Finale von "Das Supertalent" "Du hast tolle Arme!"

Sängerin Victoria "Angel" Flukes ist Siegerin der RTL-Show "Das Supertalent".

(Foto: dpa)

Die Schlangenfrau hatte die bessere Show, trotzdem gewinnt Bohlens Liebling "Angel" am Ende "Das Supertalent": Zuschauer beschweren sich über ein Überangebot an siegenden Sängern.

TV-Kritik von Ruth Schneeberger

Böser Fehler: Jetzt hat doch tatsächlich eine junge Frau "Das Supertalent" gewonnen, die weder eine Behinderung noch eine Krankengeschichte noch ein schweres Schicksal aufzuweisen hat - zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Ergo laufen die sozialen Netzwerke über vor Unmut über den Sieg der 28-jährigen "Angel". Was ist passiert?

Für den Fall, dass Sie am Samstagabend Besseres zu tun hatten, als zur besten Sende- und Ausgehzeit vier Stunden lang irre grinsenden Tänzern, schwitzigen Artisten und dem obligatorischen Puppenspieler-Pantomimen-Mix bei RTL zuzusehen: Sie haben nicht viel verpasst.

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Außer einem vierfachen Salto Mortale der obenrum so nackten wie muskelbepackten "Gebrüder Scholl", einem Schlittschuhläufer-Pärchen, dessen weibliche Hälfte mit dem Kopf kurz auf dem Boden auftitschte, sowie einer unglaublichen Schlangenfrau, die nur ein paarmal zu oft ihr hübsches Haupt in der immer selben Stellung vor dem eigenen Anus platzierte, sonst hätte sie mit dem ansonsten tadellosen Auftritt und aufregenden Outfit bestimmt gewonnen.

Normalo vs. Mallorca-Mieze

So aber mussten die beiden erwachsenen Sänger den Sieg unter sich ausmachen (ein zwölfjähriger Junge war auch mit seinen Sangeskünsten im Finale, aber singende Kinder sind eher für den "och wie süß"-Effekt gebucht), die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein fülliger Normalo-Familienvater ohne Sangeserfahrung, dafür mit umso mehr "Gefühl", sowie eine perfekt gestylte britische Sängerin mit Hauptwohnsitz Mallorca.

Dieser bescheinigt Juror Bruce Darnell nach ihrem leider etwas langweiligen Auftritt schreiend: "Du hast einen tollen Body, du hast eine tolle Präsenz, du hast tolle Beine, du hast tolle Brüste, du hast tolle Arme!" Lustigerweise sieht die Engländerin exakt aus wie eine zwar partytauglichere, aber nicht minder steife Schwester von Herzogin Kate.

Das tut der Begeisterung Dieter Bohlens für dunkel-langhaarige junge Frauen keinen Abbruch, weshalb Victoria Flukes alias "Angel" ihm bereits in der diesjährigen DSDS-Staffel äußerst positiv aufgefallen war. Dass sie dort schnell rausflog, macht nichts, weil Bohlen ja mehrere Sendungen bei RTL hat.

"Jetzt kann der Dieter wieder schön Asche an einer Sängerin verdienen, der schreibt denen doch die Songs", mosern die Fans nach der Sendung auf Facebook - und hätten dort mehrheitlich dem Zweitplatzierten Thomas Stieben den Sieg gegönnt, dem die Siegerin nach der Verkündigung nicht einmal die Hand reichte, wie in den sozialen Netzwerken kritisch beäugt wird. Bekrittelt wird zudem von den Zuschauern, dass es für Sänger schon mehr als genügend Shows im deutschen TV gebe und das "Supertalent" besser daran täte, auch einmal ein Talent außerhalb der Sangeskünste zu küren.

"Angel" ist nicht die Siegerin der Herzen

Langer Rede kurzer Sinn: "Angel" ist nicht die Siegerin der Herzen, hat aber genügend Potenzial, um nach der Show vermarktet zu werden, und das ist ja nun mal das Ziel.

Um echte "Talente" wird es dabei sowieso nie gehen. Hier gilt das ewige Prinzip des amerikanischen Traumes, dass jeder "es schaffen" könne, wenn er nur genügend wolle. Dass schon Sechsjährige diese Policy auf der Bühne aus vollem Herzen verkünden, lässt doch glatt vergessen, dass es am Ende dann doch nur "eine/n geben kann" und auch diese/r eine in schöner Regelmäßigkeit nach ein paar Wochen oder Monaten in der Versenkung verschwindet. Aus der Traum.

Nur für RTL geht die Show immer weiter: Im Januar ist wieder Dschungelcamp, angeblich mit Gina-Lisa Lohfink. Da kann man dann wieder aus dem Vollen schöpfen - und sich schön an vergeigten Schicksalen weiden. "Angel" hat sich bis dahin vielleicht auch schon eine kleine Karriere des Scheiterns aufgebaut, damit sie den Massen nicht mehr "zu glatt" ist.

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