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Finale Staffel von "Fleabag":Auf die Fresse

Fleabag

Alles andere als religiös, aber dafür sehr am Priester interessiert: Phoebe Waller-Bridges.

(Foto: Amazon)

"Fleabag" ist wie eine Aneinanderreihung ziemlich brutaler Faustschläge, von denen man gar nicht genug bekommen kann - und eine der besten Serien, die es derzeit auf dem Markt gibt.

Die Frau in dem tief ausgeschnittenen Jumpsuit sieht makellos aus, wäre da nicht das Blut, das ihr aus der Nase tropft. Gewissenhaft wischt sie es weg, wendet ihr Gesicht vom Spiegel ab und blickt direkt in die Kamera: "Das hier ist eine Liebesgeschichte", verkündet sie, den Ansatz eines Lächelns im Mundwinkel.

So beginnt die zweite und letzte Staffel von Fleabag und es ist ein absolut stimmiger Auftakt, ist die Serie doch selbst wie eine Aneinanderreihung ziemlich brutaler Faustschläge, von denen man als Zuschauerin gar nicht genug bekommen kann. Die erste Staffel, 2016 in der BBC ausgestrahlt, wurde zu einem Überraschungserfolg, dessen Ausmaß man vielleicht erahnt, wenn man sich die Berichterstattung des Guardian zum Finale in diesem Frühjahr anschaut. Neben Kritiken, Essays und Kommentaren gab es auch einen Text mit dem Titel "Wie man nach Fleabag überlebt: Eine kulturelle Anleitung".

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So übertrieben das sein mag, so nachvollziehbar ist doch der Impuls. Denn was die 33-jährige Phoebe Waller-Bridge hier als Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin erschaffen hat, gehört zu dem Besten, was der Serienmarkt derzeit zu bieten hat. Dabei klingt die Setzung erst einmal wenig spektakulär: Fleabag, Anfang dreißig, ist eine erfolglose Café-Betreiberin aus London, die unter ihrer dysfunktionalen Familie und dem Tod ihrer besten Freundin leidet. Sex ist die Droge ihrer Wahl, um die Leere in ihrem Innern zu füllen. Sie masturbiert zu den Reden Obamas und treibt es mit jedem, der ihr unterkommt. "Ich habe das entsetzliche Gefühl", beschreibt Fleabag sich einmal selbst im Gespräch mit ihrem Vater, "dass ich eine gierige, perverse, selbstsüchtige, apathische, zynische, verkommene, moralisch bankrotte Frau bin, die sich noch nicht mal eine Feministin nennen kann". "Nun ja", antwortet der Vater nachdenklich, "das hast du alles von deiner Mutter geerbt".

Damit scheint sich Fleabag einzureihen in die Parade weiblicher Serien-Anti-Heldinnen, die in den vergangenen Jahren ihr Recht auf Selbstbestimmung und -zerstörung bekräftigten. Tatsächlich sind die schier unerfüllbaren Rollenerwartungen an Frauen (und Männer) in der Leistungsgesellschaft der Gegenwart ein zentraler Aspekt der Serie. In einer großartigen Folge der ersten Staffel besucht Fleabag zusammen mit ihrer Schwester ein Schweigeseminar. Im Nebengebäude findet ein Workshop gegen toxische Männlichkeit statt. Während die Frauen zur Selbstfindung meditieren und Beete behaken, lassen die Männer als kathartische Übung ihre Aggressionen gegen alles Weibliche an einer Plastikpuppe aus. "Schlampe!", "Fotze!" tönt es in die Stille hinein.

Wahnsinnig Komisches wechselt sich mit wahnsinnig Traurigem ab

Doch obwohl sich die Themen überschneiden, ist Phoebe Waller-Bridges Erzählansatz ein komplett anderer als etwa der authentizitätsfixierte Mumblecore aus Lena Dunhams Girls. Fleabag ist pointierter, bösartiger und vor allem versteckt die Serie nicht, wie konstruiert sie ist. Die Auftakt-Folge der zweiten Staffel zeigt das gut. Sie ist ein perfekt komponiertes Kammerspiel. Dreißig Minuten lang sieht man Fleabags Familie beim Abendessen zu. Es beginnt mit geheuchelter Freundlichkeit, steigert sich in immer beißenderen Dialogen und endet mit einer Fehlgeburt und vier blutige Nasen. Wahnsinnig Komisches wechselt sich mit wahnsinnig Traurigem ab, und zwar so schnell, dass man kaum nachkommt.

In diesem Irrsinn durchbricht Fleabag immer wieder die vierte Wand, kommentiert das Geschehen (manchmal reicht dazu schon eine ironisch hochgezogene Augenbraue) und verpflichtet das Publikum so zur Komplizenschaft. Das ist auch nötig, denn Fleabag ist keine Figur, die man automatisch liebenswert findet, so etwas gibt es in dieser Serie gar nicht. Vermutlich auch deshalb kommt das Personal so lebendig daher, allen voran die oscarprämierte Olivia Coleman als exzentrische böse Stiefmutter mit einer Vorliebe für pornografische Kunst. Eine Liebesgeschichte erzählt die zweite Staffel übrigens wirklich. Zur Tischgesellschaft gehört ein junger Mann, der es der sexsüchtigen Fleabag - die sich mittlerweile in Enthaltsamkeit übt - angetan hat. Er ist, man hätte es ahnen können, ein katholischer Priester.

Fleabag, bei Amazon.

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