bedeckt München 12°
vgwortpixel

Finale von Promi Big Brother:Bei Männern wird gerne die Drogenvergangenheit thematisiert

Sind erst einmal alle gefühlstechnisch durchgerüttelt, fällt es leichter, Homestories aus den mentalen Oberstübchen zu liefern. Schließlich muss bei den Frauen auch noch dringend geklärt werden, ob sie was an und für sich haben machen lassen, während bei den Männern gerne die Drogenvergangenheit thematisiert wird. Die Annahme, etliche Koksdealer hätten während der 14 Sendetage über massive Absatzprobleme zu klagen gehabt, erwies sich indes als falsch, denn alle entsprechend vorbelasteten Bewohner schworen Stein und Bein, dass ihre Suchtberichte ausschließlich von einer fernen Vergangenheit genährt werden. Und wenn sie das sagen, wird das schon stimmen.

Auch die Wortwahl im Big-Brother-Haus scheint sich festen Regeln zu fügen. Ganz wichtig ist offenbar, dass die Kandidaten alle paar Minuten "Alter" sagen, und wenn sie gerade nicht "Alter" sagen, dann berichten sie ungefragt, wie stolz sie gerade auf sich sind, dass sie das alles durchhalten und dass sie unbedingt zeigen wollen, wie sie wirklich sind.

Von einer neuen Chance, die er gerne hätte, schwafelte etwa der mit dem Gesetz schon mehrfach kollidierte DSDS-Teilnehmer Menowin, während es Odonkor da schon nüchterner angehen ließ. Er wolle seinen Keller ausbauen, sagte er auf die Frage, was er denn mit der Siegerprämie anfangen werde. Das war ein guter Witz, weil zu dem Zeitpunkt längst alle Bewohner den Luxusbereich hatten verlassen müssen und in einer Art Kellerverlies vor sich hin vegetierten.

Eine Schwäche war Moderator Jochen Schropp

Natürlich hatte diese Staffel trotz sehr guter Quoten und gekonnter Konzeptumsetzung auch ihre Schwächen. Eine davon war auf jeden Fall der Moderator Jochen Schropp, der mit meist hängenden Armen und seelenlosem Gestammel als traurigste Träne in den Ozean der Promi-Peinlichkeiten tropfte. Wenn er etwa die vergangenen 14 Tage lobte als "zwei Wochen voller Emotionen und voll ganz viel Spannung" konnte man leicht auf die Idee kommen, dass die alternative Verpflichtung eines Reissacks als Moderator durchaus einen Gewinn an Charisma und Sprachgewalt bedeuten könnte.

Auch die blutleeren Möchtegerngags von Cindy aus Marzahn boten wenig Grund zur Freude. Sie deuteten eher darauf hin, dass es bei der rosa XXL-Prolline karrieretechnisch auch gerade nicht so ganz dolle läuft. Wer sich derart als bollerige Zwischenruferin verdingen muss, scheint es zu brauchen und läuft damit Gefahr, demnächst selbst in der Kategorie berühmt-wegen-irgendwas auf der Kandidatenliste von Promi Big Brother zu landen.

Pro Sieben Lena soll's richten
Analyse
"Prankenstein" auf Pro Sieben

Lena soll's richten

Pro Sieben ist verzweifelt: Raab geht weg, Klum vielleicht demnächst auch. Wie soll es also weitergehen?   Von Hans Hoff

Gesichtslose Gruselstimme

"Die Talkshows, der Boulevard und eure Fans warten auf euch", sagte die gesichtslose Gruselstimme von Big Brother am Schluss der letzten Show, und das darf man ausnahmsweise mal als tatsächlich wahr nehmen. Ein, zwei Wochen werden die Sarahs, Menowins und Davids durch die Morgenmagazinhölle gehen und von ihren Großtaten erzählen dürfen. Danach werden sie dem Vergessen zum Fraß vorgeworfen.

Nur für Nino de Angelo könnte die Sache besser ausgehen. Vielleicht wird sich seine aktuelle Platte, die er mit dem Aufenthalt im TV-Knast bewerben wollte, nicht unbedingt besser verkaufen, aber es könnte durchaus sein, dass das eine oder andere Stadttheater anklopft und ihn für die Bühne will. Wenn man gesehen hat, wie er Odonkor anfuhr, weil der es gewagt hatte, ihn für den Rauswurf zu nominieren, kann man nur wollen, dass der Mann sein Talent nicht länger mit singen vergeudet. "Du hast mir den Dolch in mein Scheißherz reingestochen", herrschte er den Fußballer an. Spätestens da war klar, dass niemand mehr Hamlet braucht, wenn er Nino de Angelos furiosen Rudi-Monolog haben kann.