechsträhne endlich ein Ende hat: Irgendwelche liebgewonnenen Figuren stehen garantiert auf der Abschussliste der Serienautoren. Die wahrscheinlichsten Kandidaten abgesehen von Ramsay-Geisel Rickon Stark: Davos Seaworth, der liebenswerte Grundschullehrer. Tormund Giantbane, der Wildling mit einer Vorliebe für Bären und Brienne. Und Sansa Stark selbst, die nach fünf Staffeln voller dummer Ideen in Staffel sechs endlich erwachsen geworden ist. Ein Todesurteil?

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