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Finale von "How I Met Your Mother":Zeit für die Richtige

How I Met Your Mother Fernsehserie US-Fernsehen

Tägliches Treffen in der Stammkneipe: die fünf Freunde aus How I Met Your Mother.

(Foto: Ron P. Jaffe/CBS)

Achtung, Spoiler-Alarm! Wenn Sie nicht wissen wollen, wie "How I Met Your Mother" endet, sollten Sie hier nicht weiterlesen. Im US-Fernsehen lief das überraschende und kontroverse Finale der Serie bereits im April, nun strahlt es heute Abend auch ProSieben aus. Lesen Sie hier unsere Besprechung vom Frühjahr.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es ging ja immer um die Eine, die Wahre, die Richtige. Neun Jahre lang drehte sich die Fernsehserie "How I Met Your Mother" um die Frage, mit welcher Frau der Protagonist Ted Mosby den Rest seines Lebens verbringen würde. Bei aller Komik, bei allen hanebüchenen Einfällen und verrückten Nebengeschichten blieb die Serie einer sentimentalen Grundidee treu: Ein hoffnungsloser Romantiker ist wild entschlossen, seine Traumfrau zu finden. Was jedoch, wenn die Richtige tot und die augenscheinlich Falsche ganz offensichtlich doch die Richtige ist?

Mit diesen Fragen müssen sich die Zuschauer nach dieser letzten Folge beschäftigen, die in den USA am Montag ausgestrahlt wurde und bereits für heftige Reaktionen sorgt. Auf Twitter gehen die Meinungen auseinander, von "schlechtestes Finale in der Geschichte" bis "was für ein tolles Ende".

Die Erfinder Carter Bays und Craig Thomas haben die Fans auf eine 60 Minuten lange emotionale Geisterbahnfahrt geschickt mit deprimierenden Wendungen, dramatischen Momenten, der Antwort auf einige offene Fragen und einem vielleicht nicht überraschenden, wohl aber kontroversen Ende. Und der Gewissheit, dass "How I Met Your Mother" eigentlich der falsche Titel für diese Sendung ist.

Neun Spielzeiten lang erzählt der Vater seinen beiden Teenager-Kindern die romantische Geschichte, wie er ihre Mutter kennengelernt hat. Ganz nebenbei berichtet er von wilden Nächten in New York City, von häufigen Besuchen in dieser Bar unterhalb seiner Wohnung, von Marihuana-Konsum und von zahlreichen Sexualpartnerinnen. Der Titel dieser Serie, er müsste eigentlich lauten: "Wie ich mich jeden Tag betrunken und mit beinahe jeder Frau in New York geschlafen habe".

Der Vater erzählt aber auch neun Staffeln lang, wie er Robin Scherbatsky kennengelernt und sich in sie verliebt hat, wie er jede Menge verrückter Dinge - er engagiert Musiker, er lässt es regnen, er springt in einen Fluss - anstellt, um sie glücklich zu machen. Wie er nur deshalb nach Chicago zieht, weil er es nicht ertragen kann, sie mit einem anderen Mann zu sehen, in diesem Fall auch noch seinem bestem Freund Barney Stinson. Der Titel dieser Serie, er könnte also auch lauten: "Wie ich eigentlich mit Robin zusammen sein sollte".

Im Leben passieren auch schlimme Dinge

Genau das thematisiert diese letzte Folge und geht dabei auch darauf ein, dass sich Menschen weiterentwickeln und dass im Leben unvorhersehbare und auch schlimme Dinge passieren. "How I Met Your Mother" ist keine plumpe Hommage an das Single-Leben in New York, sondern geht auch auf die Sehnsucht der Menschen ein, seine besten Freunde nach dem Schulabschluss oder der Hochzeit nicht zu verlieren. Der Zuschauer beneidet diese fünf Freunde, weil sie sich quasi jeden Tag in der Stammkneipe treffen und weiterhin allerhand verrückte Dinge erleben.

Zerschmetterte Illusion

Doch diese Illusion zerschmettern Bays und Thomas zu Beginn des Finales: Die fünf Protagonisten stehen auf der Hochzeit von Barney und Robin gemeinsam auf einer Terrasse und verabschieden sich voneinander.

