Van Almsick bei der "Sportschau" Show oder Schau, das ist hier die Frage

Eine Personalie bewegt die ARD und die Sportwelt gleichermaßen: Franziska van Almsick soll Moderatorin in der "Sportschau" werden. Jetzt wird gestritten: Kann die das? Wie kam es dazu? Hatte "Franzi" bei der Bewerbung einen Promi-Bonus? Und das ist fies: Man will sie nur mit Teleprompter ins Studio lassen.

Von Christopher Keil

Wenn es um die Darstellung ihrer Programme geht, mögen es die ARD-Manager prominent. Je bekannter ein Kandidat ist, je öfter er bei Bild und Bunte einsitzt, desto größer sind seine Chancen, engagiert zu werden.

Buntes Handwerk: Franziska van Almsick im TV-Einsatz bei der Schwimm-WM 2011 in Shanghai. 

(Foto: dpa)

Eine falsche Behauptung? Franziska van Almsick ist gerade ein gutes Beispiel. Sie war eine herausragende deutsche Schwimmerin, erfolgreich bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Sie ist mit Showtalent gesegnet. Und sie ist klug und ehrgeizig genug, es auch einzusetzen, ob nun für eine gute Sache, für sich oder möglicherweise die ARD.

Fürs Erste tritt sie schon lange als Expertin auf, zunächst am Beckenrand, weil sie sich dort besser als die meisten auskennt und eine gute Art hat, das Komplizierte einfach auszudrücken. Sie wurde auch schon bei Fußballspielen, der Formel 1 oder bei Olympia eingesetzt. Sport-Koordinator Axel Balkausky soll die Idee gehabt haben, sie als Teilnehmerin eines Castings zu melden, in dem neue Moderatoren der Sonntags-Sportschau gesucht wurden.

Die Bänder der Proben kennen wenige. Van Almsick, das wurde bisher nicht dementiert, soll damals, Ende März, schlecht abgeschnitten haben. Ausgewählt wurden René Kindermann und Alexander Bommes, die seit ein paar Wochen sonntags im Einsatz sind. Haben sie sich profiliert? Nein, was auch schwer ist, wenn eine Sendung im Wechsel von drei, vier Männern und einer Frau präsentiert wird.

Man kann sich gerade deshalb als für den Sport verantwortlicher Fernsehmanager entscheiden, auf Popularität, auf Individualität statt primär auf Journalismus und Teamarbeit zu setzen. Eine Sportschau mit Franziska van Almsick wäre sicher nicht gut, würde sie Beckmann oder Delling kopieren. Sie würde scheitern.

Sportkoordinator Balkausky und WDR-Sportchef Steffen Simon brachten die Personalie nun erneut auf die Agenda. Sollten die Sportchefs demnächst für ein Sport-Show-Konzept "van-Almsick" stimmen, und man kann das machen, stimmen sie allerdings gegen das journalistische Prinzip. Das bedeutet nicht, dass van Almsick journalistische Kriterien bewusst ignoriert. Es bedeutet nur, dass sie ihre eigenen Kriterien hat und in erster Linie einsetzen wird: Definiert sind ihre Kriterien durch Leistungssport und Glamour, nicht durch einen journalistischen Werdegang im TV.

Einerseits hat sie eine schlagfertige Persönlichkeit, hat Bühnenerfahrung und könnte die Sportberichterstattung bereichern. Ohnehin spielt die Sportschau sonntags kaum noch eine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung. Andererseits wird es auch für sie ganz ohne das geeignete Handwerk im Fernsehen nicht funktionieren.

Van Almsick habe - gecoacht von Ernst Huberty, einem der ersten Sportschau-Moderatoren - große Fortschritte gemacht. Heißt es. Es heißt aber auch: Man würde sie nur mit Teleprompter ins Studio lassen. Bisher kam jeder der 51 Sportschau-Moderatoren seit 1961 ohne Teleprompter aus. Doch Zeiten ändern sich.

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