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Medienkolumne: Abspann:Der Retter in der Not

Facebook gab am 30. März bekannt, US-Medien mit einer Millionenspende unterstützen zu wollen. Rührend, oder?

(Foto: AFP)

Facebook kündigt an, US-Lokalzeitungen in Zeiten der Coronakrise mit einer Millionenspende unterstützen zu wollen. Rührend. Oder?

Doch, es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Gerade ließ Facebook wissen, man wolle 25 Millionen Dollar an notleidende US-Lokalzeitungen spenden und sie mit weiteren 75 Millionen für Anzeigen stützen.

Bevor sich der Zeitungsleser ganz von seiner Rührung über diese Großzügigkeit in Zeiten der Krise überwältigen lässt, sollte er sich kurz in der Bilanz vergewissern, dass die milde Gabe zwar die Armen trifft, beim Gönner aber kaum ins Gewicht fällt; im vergangenen Jahr hat Facebook einen Umsatz von 70 Milliarden Dollar erwirtschaftet, unter anderem mit den Nachrichten aus den Zeitungen, die gegenwärtig um ihre Existenz fürchten müssen.

Das ist eine Schande, denn gerade jetzt sind verlässliche Nachrichten wichtiger denn je, wie Campbell Brown, bei Facebook die Vizepräsidentin für News-Partnerschaften, in der New York Times erklärte. "Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass der Lokaljournalismus einen wichtigen Kundendienst bietet, dann wird er gegenwärtig erbracht." Es sei aber an der Zeit, sich umzustellen, meinte Brown noch und fügte hinzu. "Wir verstehen von den Veränderungen mehr als andere, weil wir die Nutznießer sind." Schön, dass es mal jemand gesagt hat.

© SZ vom 31.03.2020

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