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ARD-Mediathek:Berliner Luft auf dem Mond

UFA DR LA FEMME SUR LA LUNE DIE FRAU IM MOND de Fritz Lang 1929 ALL science fiction exploratio

"Die Frau im Mond" von Fritz Lang aus dem Jahr 1929 ist nun in der ARD-Mediathek zu sehen.

(Foto: imago/Prod.DB)

Die ARD bereitet auf die nächste Staffel "Babylon Berlin" vor - mit elf Filmen aus der Zeit zwischen 1921 und 1931. Diese hier lohnen sich besonders.

Von Fritz Göttler

Das hat alles mein Mann so eingerichtet, sagt die Gräfin Told, gleichsam entschuldigend, als sie den Staatsanwalt in ihrem Salon begrüßt. Der wirkt doch recht irritiert angesichts der strengen Statuen und unförmigen Objekte, die hier herumstehen, aus allen möglichen alten Zeiten und Kulturen. Der gräfliche Salon ist, neben Spielcasinos und Kaschemmen, nur ein Nebenschauplatz im allerersten Mabuse-Film von Fritz Lang und (fürs Drehbuch verantwortlich) seiner Frau Thea von Harbou, aus den Jahren 1921/22, aber er weist, mit seiner monströsen Mischung aus Archaischem und Art déco, aus Derbem und Gekünsteltem, direkt ins Zentrum des Films. Der nicht nur ein irrwitziger Kriminal- und Manipulationsthriller ist, sondern die ganze Stadt Berlin abbildet, die damals die Weltmetropole der Moderne war. "Ein Bild der Zeit, ein Spiel von Menschen unserer Zeit", wie schon die beiden Filmteile heißen.

Langs Mabuse steht im Zentrum einer Aktion, mit der die ARD, neben den üblichen Webseiten und Podcasts, uns auf die nächste Staffel ihrer Erfolgsserie Babylon Berlin vorbereitet. Elf Filme, entstanden zwischen 1921 und 1931, in der Zeit, da die Serie spielt - es sind Stumm- und frühe Tonfilme -, werden nun in der Mediathek präsentiert. Sie zeigen, wie fantasievoll und technisch versiert damals Kino gemacht wurde, das hat auch die Macher von Babylon Berlin immer wieder fasziniert.

Und das Berlin-Feeling ist absolut authentisch: Die weiträumige Hotelhalle in Friedrich Wilhelm Murnaus Der letzte Mann, wo der Chefportier Emil Jannings gschaftelig regiert. Louise Brooks in zwei Filmen von Georg Wilhelm Pabst, naiv und mondän, als Lulu und als Thymian in Tagebuch einer Verlorenen. Das Treffen der Berliner Gauner-Ringvereine in Fritz Langs M, 1931, unter Führung des "Schränkers", gespielt von Gustaf Gründgens - sie beschließen, selbst den Kindsmörder zu jagen, weil bei dessen Verfolgung die Polizei ihnen immer wieder mit Razzien zusetzt. Die jungen Angestellten in Menschen am Sonntag, alle keine Berufsschauspieler, die baden und Boot fahren am Wannsee und nichts sind als Berliner am Sonntag. Ein wunderbarer Film, zwischen jugendlicher Spontaneität und professioneller Sicherheit, am Dreh waren Robert Siodmak, Edgar Ulmer, Fred Zinnemann, Eugen Schüfftan, Billy Wilder beteiligt, die dann bald nach Hollywood emigrierten. Wenn die zwei Mädels im Schilf ein kleines Grammophon aufstellen, ankurbeln und das Lied "In einer kleinen Konditorei ..." erklingen lassen, das ist ein unvergesslich schöner Filmmoment.

Bis auf den Mond dringt diese Atmosphäre, auf dem es offenbar Berliner Luft gibt in Fritz Langs frühem Weltraumabenteuer Frau im Mond, sodass die Hauptdarsteller Willy Fritsch und Gerda Maurus sich nicht in Raumanzüge zwängen müssen, sondern in ihren Knickerbockerhosen und Wollpullis herumstapfen und echtes Berlin-Feeling verbreiten können.

Zu sehen in der ARD-Mediathek.

© SZ

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