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Einblendungen beim ARD-Film "Rommel":Wie Kräutertee beim Stones-Konzert

Wenn der Hinweis auf Web-Aktivitäten einer Geschmacklosigkeit gleichkommt: Irgendeine ARD-Ignoranz ruinierte bei "Rommel" den tragischen Höhepunkt.

Erwin Rommel in den letzten Minuten seines Lebens, da macht es "Ping!". Ganz sanft hat ARD in die obere linke Ecke des noch laufenden Films eingeblendet: "Sendung verpasst?" Einige ...

(Foto: Screenshot)

Niki Stein hat einen Fernsehfilm gedreht: Rommel. Der Film gibt mutmaßlich die letzten Monate Erwin Rommels wieder, jenes Mannes, der als "Wüstenfuchs" zum populärsten deutschen Soldaten wurde und dann scheiterte. Ulrich Tukur spielt diesen Rommel, er spielt ihn großartig. Man erlebt, wie Rommel Halt und Hoffnung verliert, wie ihm Ruhm, Glanz und Macht zwischen den Fingern zerrinnen.

Rommel wird dann - nach dem Attentatsversuch auf Hitler vom 20. Juli 1944 - der Mitverschwörung beschuldigt, ihm wird nahegelegt, Selbstmord zu begehen. Er sagt: "Ich habe mich vergessen", verabschiedet sich von seiner Frau: "In 15 Minuten bin ich tot", und will gerade sein Haus ein letztes Mal verlassen, da macht es: "Ping!". Ganz sanft zwar, doch die ARD hat in die obere linke Ecke des noch laufenden Films eingeblendet: "Sendung verpasst?"

Einige Sekunden später der Hinweis: "www.DasErste.de." Alles fett unterstrichen. Wieder einige Sekunden später, Rommel hat sich gerade von seinem Sohn verabschiedet, ihm Schlüssel und Brieftasche übergeben, aber Rommel ist immer noch nicht tot, da flackert durch das Sendebild der Schriftzug: "Das Webspecial zum Film: www.DasErste.de/Rommel".

... Sekunden später der Hinweis: "www.DasErste.de". Alles fett unterstrichen. Wieder ...

(Foto: Screenshot)

Ganz, ganz falsches Timing! Der Film läuft ja auf diesen tragischen Höhepunkt hinaus, Tukur meistert ihn fantastisch, Stein hat die Szene behutsam inszeniert - und mitten hinein pingelt irgendeine ARD-Ignoranz Hinweise auf ihre Web-Aktivitäten.

... einige Sekunden später, Rommel hat sich gerade von seinem Sohn verabschiedet, da flackert durch das Sendebild der Schriftzug: "Das Webspecial zum Film: www.DasErste.de/Rommel".

(Foto: Screenshot)

Es ist, als ob sie schon um Rommels Kleider würfeln würden, um es mal biblisch zu sagen. Hätte man eingeblendet: "Merkel beim Dealen erwischt", oder: "Obama gibt Romney seine Stimme" oder: "Der Papst heiratet einen Bischof", hätte der Stimmungskiller seine aktualitätsgetriebene Berechtigung. Aber mit dem Buhlen um Aufmerksamkeit für weitere Produkte werden die laufenden in Beliebigkeit geschleift. Niemand würde mitten in einem Stones-Konzert das Licht anmachen, um darauf hinzuweisen, dass es an der Bar auch Kräutertee gibt.

© SZ vom 03.11.2012/pak
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