Ende von "Wetten, dass..?" Gottschalk trauert

Thomas Gottschalk verneigt sich am Ende seiner letzten "Wetten, dass..?"-Sendung in Friedrichshafen

(Foto: Reuters)

Frank Elstner hat die Show erfunden, Markus Lanz hat sie zugrunde gerichtet. Das wahre Gesicht von "Wetten, dass..?" ist aber Thomas Gottschalk. Äußern will er sich zum Ende der Sendung nicht. Er trauere. Und das für ihn ganz untypisch: still.

Von Claudia Fromme

Frank Elstner mag Wetten, dass..? beim Rotwein nächtens erfunden haben, Markus Lanz die Show mit Sackhüpfen und Hula-Hoop-Reifen-Tanz endgültig zugrunde gerichtet haben. Das prägende Gesicht aber war Thomas Gottschalk. Sein ondulierter Kopfputz, die goldenen Brokatjacken, seine Hand auf den Knien juveniler Hollywoodpromis sind es, die das Hirn meldet, wenn es um die moribunde Show geht.

Als Gottschalk im Dezember 2011 die Show verließ, fragten sich viele, wie es mit Wetten, dass..? ohne ihn weitergehen soll. Bei seinem Start 1987 allerdings war es so, dass viele Zuschauer zweifelten, ob er überhaupt das Format dafür habe. Sein Vorgänger Elstner war ein höflicher Conférencier, Gottschalk ein Dampfplauderer, der eine so große Lässigkeit in die Stadthallen brachte, dass man sich eher in einer Morningshow an der US-Westküste wähnte als in Böblingen. Um das sensible Publikum nicht weiter zu verstören, verbot der damalige ZDF-Unterhaltungschef Wolfgang Penk dem 37-jährigen Moderator, in Turnschuhen aufzutreten. Er trug sie doch, silberne und güldene, abwechselnd mit Cowboystiefeln und Lackschuhen.

Gottschalk brachte barocken Prunk zu Wetten, dass..?

Elstner hat Wetten, dass..? zum Hochamt der Fernsehunterhaltung gemacht, Gottschalk hat den barocken Prunk dazu geliefert. Mag sein, dass das auch mit seiner Herkunft zu tun hat. Geboren ist er am 18. Mai 1950 in Bamberg, hinein in den fränkischen Katholizismus mit all seiner Prächtigkeit. Er war Ministrant in Kulmbach, später Lehramtsstudent der Germanistik und Geschichte mit Stipendium der Deutschen Bischofskonferenz in München.

Der Kirche war er nah, ebenso dem Teufelszeug, der Rockmusik. Er wirkte als DJ in einem Kulmbacher Tanzlokal und heuerte 1971 beim Bayerischen Rundfunk an. Pop nach acht hieß eine seiner Sendungen, die Musik brachte ihn auch ins TV. Die erfolgreiche Talkshow Na sowas! sorgte für bundesweite Beliebtheit - und verhalf ihm zu Wetten, dass..? Die Show bereicherte er fortan nicht nur mit Gummibärchen sondern auch mit Stars, die er aus seiner Nachbarschaft in Malibu kannte, wo er mit Gattin Thea wohnt. Zwei Kinder hat das Paar.

Nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch Ende 2010 kündigte Gottschalk an, die Show verlassen zu wollen. Ein Schatten liege für ihn auf der Sendung. Am Ende war es vor allem seine Show gewesen: Er war der Star, die Gäste waren Kulisse. Dieses Erbe wurde für Markus Lanz zur Bürde, der zudem ein Format übernahm, das auch schon bei Gottschalk schwer an Quote gelassen hatte - der Samstag gehörte nicht mehr der Show. Gottschalk versuchte sich danach wochentags in der ARD an einem Vorabendtalk, den zu wenige sehen wollten. Er zog weiter zu RTL, da tritt er mit Günther Jauch in der Spielshow Die 2 auf.

Befragt zum Ende von Wetten, dass..? will sich Gottschalk nicht äußern. Weder "Häme noch Besserwisserei" seien nun gefragt, erklärt er. "Ich trauere, wie man so schön sagt, still. Und das will bei mir was heißen."