Ted (gespielt von Josh Radnor) wird nach Chicago ziehen, die frisch Vermählten Robin (Cobie Smulders) und Barney (Neil Patrick Harries) werden die Welt bereisen. Marshall (Jason Segel) und Lily (Alyson Hanigan) wollen ein paar Jahre in Rom verbringen. Menschen werden erwachsen, Freunde verlieren sich aus den Augen. Wie schön, dass es wenigstens diesen Augenblick des Abschieds gibt. Wie damals bei "Friends", als sich alle noch einmal in dieser wunderbaren Wohnung treffen.

Doch damit hört es nicht auf, Bays und Thomas gehen weiter, so wie sie in der Serie stets einen Schritt weiter gegangen sind als viele andere Serien-Produzenten: Da haben sie eine Staffel darauf verwendet, die Hochzeit von Barney und Robin vorzubereiten - und erklären die Ehe keine zehn Minuten später für gescheitert. Ja, richtig: Die beiden lassen sich nach drei Jahren Ehe scheiden, weil sie doch nicht miteinander zurechtkommen.

Barney wird wieder zum nervigen Frauenhelden, schläft innerhalb eines Monats mit 31 verschiedenen Frauen und schwängert die letzte Loverin. Das führt dazu, dass dieser verlogene, frauenverachtende und beleidigende Schnösel am Ende tatsächlich die Frau fürs Leben findet: Es ist seine Tochter, um die er sich von nun an liebevoll kümmert und dadurch zu einem neuen Menschen wird.

Das angedeutete Happy End ist also nicht ganz das erwartete Happy End - auch das macht "How I Met Your Mother" zu einer beeindruckenden Serie, das Finale bei aller spontanen Empörung zu einem großartigen.

Geschichte ohne Mutter

Natürlich lernt Ted dann doch die Mutter seiner Kinder kennen, sie bekommt sogar einen Namen: Tracy. Die beiden wollen in einem französischen Schloss heiraten - was die Mutter absagt, weil sie schwanger ist.

Die beiden sind glücklich, sie haben noch ein zweites Kind, sie genießen die Zeit, die sie miteinander haben, fünf Jahre später heiraten sie gemeinsam mit allen Freunden. Aber die Schlussepisode ist noch nicht zu Ende, als herauskommt, dass Tracy krank ist und sie schließlich stirbt. "Ich bereue nichts", sagt Ted - er habe seine Frau nicht nur in guten wie in schlechten Tagen geliebt, sondern auch "in den schlimmsten aller Zeiten".

Als er seinen Kindern versichert, dass dies die Geschichte gewesen sei, wie er deren Mutter kennengelernt habe, protestieren sie: "Sie kommt kaum vor!" Um diese romantische Kennenlern-Geschichte ihrer Eltern gehe es dem Vater gar nicht, sondern darum, deren Segen zu bekommen, Tante Robin noch einmal für sich zu begeistern. Diesen Segen bekommt er, die Kinder sind begeistert. Und am Ende steht Ted vor ihrer Wohnung mit diesem blauen Instrument, das er einst für sie gestohlen hat.

Robin durfte um die Welt reisen, sie durfte Karriere machen. Ted dagegen konnte jene Familie gründen, die mit Robin niemals möglich gewesen wäre. Und dann gibt es diesen Zeitpunkt, an dem die beiden füreinander Bestimmten endlich zusammenfinden. Die beiden die sich, ganz in der Tradition von Sitcoms, in der ersten Folge schon kennengelernt haben. Es ging bei "How I Met Your Mother" stets um die Eine, die Wahre, die Richtige - das Grandiose für Ted ist, dass er sie zwei Mal finden darf.

How I Met Your Mother: "Das Gelöbnis", "Die Liebe meines Lebens 1", "Die Liebe meines Lebens 2", Mittwoch, 27.8., ProSieben, ab 20.15 Uhr.

Anmerkung der Redaktion: Das von ProSieben ausgestrahlte Finale von "How I Met Your Mother" entspricht dem umstrittenen Ausklang der Serie im US-Fernsehen. Nach den Protesten in den USA hatten die beiden Produzenten Carter Bays und Craig Thomas angekündigt, dass es für die DVD-Fassung ein zweites Finale geben werde. Die DVD mit dieser modifizierten Version kommt in den USA am 23. September 2014 auf den Markt.

© SZ.de/cag/rus/sks

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