Entscheidung im Rundfunkrat Buhrow zum WDR-Intendanten gewählt

Der Favorit hat die Abstimmung gewonnen: Der Moderator der "Tagesthemen", Tom Buhrow, wird Intendant des Westdeutschen Rundfunks. Die Entscheidung fiel im ersten Wahlgang.

Was die meisten Beobachter erwartet haben, ist eingetreten: Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow wird Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Der 54-Jährige erhielt am Mittwoch im Rundfunkrat 41 von 47 Stimmen, wie aus Senderkreisen verlautete. Der Intendant von Radio Bremen, Jan Metzger, bekam vier Stimmen, der Direktor bei der Europäischen Rundfunkunion in Genf, Stefan Kürten, zwei. Die bisherige WDR-Intendantin Monika Piel war nach sechs Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.

Für Tom Buhrow, geboren in Troisdorf bei Köln, ist die Intendanz eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, denn er hat beim WDR volontiert. Danach arbeitete er von 1986 bis 1992 erst als Redakteur für das WDR Fernsehen und später als Reporter und Chef vom Dienst für die Regionalsendung Aktuelle Stunde, die er auch moderierte.

Im Oktober 1992 wechselte er als ARD-Reporter in die Tagesschau-Redaktion des WDR und ging im Anschluss 1994 das erste Mal als Korrespondent nach Washington. Schon damals kannte er die USA gut: Er hatte dort zwei Jahre seiner Schulzeit verbracht.

2006 wurde Buhrow Nachfolger von Ulrich Wickert als Moderator der Tagesthemen in Hamburg. Dafür kehrte er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern aus den USA zurück.

"Gewinnender Kommunikator"

Nach Friedrich Nowottny und Fritz Pleitgen ist er der dritte bekannte Fernsehjournalist an der Spitze des WDR. Auch Piel hatte Jahrzehnte als Journalistin gearbeitet, vor allem im Hörfunk.

Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor lobte den frisch gewählten WDR-Intendanten als "hervorragenden Journalisten". "Ich bin sicher, dass wir gemeinsam in der ARD viel bewegen können, damit der öffentlich-rechtliche Rundfunk zukunftsfähig bleibt. Dabei spielt der WDR als größter Sender der ARD eine wesentliche Rolle", teilte Marmor nach der Intendantenwahl in Köln mit. Er würdigte den Tagesthemen-Moderator als "umsichtigen, gewinnenden Kommunikator".

Das TV-Publikum wird sich nach Buhrows Wahl an ein neues Gesicht bei den Tagesthemen gewöhnen müssen. Nach einem Bericht des Tagesspiegels hat der ARD-Korrespondent in New York, Thomas Roth, gute Chancen auf die Nachfolge.

Viele heikle Aufgaben

Der 61-Jährige könnte vom WDR ins Feld geschickt werden, weil der ARD-interne Proporz laut Tagesspiegel vorsieht, dass der WDR die eine, der NDR die andere der beiden Tagesthemen-Stellen besetzt. Für den NDR moderiert derzeit Caren Miosga neben Buhrow die Tagesthemen. Trotzdem gehört auch NDR-Gewächs Ingo Zamperoni (39) zur Kandidatenliste, da er bereits jetzt ständiger Vertreter von Caren Miosga und Tom Buhrow ist.

Marmor sagte zur Nachfolgefrage bei den Tagesthemen: "Wir werden das mit der gebotenen Eile, aber auch mit der nötigen Sorgfalt prüfen."

Auf den neuen WDR-Intendanten kommen viele heikle Aufgaben zu: So schwelt weiter der Streit mit den Verlegern um die Tagesschau-App und die Internetpräsenz allgemein. Aus Sicht des Rundfunkrates muss sich der WDR außerdem noch stärker darum bemühen, sein Programm für ein jüngeres Zielpublikum attraktiver zu gestalten.

Als größte ARD-Anstalt verfügt der WDR über ein Budget von knapp 1,4 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 4.000 Mitarbeiter. Der Rundfunkrat ist Aufsichtsgremium des Senders und setzt sich aus Vertretern gesellschaftlicher Gruppen zusammen. Vorsitzende ist die CDU-Politikerin und frühere Europaparlamentarierin Ruth Hieronymi.