Dritte Staffel "Serial" Der Podcast, mit dem alles begann

Die US-amerikanische Podcast-Serie Serial geht in die dritte Staffel.

(Foto: Jakob Berr)

"Serial" geht in die dritte Staffel. Und nimmt sich erneut das Justizsystem der USA vor. Jedoch nicht anhand eines spektakulären Einzelfalls, sondern in einer unaufgeregten Langzeitbeobachtung.

Von Stefan Fischer

Seien es Fehler, sei es Mutwille: Es geht vor Gericht nicht immer mit rechten Dingen zu. Die US-amerikanische Journalistin Sarah Koenig hat das in ihrem Podcast Serial anhand außergewöhnlicher Fälle akribisch belegt. Die ersten zwei Staffeln kommen gemeinsam auf 175 Millionen Downloads - sie haben einen Podcast-Boom ausgelöst und das True-Crime-Genre neu erfunden, die umfassende Recherche in Kriminalfällen.

Die Erwartungen an die dritte Staffel, deren erste beiden Folgen nun abgerufen werden können (serialpodcast.org), sind insofern hoch. Sie werden von Koenig und ihrem Team geschickt unterlaufen: Serial nimmt sich zwar erneut das Justizsystem der USA vor. Jedoch nicht anhand eines spektakulären Einzelfalls, sondern in einer klugen, unaufgeregten Langzeitbeobachtung des Alltags im Justizzentrum von Cleveland, Ohio.

Die Erzählerin vertraut auf die Geduld ihrer Hörer. Koenig wartet diesmal nicht mit Aufsehenerregendem auf. Sie betritt das Gerichtsgebäude, macht einen mit Menschen bekannt, mit Fakten und Verfahrensweisen. Ein erster Fall kommt ins Spiel, es geht um eine Kneipenrangelei und die Frage, warum die Angeklagte überhaupt vor Gericht landet. Koenig ist vorsichtig mit Urteilen über Urteile. Doch sie zeigt auf, wie sie zustande kommen - und dass sich die Realität nicht zwingend deckt mit dem Gerechtigkeitsempfinden. Dass manches im Argen liegt, aus strukturellen und individuellen Gründe. Das ist die Kunst von Koenig, die keine simplen Schlüsse zieht: Sie kann einen fesseln mit Problemen, die sich unterhalb der Skandalebene bewegen. Und die womöglich mehr über die USA erzählen als jeder tatsächliche Skandal.

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